Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490971
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Pommersche 
Kunstgeschichte. 
Hauptsache nach besteht diese starke Befestigung aus Feldsteinen; die 
Mauern zwischen den Thürmen haben auf ihrer Höhe einen bedeckten 
Gang mit Schiessscharten. Das Schloss, das sich auf einer Anhöhe über 
der gleichnamigen Stadt erhebt, giebt durch seine imposante Erscheinung 
der ganzen Gegend einen eignen malerischen Reiz.  Noch jünger, aus 
der Zeit um das Jahr 1650 herrührend, ist das kleine Schloss Spyker auf 
Rügen, welches von dem schwedischen Feldmarschall Wrangel erbaut 
wurde. Es ist sehr einfach gehalten und nur durch geschweifte Giebel und 
durch Rundthürme auf. den Ecken ausgezeichnet. Aehnlich dürfte das 
Schloss Putbus auf Rügen beschaffen gewesen sein, ehe dasselbe seine 
gegenwärtigen, in einer Art griechischen Baustyles ausgeführten Säulen- 
hallen und andre Erweiterungen erhielt.  Was sonst etwa noch von in- 
teressanten Schlössern in Pommern vorhanden ist. habe ich nicht gesehen. 
Es dürfte wiederum für die Verhältnisse der pommerschen Geschichte 
charakteristisch sein, dass in dem letzten Jahrhundert der selbständigen 
Blüthe des Landes, welche äusserlich durch das Hervortreten des modern 
italienischen Baustyles bezeichnet wird, so mancherlei von fürstlichen oder 
ritterlichen Schlossbanten und so gar wenig von bedeutenderen städtischen 
Gebäuden zu berichten ist. Denn ich wüsste von bürgerlicher Architektur 
aus dieser Zeit nichts Bemerkenswerthes zu nennen, als zwei in sauberer 
Arbeit ausgeführte Hausportale. Das eine derselben findet sich zu Stral- 
sund, in der Battinmacher-Strasse, und ist von einer etwas schweren, 
barock italienischen Architektur umfasst, in deren Fries sich die Jahrzahl 
1568 zeigt. Merkwürdiger, wie durch sein Portal, ist dies Haus jedoch 
durch die über letzterem befindlichen Portraitreliefs, von den weiter unten 
näher zu sprechen sein wird.  Das zweite Portal ist das eines Hauses 
zu Stettin (grosse Oderstrasse No.  Zwei Hermen stehen hier zu 
beiden Seiten "der Thür, die eine männlich, in einer Art römischen Ko- 
stüms, einen Kelch in der Hand tragend, die zweite weiblich, mit einem 
Schwerte in der Rechten. Auf ihnen ruht das Gebälk. In den Zwiekelu 
zwischen dem Gebälk und dem Thürbogen sieht man Genien mit Sieges- 
kränzen. Im Fries ist ein Medaillen mit dem Kopfe eines Ritters, daneben 
ungemein schöne Blättergewinde. In einem besondern Aufsatze ruht auf- 
gestüzt eine nackte weibliche Figur, Genien zu ihren Seiten. Das Ganze 
ist sehr sorgfältig und mit Geschmack behandelt und zeigt den Styl italie- 
nischer Dekorationsweise, wie dieser in der zweiten Hälfte des sechzehnten 
Jahrhunderts vorherrschend war, in vorzüglich schöner Ausbildung. 
Manche Bürgerhäuser, namentlich zu Stettin und zu Colberg, 
zeigen den Rococo-Geschmack vom Anfange des vorigen Jahrhunderts in 
mehr oder weniger reicher Ausbildung und deuten hierin auf einen neu 
begonnenen Aufschwung des Lebens hin. In Stettin finden sich auch 
einige Hausfagaden jener Zeit, die an die grossartig edeln Formen eines 
Schlüter erinnern. Für die Aufnahme Stettins bewies sich, wie bereits 
bemerkt, König Friedrich Wilhelm I. von Preussen sehr thätig; er legte 
die grossen umfassenden Befestigungen dieser Stadt an und liess die beiden 
prächtigen 'l'h0re, das Beriiner und das Anklamer Thor, bauen. deren
        

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