Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490708
Pfeilerpaare, die im Inneren der Kirche zunächst der Thurmhalle stehen, 
die gewöhnliche einfach achteckigt: Form und die Schwibbögen über ihnen 
die in der späteren Zeit gfßwohnhQhß Blldlmg (llldfm Ihre Seitenflächen nur 
durch "geradlinige Einschnitte gegliedert sind). Die darauf folgenden pfei_ 
ler aber sind viereckig, mit abgetalzten Ecken, und beträchtlich breit; diese 
'möchte ich als einem früheren Bau angehörig betrachten. Dafür scheinen 
auch noch andre Umstände zu sprechen. Sämmtliche Räume der Kirche 
nämlich sind mit Sterngewölben bedeckt, die auf Oonsolen, welche ver_ 
schiedengestaltete menschliche Köpfe bilden, aufsetzen; mit den viereckigen 
Pfeilern aber stehen diese Consolen nicht in recht harmonischer Verbin- 
dung (namentlich nicht mit den Pfeilern zu den Seiten des Altares, an denen 
besondre Gurtträger heraustreten), während sie dagegen zu den achteckigen 
Pfeilern sehr wohl stimmen. So dürfte man wohl annehmen, dass die G9- 
wölbe dem im J. 1408 begonnenen Neubau angehören. Sodann haben die 
Fensler, welche den breiteren Pfeilern entsprechen, eine geschmackvolle 
Gliederung, welche der besseren Zeit des vierzehnten Jahrhunderts ver- 
wandt ist, während die Fenster an den westlichen Theilen sehr einfach 
erscheinen, Doch gestehe ich, dass es mir zweifelhaft ist, ob nicht mit 
den älteren Theilen der Kirche noch manche anderweitige Veränderungen 
vorgenommen sind. Die an ihnen lteraustretenden Strebepfciler, welche 
eine eigenthümliche Gliederung (denen am (lhor der Stargarder Marien- 
kirche ähnlich) zeigen, schelnen eher 111 das funfzehnte 
Jahrhundert als in eine frühere Zeit zu gehören; aber es 
sind die freieren dekorireuden Theile, welche sie ur- 
sprünglich hatten, nicht mehr vorhanden, so dass es 
i schwer hält, zu einer bestimmten Entscheidung zu gelnn- 
gen.  iYas Haupt-lnteresse,welches die Johanniskirche 
ß ß der kunsthistorischen Forschung darbietet, beruht in der 
J äusseren Dekoration ihres Thurmes, die man unbezwei- 
m felt dem Anfange des funfzehnten Jahrhunderts zuschrei- 
ben muss. Der Thurm steigt einfach in viereckiger Masse 
 empor. Somit fehlt ihm allerdings eine lebendige Ent- 
wickelung; indem er aber ein schlankes Verhältniss hat 
und ursprünglich ohne Zweifel mit einer pyramidaien 
Spitze von entsprechender Höhe gekrönt war, kann man 
diese Anlage nicht gerade als eine unschöne bezeichnen_ 
Sodann ist auf seinen Wandtlächen eine reiche Deko- 
ration angeordnet, die zur Belebung der Masse günstig 
x wirkt. Jede Seite nämlich hat drei hohe, sehr schlanke 
i Fcnsterblenden  denen zwar der anderweitig vor. 
I kommende Rosettenschmuck fehlt, die aber durch so 
wohlgeordnetes und so schön und "klar gegliedertes 
Stabwerk ausgefüllt werden, dass sie nur einen sehr 
wohlthuenden Eindruck hervorbringen. Doch ist zu be- 
merken, dass bei diesen Fensterblenden nur die Haupt- 
O Umfassung spitzbogig gebildet ist, während zur Ver- 
ß bindung der einzelnen Stäbe bereits Halbkreisbögen, 
 selbst flache Bögen  beide Formen aber nicht im 
t Widerspruch gegen den Organismus des Ganzen  an- 
. gewandt sind. Leider fehlt dem Thurme gegenwärtig 
[um        
nicht nur die Spitze, sondern es ist an ihm auch, wie
        

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