Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491055
Steinsculptur. 
An diese Bronze-Arbeiten lässt sieh das Wenige anreihen, was sich 
in Pommern an mittelalterlicher Steinsculptur vortindet. Dass die eigent- 
liche Bildhauerkunst im pommerschen Mittelalter überhaupt gar wenig zur 
Anwendung gekommen, beruht, wie es scheint, auf dem Systeme der Archi- 
tektur, welches, so reichen Schmuck es auch in späterer Zeit annimmt, 
doch der höheren, bildnerischen Zierde fast gar keine Stelle einräumt. 
Gleichwohl ist es auffallend, dass die so überaus reiche und mannigfache 
Ausbildung des gebrannten Steines nicht wenigstens (wie dies z. B. in 
Italien im späteren Mittelalter der Fall ist) eine, von der Architektur un- 
abhängige Bildnerei in diesem Material zur Folge gehabt hat. Nur die 
Holzsculptur, von der weiter unten die Rede sein wird, ist auf eigen- 
thümliche und sehr ausgebreitete Weise in Anwendung gebracht worden. 
Einiger weniger Steinsculpturen, die mit der Architektur in Verbindung 
gebracht sind, ist bereits früher gedacht werden. Dahin gehören die Fi- 
guren im südlichen Giebel des Domes von Cammin, die den Uebergang 
aus dem byzantinischen in den sogenannten germanischen Styl zu bezeich- 
nen scheinen. (Ihr Material kann ich, da sie dem Auge so beträchtlich 
entfernt stehen, nicht trennen.) Sodann die kleinen Figuren in gebranntem 
Stein, welche sich in der Sakristei desselben Domes vorfinden, und die 
den germanischen Styl in strenger Reinheit zeigen. Beide gehören der früheren 
Zeit des dreizehnten Jahrhunderts an. Dem Sehlussc des dreizehnten Jahr- 
hunderts scheinen die ziemlich schwergebildeten Sculpturen jenes merkwvür- 
digen Säulenkapitäles in Colbatz anzugehören. Sehr wenig bedeutend 
sind sodann die rohen und schwerfälligen Reliefs der Heiligen Petrus und 
Paulus an der Petrikirche zu Stettin, die ich, wie oben bemerkt, dem 
vierzehnten Jahrhundert zuzuschreiben geneigt bin. Noch weniger künst- 
lerischen Werth hat die kleine, in Thon gebrannte Heiligentigur, die ich 
in Stargard fand. Ausserdem wüsste ich nur noch eine Figur, die für 
architektonische Zwecke bestimmt zu sein scheint, nennen; dies ist die am 
Thurme der Schlosskirche zu Stettin eingemauerte Sandsteinstatue eines 
Bischofes, in der man, nicht ohne Grund, das Bild des Schutzpatrones dieser 
Kirche, des heiligen Pommernbekehrers, Otto von Bamberg, erkennen darf. 
Leider ist diese Figur, und namentlich das ganze Gesicht, beschädigt; an 
der Gewandung aber sieht man noch eine sehr treiiliche und saubre Durch- 
bildung jener Weise des germanischen Styles, welche das vierzehnte Jahr- 
hundert charakterisirt. Der consnlenartige Sockel, auf dem die Statue 
ruht, ist mit kleinen figürlichen Darstellungen geschmückt, die aber auch 
sehr beschädigt sind. 
Dann findet sich, als ebenfalls noch hierher zu zählen, eine kolossale 
aus Stucco gearbeitete Gruppe in der Nikolaikirche zu Stralsund, 
in derjenigen Kapelle auf der Nordseite der Kirche, welche gegenwärtig 
als Taufkapelle dient. Sie stellt die heilige Anna, die Mutter der Maria. 
vor, welche die Maria auf dem Schoossc hält. sowie diese, in gleicher 
Stellung, das Christkind auf ihrem Schoosse trägt (eine D3rSfQII11IJgSxxYQiSQ. 
die im Mittelalter häufig vorkommt). Die Haltung der Figuren ist noch 
steif, die Verhältnisse nicht ganz naturgemäss, aber in der Anordnung der 
Gewandung zeigt sich auch hier ein edler Sinn und in den etwas breiten
        

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