Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491033
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Pommersche Kunstgeschichte. 
Blätter und Thiertiguren, nach gothischer Art. Ebendort beündet sich, an 
einem der Chorpfeiler zu gleichem Behnf eingemauert, eine grosse Schale 
von rothem Marmor, einfach, aber sehr geschmackvoll gebildet. Ganz in 
der alten Form erscheint dagegen wiederum ein Taufstein in derJ akobi- 
kirche zu S t r a l s u n d. Aehnliche in den Kirchen von G ollnow. 
Greiffenberg, Stolp, Freienwalde, Kloster Colbatz u. s. w. In 
der Thurmhalle der Johanniskirehe zu Stargard findet sich ein Tauf- 
stein, dessen Haupttheil ringsumher mit einer tlaeh erhabenen gothischen 
Bogenstellung geschmückt ist und der schon einer etwas späteren Zeit an- 
zugehören scheint. Ein ähnlicher Taufstein wird in der südlichen Vorhalle 
des Domes zu Cam min aufbewahrt. An letzterem Orte ist auch noch 
ein zweiter Stein vorhanden, der nur erst aus dem Rohen gehauen und 
unvollendet gelassen ist. Die meisten Arbeiten dieser Art sind aus Kalk- 
stein gebildet.  
Bronzen. 
Mit grösserer Pracht und in reicherer künstlerischer Ausbildung sind 
ein Paar Inventarienstücke der Marienkirche zu Colberg gearbeitet. 
Da sie das Datum ihrer Entstehung tragen, so dienen sie zugleich der wei- 
teren kunsthistorischen Forschung als willkommene feste Ausgangspunkte. 
Es sind zwei grosse, in Bronze gegossene Werke, das eine ebenfalls ein 
Taufbecken, das andere ein colossaler siebenarmiger Leuchter,- eine Nach- 
bildung des bekannten Leuchters im Tempel von Jerusalem, wie dieser 
an dem Triumphbogen des Titus zu Rom erscheint, und wie sich ähnliche 
Nachbildungen auch in andern Dornkirchen (z. B. in denen von Magdeburg 
und Halberstadt) finden. Der Leuchter ist von beiden das. ältere Werk; 
er hat an seinem Fusse eine doppelte Inschrift; die obere macht den Ver- 
fertiger namhaft; sie lautet: „De dessen luchter ghemaket hat. Johes 
Apenghetere. God gheve zyner zele raat. Amen." Die untere Inschrift 
heisst: „Dessen luchter gaf her godeke de dekene. dorch god. dat mach 
men vor war spreken. Anno dni. M. CCC. XXVII." Der Leuchter besteht 
aus einer starken, zwölf Fuss hohen Säule, die das mittelste Licht aufzu- 
nehmen bestimmt ist und an der auf jeder Seite drei grosse Arme befestigt 
sind. (Zwei dieser Arme sind eine neuere Ergänzung von Holz.) An dem 
unteren Rande des Stammes springen drei Hundsköpfe vor; diese, und mit 
ihnen die ganze Last, ruhen auf drei kleinen, streng stylisirten Löwen. 
Oberwärts sind am Stamme des Leuchters die Reliefbilder der Apostel 
angebracht, die für die Entwickelungsgeschichte der deutschen Plastik ein 
sehr interessantes Beispiel geben. In Bezug auf die nackten Körpertheile 
und auf das Naturverhältniss sind diese Figuren zwar ziemlich roh gear- 
beitet; aber ihre Gewandung ist in durchaus gediegner, schöner und reicher 
Weise angelegt, in jenem edeln Style, der an den deutschen Sculpturen des 
vierzehnten Jahrhunderts vorherrscht und der von dem dürftigen, eckigen. 
geknickten Wesen, das man unverständigerWeise als Grundzug der deutschen 
Kunst zu betrachten liebt, himmelweit verschieden ist. Vor solchen Arbeiten 
versteht man es, wie die deutsche Kunst des lürzgusses nachmals einen so
        

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