Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490865
Ausserkirchliche Architektur. 
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mäuer. Das ehemalige Schloss zu Usedom wird nur durch den "Schloss- 
bei-gß bezeichnet, ein kleines kegelartiges Plateau, an dessen oberem 
etwas erhöhtem Rande man die einstigen Umfassungsmauern erkennt- von 
dort erfreut man sich jetzt einer weiten Aussicht über die wasserieiche 
Landschaft. Auch das stolze Schloss zu Wolgast, das sich auf einen 
von der Peene umflossenen Insel zur Seite der Stadt erhob, ist zu einei- 
unregelmässigen Hügelmasse niedergesunken; nur einige Keller de Schlosses 
werden noch gegenwärtig, als Waarenlager zu kaufmännischen Zwecken 
dienend, benutzt. Hier und da liegen die Fundamente der Mauern frei 
und ragen einzelne isolirte Pfeilermassen empor, in scharfem Roth sich 
gegen die Grastlächen und den breiten Spiegel des Stromes absetzendf). 
Von der Oderburg bei Stettinliegen nur noch sehr geringe Funda- 
mentreste zu Tage; das Uebrige ist mit Erde bedeckt und der Pflüger 
treibt seine Rosse darüber hin.  
Ungleich bedeutender sind im Allgemeinen. die mittelalterlichen Bau- 
reste solcher Art in den Städten. Vieles ist zwar auch hier durch die 
Kriege vernichtet, Vieles hat den Bedürfnissen der neueren Zeiten Platz 
machen müssen, doch ist auch noch Vieles erhalten. Die Mehrzahl der 
pommerschen Städte hat noch die alten Umfassungsmauern, einen Theil der 
Vel-thgidigungs-Thürme, welche in zahlreicher Menge über den Mauern 
hervortreten, und der wohlbefestigten Thore, deren Schmuck darauf be- 
rechnet war, dem Fremden schon vor seinem Eintritt in die Stadt von dem 
rüstigen Wohlstande der Bürger Kunde zu geben. Doch ist es schwer, im 
Einzelnen die Zeit zu bestimmen, welcher diese Anlagen angehören, da die 
architektonische Dekoration an ihnen insgemein in einfacherer Weise, als 
z. B. an den Kirchen, ausgeführt ist. Im Allgemeinen kann man wohl 
annehmen, dass diese Befestigungsbauten derjenigen Zeit, in welcher die 
Macht der Städte sich höher auszubreiten begann, dem vierzehnten Jahr- 
hundert, zuzuschreiben sind. Mehrere Werke aber scheinen, ihrer stolzeren 
Anlage gemäss, dem fünfzehnten Jahrhundert anzugehören; einige auch 
finden sich, die das entschiedene Gepräge des sechzehnten tragen. 
Von vorzüglicher Schönheit, obgleich von einfacher Form, sind ins- 
gemein die runden lliauerthürme. die sich häufig vorfinden, und die, wo 
sie ganz erhalten sind, einen Zinucnkranz und eine kegelförmige Spitze 
haben, Sie tragen überall das Gepräge der Kraft, Kühnheit und Leich- 
tigkeit. Zu Barth, Pasewalk, Greiffenberg, Treptow a. d. R, 
Massow, Pyritz, Stargard u. a. O. sieht man solche Thürme. Beson- 
deis die äussere Umfassung Stargards gewinnt durch seine lllauerthürme 
1) Vielleicht gehören zu dem ehemaligen Schlosse von Wolgast einige grosse 
Säulenstücke, die ich an verschiedenen Orten der Stadt, als Prellpfähle einge- 
graben, bemerkte: zwei auf den Ecken der Facade des Rathhauses, zwei andre 
zu den Seiten des Thores, welches nach dem Wasser hinabführt, ein fünftes an 
der Ecke eines Hauses vor dem Greifswalder Thore. Sie haben sämmtlich etwa 
zwei Fuss im Durchmesser, und bestehen aus grauem Kalkstein (sog schwedi- 
schem Stein). Auch bemerkte ich in Wolgast rohe, ganz unbearbeitete Prell- 
pfähle von demselben Material. Da dies in Pommern nicht heimisch ist [der 
gewöhnliche Name scheint anzudeuten, dass es aus Schweden herübergebracht 
wurde), so dürfte man aus dem letzterwähnten Umstande wehl schliessen können, 
dass es roh eingeführt und erst hier zu den besonderen architektonischen Zwecken 
verarbeitet wurde, was für den Handel und den Handwerksbetrieb jener Zeit keine 
ganz gleichgültige Bemerkung zu sein scheint. _
        

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