Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490874
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Pommerscha 
Kunstgeschichte. 
ein sehr malerisches Aussehen; der schönste unter diesen hat auf seiner 
cyhnderförmigen Fläche Streifen schwarzglasirter Steine, die sich rauten- 
förmig durchschneiden; er führt den Namen des nrothen Meeres" (angeb- 
lich von einem blutigen Kampfe, der in seiner Nähe vorgefallen). Nicht 
minder malerisch erscheinen die Thürme von Lauenburg, die jetzt zum 
Theil verfallen und mit Epheu überwachsen sind. Auch Gollnow hat 
Thürme derselben Art. Der eine von diesen, zum Schutz einer Wasser- 
pforte dienend. erhebt sich in achteckiger Gestalt über zwei Strebepfeilern, 
die zu beiden Seiten der Mauer vortreten. 
Ueber den, in schwerem Spitzbogen geöffneten Stadtthoreu pflegen sich 
hohe viereckige Thürme zu erheben, an denen sich in der Regel eine 
mannigfaltigere architektonische Durchbildung zeigt. Nur in seltneren Fäl- 
len steht der Thorthurm zur Seite des eigentlichen Durchganges. Ein- 
fachere Thorthürme sieht man zu Damm, wo eine pyramidale Spitze die 
schwere viereckige Masse bekrönt, und zu Greiffenhagen, wo der Ober- 
bau cylinderförmig gehalten ist.  Das Bauthor zu Cammin hat einen 
nicht hohen Oberbau mit Fensterblenden und zur Seite einen schönen 
Thurm, in der Art der Mauerthürme. Auch zu Pyritz (dessen äussere 
Umfassung, ebenso wie die von Stargard, sehr malerisch erscheint) stehen 
die Thürme zur Seite der einfachen Thore; indess bemerkte ich am Unter- 
bau der ersteren grosse vermauerte Spitzbögeu, so dass doch vielleicht au- 
zunehmen ist, der Durchgang habe ursprünglich durch die Thürme selbst 
geführt. Der Thurm des Bahner Thores zu Pyritz ist unterwärts vier- 
eckig, oberwärts achteckig, an beiden Theilen mit Fensterblenden ver- 
sehen, und wiederum mit pyramidaler Spitze gekrönt. Aehnlich ist der 
Thurm des Stettiner Thores zu Pyritz gestaltet; doch springen hier zu 
den Seiten des achteckigen Oberbaues noch kleine halbrunde Thürmchen 
vor, die dem Ganzen ein eigenthümlich festes, burgartiges Gepräge geben. 
Dies Thor hat zugleich noch einen Aussenbau, ein zweites Thor, mit dem 
ersten durch Seitenmauern verbunden. und durch starke, aber nicht hohe 
Rundthürme eingefasst.  Ganz eigenthümlich ist das Miihlenthor zu 
Stargard, ein Wasserthor, aus einem breiten, über die lhna gewölbten 
(gegenwärtig durch Fachwerk ausgefüllten) Spitzbogen bestehend, der einen 
kleinen Oberbau trägt und zu dessen Seiten zwei schlanke achteckige 
Thürme mit sehr geschmackvollem Zinuenkranze emporspringen.  Einige 
Thorthiirme in vorpommerschen Städten zeichnen sich durch mehr oder 
weniger zierliche, treppenartig emporsteigende und mit kleinen Spitzen 
geschmückte Giebel aus, während die Wandtlächen mit Reihen kleiner 
Fensterblenden geschmückt sind. Das schönste Beispiel solcher Art findet 
sich zu Demmin (über dem Thore, welches auf die Strasse nach Loitz 
führt). Aehnlich ist das Mühlenthor zu Tribsees (auch das Stein- 
thor. ebendaselbst, hat eine ähnliche Form, der sich aber schon die Ele- 
mente einer mehr modernen Behandlung heimischen). Dann gehört .hierher 
das Steinthor zu Anclarn, sowie eins der alten Thore zu Grimme 
und das Brandenburger Thor zu Treptow a. d. T., die beiden letz- 
teren jedoch von roherer Form.  Andre Thorthürme, zumeist hinter- 
pommerschen Städten angehörig, sind mit hohen Feusterblenden, die sich 
fast den Formen kirchlicher Architektur annähern, versehen; dahin gehö- 
ren die alten Thore von Schlawe, Stolp, Gollnow, von Garz u. a.  
An dem Thurmc des Anclamer Thores zu Usedom haben die Fenster- 
mcnden zumeist schon eine rundbogige Form; auch wölbt Sich im ÖCSSPT!
        

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