Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490492
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Pommersche Kunstgeschichte. 
(als ein einzelner), der schlank in die Höhe steigt und auf eine reiche und 
geschmackvolle Weise geschmückt ist. Zunächst über der Höhe des Mittel- 
schities ist der Thurm, in zwei Geschossen, viereckig gestaltet. Zur Ab- 
theilung der Geschosse dienen zierliche Rosettenfriese von schwarzglasirten 
Steinen; an den Seiten jedes einzelnen Geschosses sind je drei Fenster- 
blenden angebracht, denen der Nikolaikirche ähnlich, aber mit reichen 
Rosetten, ebenfalls von schwarzglasirtem Steine, geschmückt. Ueber den 
Ecken des zweiten Geschosses Springen dann kleine viereckige Thürmchen 
mit Fensterblenden empor, zwischen denen sich der achteckige Oberbau 
erhebt, dessen Seiten wiederum denen der unteren Geschosse ähnlich ge- 
schmückt sind. Auch diese reiche Dekoration des Thurmbaues scheint 
mir charakteristisch für die genannte spätere Zeit, in welcher das künst- 
lerische Element mehr am Aeusseren der Gebäude als an ihrem Inneren 
hervorzutreten beginnt.  
Die Nikolaikirche zu Greifswald ist um den Beginn des vier- 
zehnten Jahrhunderts angefangen und höchst wahrscheinlich im Jahr 1326 
vollendet worden i). Ohne Zweifel gehört der gegenwärtig vorhandene 
Hauptbau der Kirche in diese Zeit, wenigstens sprechen dafür die sehr 
schönen Verhältnisse des Inneren, namentlich das sehr harmonische Ver- 
hältniss der Seitenschiiie zum Mittelschiif. Auffallend ist nur die etwas 
nüchterne Gestaltung der Ostseite, indem das Mittelschiff mit einer gerad- 
linigen Wand schliesst, während die Seitenschitfe hier durch schräge Wände 
begrenzt werden, so dass (wie an der Marienkirche von Anclam in deren 
gegenwärtiger Erscheinung) für das Aeussere eine Art dreiseitigen Chor- 
sehlusses entsteht. Das Hauptfenster der östlichen Wand ist bemerkens- 
werth durch die, wie es scheint, alte Stabverzierung(126.), deren Ver- 
schlingungen der Fensterbildung mancher Gebäude in 
ßkx südwestlichen Landen entsprechen, doch, dem Back- 
QN steinbau gemäss, auch so ziemlich einfach gehalten 
sind. Sonst lässt sich über die Detailformen der 
Kirche kaum etwas Besondres sagen, da sie bei der 
l neuerlich erfolgten, übrigens sehr geschmackvollen 
l ltestauration durchweg erneut und umgewandelt sein 
 I, A!  dürften.  Nur der Thurmbau der Kirche ist in seinen 
 125 ursprünglichen Formen erhalten; diese jedoch deuten 
auf ein jüngeres Alter, als das der Kirche, ihrer Anlage nach, zu sein 
scheint. Vermuthlich gehört der Thunn, der sich über der Mitte der West- 
seite erhebt und dem Thurm der Jakobikirche von Stralsund in mehreren 
Motiven ähnlich ist, der Zeit um den Schluss des vierzehnten Jahrhunderts 
an. Bis zur Höhe des Mittelschilfes und diesem an Breite gleich steigt er 
in einfach viereckiger Masse empor, nur am Obertheil mit einigen Fen- 
sterblenden von zusammengesetzter Gestalt, doch Ohne Weiteren Sßhmüßk, 
versehen. Dann springen über den Ecken kleine Rundthürmchen empor, 
deren rothe Steinmasse in gewissen Zwischenräumen von schwarzen Stein- 
lagen durchzogen wird (121). Die Thürmchen stehen aber nicht frei, son- 
dem sind durch kleine Zwischenbauten verbunden, die aus drei Geschossen, 
übereinander zurücktretend, bestehen. Das unterste dieser Zwischen- 
geschosse hat eine Zinnen-artige Bekrönung; zugleich ist dies, sowie 
1) Gesterding, Beitrag zur Gesch. d. 
Stadt, Gesch d. Nikolaik. in Greifswald 
Greifswald 
8. 
Vgl. 
Bieder-
        

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