Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490690
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Pommerscha 
Kunstgeschicllnte. 
eingeschobenen Bautheil ausmacht,  eine Einrichtung, die sich auch schon 
an der Jakobikirche zu Stralsund zeigt. Das' Hauptportal ist, wie das 
Fenster, im guten Spitzbogen gebildet; andre Portale der Kirchesind schon 
im Flachbogen überwölbt. 
Vor der nördlichen Giebelseite des Querschilfes findet sich ein kleiner 
kapellenartiger Vorbau, dessen Portal Oberwärts mit einer schönen Stabver- 
zierung geschmückt und dessen Einfassung auf treffliche Weise gegliedert 
ist. Ob dieser kleine Vorbau vielleicht  was im Uebrigen freilich sehr 
auffallend sein dürfte  älter ist als die Kirche, muss ich hier dahinge- 
stellt sein lassen. 
Die Marienkirche zu Stargard ist ein Gebäude von ähnlicher Colossali- 
tät in der Anlage (wie diese gegenwärtig erscheint) und ebenfalls auf eine 
reiche Ausbildung der äussern Architektur berechnet. Doch ist hier das 
Aeussere nicht so malerisch gruppirt, wie an der im Vorigen besprochenen 
Kirche; dagegen ist auf eine edlere Durchbildung des Details Rücksicht 
genommen, und auch das Innere erscheint in schöneren Formen um] Ver- 
hältnissen. Ehe wir uns indess zu einer näheren Betrachtung dieser Kirche 
wenden, ist zuvor die Johanniskirche von Stargard zu besprechen, 
indem diese, zum Theil mit den Formen der Marienkirche übereinstimmend, 
für die Zeitbestimmung der letzteren einen wichtigen Beitrag giebt. 
In der Johanniskirche sind Mittel- und Seitenschiife gleich hoch und 
die letzteren als Umgang um den dreiseitig geschlossenen Chor herumge- 
führt. Der Thurm erhebt sich in der Mitte der Westseite, nach dem Mittel- 
schiff wiederum eine grosse Halle öffnend, mit Seitenräumen, welche die 
Fortsetzung der Seitenschiiie bis zur westlichen Facade bilden. In der 
Thurmhalle findet sich die Inschrift: 
Die Mönche legten mir  
Den allerersten Stein 1408. 
Ueber soviel Jahren 
Fiel ich wieder ein 1696. 
Die Inschrift ist zwar nur mit Farbe geschrieben, nicht in einen Stein 
gemeisselt; doch ist, so viel ich zu urtheilen im Stande bin, kein Grund 
vorhanden, um ihre Aechtheit zu bezweifeln und der Annahme , dass man 
zur Nennung des Jahres 1408 durch eine sichre Tradition bewogen werden 
sei, zu widersprechen. Dass aber der Einsturz im Jahr 1696 nicht die 
Hauptmasse des Gebäudes (oder vielmehr des Bautheiles, an welchem die 
Inschrift sich befindet) betroffen haben könne, ergiebt sich einfach daraus, 
dass sämmtliche Haupttheile ein entschieden mittelalterliches Gepräge tra- 
gen. Vermuthlich fiel in diesem Jahre nur die Spitze und der oberste 
Theil des Thurmes (der gegenwärtig sehr roh ergänzt erscheint) und be- 
schädigte etwa die zunächst anstossenden Gewölbe, wie denn noch gegen- 
wärtig die Gewölbe der gesammten Thurmhalle fehlen, obgleich ihre An- 
sätze sich erhalten haben. Hiedurch aber scheint zugleich von selbst her- 
vorzugehen, dass die Inschrift  somit auch das Jahr der Gründung  
 sich vorzugsweise auf den Thurmbau (etwa mit Einschluss der zunächst 
angrenzenden Theile der Kirche) bezieht, WäilTEIld gewisse Theile der Kirche 
ein höheres Alter zu verrathen scheinen. Es haben nämlich nur die beiden
        

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