Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490289
Kirchliche Architektur. 
Gothischer Sty] des 
14. Jahrhunderts. 
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Durßhbildung des Ganzen an sich beeinträchtigt würde. Noch mehr in 
die Augen fallend ist der Unterschied, dass ein Theil der Kirchen dieser 
Zeit (gleich den zuletzt genannten des dreizehnten Jahrhunderts) aus gleich 
hohen Schiffen besteht während bei einem andern 'l'hci1e (dem tirsprüng- 
liehen Bausystem des Mittelalters gemäss) die Seitenschitfe niedriger geha]- 
ten sind, als das Mittelschilf. Beide Bauweisen geben zu der Entwickelung 
eigenthümlicher Schönheiten Anlass; aber weder ist, was die in Rede 
stehende Periode anbetrifft, die eine von ihnen der Zeit nach vorangehend, 
noch ist ihre Anwendung durch umfassende lokale Unterschiede bedingt. 
Nur das dürfte zu bemerken sein, dass sich hier und da einzelne Gruppen 
von Gebäuden bilden, die der einen oder der andern Gattung angehören, 
und dass, namentlich die Strecke Hinterpommerns von Belgrad bis Stolp 
ausschliessiich Hauptkirchen mit niedrigen Seitenschiffen besitzt. Die Pfei- 
1er der beiden Gattungen der pommerschen Kirchen haben fortan überall 
die Grundform des Achtecks. 
Für die bequemere Uebersicht der vorhandenen Kirchenbauten Scheint 
es indess am Zweckmässigsten, sie nach dem zuletzt genannten Unterschiede 
gesondert zu betrachten, indem natürlich durch die eine oder die andre 
Hauptform ein verschiedener Bildungsgang bedingt ist. Wir wenden uns 
zunächst zu den Kirchen mit gleich hohen Schiffen. 
hoben Schiffen. 
Gebäude mit gleich 
Die Marienkirche zu Colberg (Maria gloriosa genannt) 1) scheint 
unter den pommerschcn Kirchen des vierzehnten Jahrhunderts eine der 
ältesten zu sein. Sie hat die seltne, in Pommern die einzige Form, dass 
sie nicht ans drei, sondern aus fünf Sehifien, und zwar von wenig ver- 
schiedener Höhe, besteht; dem Mittelschiil sehliesst sich sodann der, in der 
Länge ziemlich ausgedehnte Chor als der Sitz des mit der Kirche verbun- 
denen Domkapitels an. Das Ganze ist somit von eigenthiimlich freiem und 
grossartigem Eindruche, und man hat nur zu bedauern, dass die Länge der 
Schiffe ihrer Gesarnmtbreite nicht angemessen ist. Doch ist diese grosse 
Breitenansdehnung der fünf Schiffe nicht ursprünglich; die beiden äußeren 
Seitensehiife sind eine Hinzufügung späterer Zeit. Der ursprüngliche Bau 
gilt gewöhnlich als eine Anlage sehr früher Zeit; schon vor dem Jahre 1230, 
in welchem das Colberger Domkapitel an diese Kirche versetzt wurde, 
sollen die drei mittleren Sehitfe gestanden haben und unmittelbar nach 
dem J. 1230 der Chor angefügt worden sein. Beides ist aber unzulässig, 
in Erwägung des Baustyles, der mit dem, was wir im Obigen über die 
pommersehen Kirchenbauten bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts 
ermittelt haben und was sonst über die Entwickelung des Baustyles jener 
Zeit fest steht, auf keine Weise übereinstimmt. Vielleicht ist die Kirche, 
was die gegenwärtige Erscheinung ihres Hauptbauesanhetritit, in der spä- 
1) Vergl. über dieselbc: J. F. Wachs, Geschichte der Altstadt Colberg am, 
bei welchem Werke zuglelch Grund- und Alzfrlsse der Kirche (doch in nicht, 
sonderlich genugender parstellung) enthclten smq;  und: J. G. W, Maass, 
Geschichte und Beschraxbung der St. Manen-Domkxrche zu Colberg,
        

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