Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490825
Kirchliche 
Architektur. 
Gothischer Styl 
des 
Jahrhunderts. 
763 
man eine fratzenhafte menschliche liigur, vermuthlich Adam und Eva (letz- 
tere als die abgeschmackteste Karikatur einer mediceischen Venus), da;- 
gestellt sieht.  Die Jacobikirche von Lauenburg hat Schwibbögen 
über den Pfeilern des Inneren. deren Form der an den Schwibbögen 
der Drarnburger Kirche nahe zu kommen scheint; doch ist das Innere 
(Obgleich noch im Gebrauch und der katholischen Gemeinde der Stadt 
dienend) auf so wüste Weise entstellt, dass sich wenig Bestimmtes über 
dessen Formen sagen lässt. Merkwürdig und auffallend ist am Aeus_ 
seren dieser Kirche, über den Seitenfeustern, eine Art Dachgeschoss, 
das aus einer Reihe kleiner spitnbogiger Fensterblenden (deren Gliedernn- 
gen einfach, aber gut gebildet sind) und kleinerer Oeifnungen innerhalb 
dieser Blenden gebildet wird. 
Dreischiifig sind ferner die Kirchen von Ric-hteuberg und Gingst 
(auf Rügen). Die Fenster an diesen Kirchen haben die entschieden späte 
Form des eckig gebrochenen Spitzbogens, wie am Mittelschiff der Marien- 
kirche von Stralsund; der vierseitige Altarraum der Kirche von Richten- 
berg scheint aber noch der ersten Entwickelungszeit des Spitzbogeiis an- 
zugehöreii. Jene späte Fensterforrn bemerkte ich auch an der Kirche 
des Dorfes Flemendorf, in der Nähe von Barth.  Dreischiffig ist end- 
lich auch die kleine Michaeliskirche zu Cörlin. Sie soll im J. 1510 
erbaut sein 1). Doch hat sie nicht eben bedeutende Eigenthümlichkeiten, 
falls man dahin nicht etwa die geringe Höhe der inneren Räume und die 
Ueberspannung derselben durch breite Sterngewölbe rechnen will (wodurch 
ein gewisses harmonisches Verhältniss hervorgebracht wird). Auch dürfte 
allenfalls der Thurm zu bemerken sein, der nach Art der Thorthürme ge- 
staltet und mit Giebcln auf der West- und Ostseite versehen ist, 
Die Schlosskirchc (Johanniskirclie) zu Stolp ist ein ganz ein- 
faches, einschitiiges (iehäude mit gerader Altarwand und mit rohen Stern- 
gewölben überdeckt.  Die Nikolai  Klosterkirche zu Stolp ist 
gegenwärtig, als Arinenschule dienend, verbaut. Sie ist von nicht bedeu- 
tender Dimension und nur durch die Anlage des kleinen Thurmes eigen- 
thümlich, der sich vor der Mitte der Westseite erhebt und durch Streben, 
die auf seinen Ecken schräg heraustreten, gestützt wird. Eine ähnliche 
Thurmanlage hat die kleine heil. Geistkirche zu Greiffenhagen 
(doch ist hier der Thurm bereits fast ganz abgebrochen) und die, eben- 
falls kleine und rohe Bergkirche bei Cam min. 
Die Kirche von Pölitz ist ebenfalls klein und einfach aus vier Wän- 
den" mit einer Bretterdecke bestehend. Bemerkenswerth ist das an meh- 
reren Fenstern erhaltene und einfach ausgebildete Stabwerk, dessen Profi- 
lirungen indess, ebenso wie die der Thür-Gliederungen, wiederum auf die 
letzte Periode der gothischen Baukunst deuten.  Die Kirche des in der 
Nähe von Pölitz belegenen ehemaligen Klosters Jasenitz hat gegenwärtig 
nur die Gestalt einer einfachen Kapelle; die Gurte der Kreuzgewölbe, 
welche dieselbe bedecken, haben die der späteren Zeit angehörige Form. 
Die flache Altarnische ist neu angebaut. An den äusseren Ecken derselben 
Springen Theile eines abgebrochenen lylauerwerkes vor, welches älter ist 
als die Kapelle (es scheint aus dem vierzehnten Jahrhundert herzur-ühl-Qn) 
und welches dem eigentlichen Kirchengebäude angehört, das sich ursprüng- 
lich in beträchtlicher Ausdehnung ostwärts erstreckte. An der änssei-ci, 
Brüggem ann 
Beschreibung von Pommern 
519.
        

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