Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490839
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Kunstgeschichte. 
Pommerscha 
Westwand der Kapelle laufen Verzahnungen in die Höhe, die vcrmnthlich 
bestimmt waren, den Anbau eines Thurmes aufzunehmen.  
Unter den aus mittelalterlicher Zeit herstammenden Dorfkirchen ist 
mir im Allgemeinen, und mit Ausnahme der einzelnen Dorfkirchen, die 
in den vorstehenden Abschnitten genannt sind, nicht sonderlich Berleuten- 
des aufgefallen. Sie wiederholen die einfachsten Motive der Anlage und 
der Formenbildung, wie diese bisher besprochen sind. Ihren Charakter 
tragen u. A. die Kirchen von Garz und von Wieck auf Rügen; letztere 
ist als ein nicht ganz unansehnliches Gebäude aus der späteren Zeit des 
Mittelalters, zu bezeichnen. Ein höheres Alter scheinen im Allgemeinen 
diejenigen Kirchen zu haben, die aus Feldsteinen erbaut sind, wie ich 
solche besonders in den westlichen Gegenden von Vorpommern bemerkte. 
Bei mehreren Gebäuden macht sich die Anlage des Thurins recht malerisch, 
indem derselbe, in fast pyramidaler Neigung der Seitenflächen, aus Holz 
gebaut und mit Brettern in vertikalen Lagen bedeckt ist; dabei erscheint 
der Glockenstuhl oft ziemlich frei hängend. Gewiss gründet 'sich diese 
Einrichtung, die ich besonders in den nördlichen Gegenden Neu-Vorpom- 
merns, doch zum Theil auch in Hinterpommern, bemerkte und die der 
Thurmanlage altnorwegischer Kirchen verwandt ist, auf eine sehr alter- 
thümliche Sitte, während bei den Dorfkirchen neuester Zeit, und so auch 
bei ihren Thürmcn, ein nüchterner und ganz reizloser Fachwerksbau vor- 
herrscht. 
Mollerner 
Baustyl. 
Mit dem Zeitalter der Reformation schliesst die Geschichte des Kir- 
chenbaues in Pommern fast gänzlich ab. Durch die vorhandenen Bauwerke 
war für das kirchliche Bedürfniss hinreichend gesorgt; man hatte fortan 
mit ihrer Unterhaltung und etwanigen Ausbesserung genug zu thun. Die 
wenigen Kirchen, die nach dieser Epoche aufgeführt wurden, unterscheiden 
sich von den früheren durch ihre grosse Einfachheit und zugleich auch 
durch den nunmehr eintretenden Einfluss antiker Bildungsweise, wie letz- 
tere von Italien aus sich über ganz Deutschland verbreitete. Auch ist das 
charakteristisch für die veränderten Zeitverhältnisse, für den Aufschwung 
der fürstlichen Macht über die städtische, dass die beiden Hauptkirchen 
der nächstfolgenden Periode Theile von fürstlichen Schlössern ausmachen. 
Die eine von diesen ist die Schlosskirche zu Stettin, die den im 
J. 1577 aufgeführten Schlossgebäutlen angehört. Im Aeusseren von der 
Architektur der letzteren auf keine Weise unterschieden, bildet sie in 
ihrem Inneren einen einfach viereckigen, ohlongen Raum, dessen Decke 
ein sogenanntes Spiegelgewölbe bildet und an dessen Wänden zwei Reihen 
tlachnnterwölbter Emporen nmherlaufen. Ganz ähnlich ist die zweite, die 
Kirche von Franzburg, aus derselben Zeit herrührend. Letztere bildet 
übrigens den einzigen noch erhaltenen Theil des Franzbnrger Schlosses; 
an der einen ihrer äusseren Seitenwände sieht man, tmterwärts, einige 
vermauerte Spitzbögen, Reste des Klosters Neuen-Campc, an dessen 
Stelle Herzog Bogislav XIIl. das dortige Schloss erbaute.  Ihnen reiht 
sich die Gertrutlskirche auf der Lastatlie zu Stettin an, deren gegen-
        

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