Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491111
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Pommersuhe Kunstgeschichte. 
Umrissen besteht, wobei aber der Grund bereits um ein geringes vertieft ist. 
findet sich in der Marienkirehe zu Greifswald, an der Wand des 
nördlichen Seitenschilles eingemauert. Der Stein enthält die Darstellung 
des gekreuzigten Heilandes, auf dessen einer Seite man Maria, ohnmächtig 
in Johannis Armen, sieht, während auf der andern ein betender Mann kniet. 
Dies ist der, in Greifswalds Geschichte mannigfach berühmte Heinrich 
Rubenow, der Gründer der dortigen Universität, und der Stein ist dem 
Gedächtniss seines tragischen Endes gesetzt, wie dies seine Unterschrift 
erkennen lässt. Sie lautet: „Uppe nye iares anede des leste daghes des 
iars der bord xii-i Mcdlxii. wart slaghe her hinrik rubenow doctor in beide 
regte 3d borghmeister   hyr"     Der Styl der Zeichnung ist hier aber 
bereits wesentlich abweichend von dem der vorgenannten Arbeiten. Wäh- 
rend dort noch ein feierlicher gerader Fluss der Linien vorherrscht, so 
tritt hier bereits entschieden jenes eckige, scharfe Wesen ein, welches 11.11. 
namentlich die gleichzeitigen Holzschnitte charakterisirt. Wir dürfen so- 
mit, wie es scheint, annehmen, dass auch in Pommern (ähnlich wie in 
andern Theilen Deutschlands) etwa um die Mitte des funfzehnten Jahr- 
hunderts, oder doch bald darauf, jene Umwandlung des bildnerischen Sty- 
les erfolgt sei. 
Alterthümliche 
Gewölbmalereieln. 
Indem die Darstellungen der vorgenannten Grabplzitteu eigentlich mehr 
dem Bereiche der Malerei als dem der Sculptur angehören, findet sich 
hier Gelegenheit, zugleich auch ein wirkliches, und zwar sehr grossräu- 
miges Werk der Malerei zu betrachten. Dies sind die Malereien am Ge- 
wölbe der Marienkirche zu Colberg; sie füllen das ganze geräumige 
Mittelschiff (mit Ausnahme des letzten Kreuzgewölbes vor dem Chors) aus; 
früher sollen auch die Gewölbe des Cheres und die der beiden älteren 
Seitenschiffe auf gleiche Weise ausgemalt gewesen sein, diese aber in 
Kriegszeiten zu sehr gelitten haben, worauf man sie übertüncht habe. 
Die vorhandenen Darstellungen tragen entschieden das Gepräge des vier- 
zehnten Jahrhunderts; ihre Einrichtung ist ganz die, welche man an gleich- 
zeitigen italienisehen Gewölbmalereien wahrnimmt. Die Kreuzgurte (wie 
dies bereits oben bemerkt wurde) und breitere Streifen neben ihnen sind 
mit einfachen gothischen Ornamenten versehen; jedes Dreieckfeld des ein- 
zelnen Kreuzgewölbes zerfällt in zwei unregelmässig viereckige Hauptfel- 
der, denen sich in den Ecken kleine dreieckige Nebenfelder anreihen. S0 
umfasst das Vorhandene 32 Hauptdarstellungen und 40 Nebendarstellungen. 
Jene enthalten eine Art Biblia pauperum, eine Zusammenstellung von 
Scenen des alten und des neuen Testamente-s, in denen, nach der im 
Mittelalter gebräuchlichen Symbolik, die Begebenheiten des alten Testa- 
ments "als prophetische Vordeutnngen auf die des neuen betrachtet wer- 
den. S0 iinden sich immer entsprechende Seenen aus beiden nebeneinander 
gestellt: Moses vor dem feurigen Busch und die Verkündigung Mariä, die 
Erschatfnng der Eva und die Geburt Christi, der Sündenfall und Christi 
Leichnam im Sehoosse der Maria, u. (lergl. m. Die kleineren dreieckigen
        

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