Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490951
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Kunstgeschichte. 
Pommersche 
südliche Flügel in seiner gegenwärtigen Gestalt und mit Ausnahme der 
älteren Theile. Sein Umbau fällt indie frühere Zeit des vorigen Jahr- 
hunderts, und sein Aeusseres ist auf eine nüchterne Weise, welche dieser 
Zeit entspricht, dekorirt. Am Aeusseren des Treppenthurmes befindet sich 
eine wunderliche Uhr,'die eins der Wahrzeichen Stettins für die Hand- 
werksburschen ausmacht. Sie besteht aus einem grossen abenteuerlichen 
Gesichte, dessen Augenbewegung den Perpendikelschlag angiebt und dessen 
Mund die Ziffer des täglichen Datums enthält; eine kleine, zur Hälfte her- 
vorragende männliche Figur schlägt auf zwei Glocken die Stunde. Daneben 
ist die Jahrzahl 1736 angebracht, die Regierungszeit König Friedrich Wil- 
helm's I. von Preussen andeutend, der sich die Sorge für Stettin, den Haupt- 
erwerb seines Lebens. sehr angelegen sein liess, und auf dessen Befehl 
somit auch diese Erneuung und absonderliche Dekoration des herzoglichen 
Schlosses ausgeführt zu sein scheint. 
Als eine besondre Merkwürdigkeit des Stettiner Schlosses ist endlich 
noch ein Kamin zu erwähnen, der sich in einem der Zimmer des nörd- 
lichen Flügels (dem jetzigen Archive des Oberlandesgerichts) voründet. Er 
ist mit einigen barocken Ornamenten und mit zwei Reliefs von Alabaster, 
mythologische Scenen vorstellend, versehen. Die letzteren, welche eine 
leidlich mittelmässige Arbeit im Style des siebzehnten Jahrhunderts zei- 
gen, sollen von der Hand des letzten der pommerschen Herzoge (somit 
Bogislaws XIV.) herrühren. Ich weiss nicht, worauf diese Sage sich gründet. 
Von Herzog Barnim (gest. 1573), der viele Bildnerarbeiten nachgelassen 
hatte 1), dürften sie schwerlich gefertigt sein.  
Neben dem Schloss von Stettin sind noch verschiedene Schlösser, an 
denen die Formen des italienischen Baustyles hervortreten, zu nennen. 
Zunächst das Schloss Pansin in der Nähe von Stargard. Doch hat dies 
wiederum einige ältere Theile. {Es besteht aus zwei Hauptgebäuden, die. 
durch Mauern verbunden, einen inneren Schlosshof bilden. Das eine dieser 
Gebäude, zwar mannigfach erneut, lässt doch noch mit Bestimmtheit die 
einfachen Formen eines spätgothischen Styles, im Charakter des sechzehn- 
ten Jahrhunderts. erkennen; das andre ist in italienischer Weise, ebenfalls 
dem sechzehnten Jahrhundert angehörig, erbaut und an seinen äusseren 
Seiten mit Giebeln und hohen, eine Kronen-artige Verzierung tragenden 
Schornsteinen geschmückt. An dies Gebäude stösst ein alter, mächtig 
starker Thurm, dessen Obertheil aber nicht mehr vorhanden ist. Unter 
den Gebäuden des Vorhofes sind auch noch mehrere im italienischen Style 
der genannten Zeit. Uebrigens ist dies Schloss, das zum Theil von hohen 
Bäumen umgeben ist, unter allen erhaltenen Schlössern Pommerns, soviel 
mir wenigstens bekannt geworden, dasjenige, dessen äussere Ansicht die 
schönste malerische YVirkung hervorbringt.  Das Schloss Pudagla auf 
der Insel Usedom ist im Jahr 1574 erbaut. Es ist ein sehr einfaches Ge- 
bäude von ziemlich langer Dimension, auf der Ecke ein hervorspringender 
runder Erker. Ueber der Thür ist ein grosses Relief, das pommersche 
Wappen, von zierlich italienischer Barock-Architektur umgeben, vorstel- 
lend; im Friese sieht man saubere Armaturen, in einer Attika Musik- 
Instrumente ausgemeisselt. Eine Unterschrift sagt: "Wer Godt vertrawet 
hat wol gebavet. "V. G. G. Ernst Ludwig Hertzog zu Stettin Pommern. hat 
dis haus J. F. G. freundliche lieben fraw mutter fraw Marien geborn zu 
Hainhofers Reise- 
bTagabuch,
        

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