Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490195
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Pommersche Kunstgeschichte. 
sich, Sehr wohlgeordnet, um zwei Höfe gruppiren. Es sind grössere und 
kleinere Säle, Zimmer und Corridore, theils mit Kreuzgewölben, theils mit 
sehr zierlichen Sterngewölben überspannt, die in den grössern Räumen von 
einzeln oder in Reihen gestellten schlanken Säulen getragen werden. Letz- 
tere haben eine achteckige Gestalt und sind aus grauem Kalkstein (soge- 
nanntem schwedischem Stein) gebildet. Ihre Kapitale und Basen gehen in 
einer kelchartigen Form, durch schräge Abschnitte auf den Ecken, aus dem 
Achteck in die viereckige Deck- und Fussplatte über. Sämmtliche Räume 
dürften der späteren Zeit des vierzehnten Jahrhunderts, oder, was mir 
noch wahrscheinlicher ist, dem funfzehnten Jahrhundert angehören. Sie 
sind gegenwärtig dem Gymnasium, zum Theil auch dem städtischen Wai- 
senhause überwiesen und fast särnrntlich wohl erhalten. Nur der eine der 
zierlichsten Säle ist durch eine Mauer in zwei Theile (gegenwärtig die 
Olassen Prima und Sekunda des Gymnasiums enthaltend) getrennt; und 
nur der grösste durch zwei Reihen von Säulen ausgefüllte Saal ist für die 
Zwecke des Waisenhauses verbaut.  
Derspäteren Zeit des dreizehnten Jahrhunderts gehört ferner die Ja- 
kobikirche zu Greifswald an. Ihre Anlage ist der der vorgenannten 
Kirche ähnlich. Hier sind es je 4 runde (nicht mit achteckigen wechselnde) 
Pfeiler, welche die Seitenschitfe vom Mittelschiff sondern, und dem letzte- 
ren ist auf der Westseite ein vier-eckiger Thurm vorgehaut. Den Pfeilern 
des Schiffes, die mit einfachen Deckgesimsen versehen sind, correspondiren 
die an den Seitenwänden vertretenden Gurtträger des Gewölbes  die 
aus schmalen Pilastern mit Halbsätrlchen an der Vordertläche und auf den 
 
Ecken bestehen; die Gurtträger im Chor  bestehen aus einem dickeren 
Bündel stärkerer und schwächerer Halbsäulchen. Diese Formen, nament- 
lich die der Gurtträger des Schiffes, entsprechen wiederum der ersten Aus- 
bildung des gothischen Styles. Die Gewölbe der Kirche rühren aus späte- 
rer Zeit her, wie sich deutlich insbesondere daraus ergiebt, dass an jenen 
Gurtträgern des Schiifes die drei Hauptsäulchen (deren jede auf einen der 
drei Gurte des Kreuzgewölbes berechnet ist) etwas unter dem Ansatz des 
Gewölbes abbrechen und dass dessen Gurte sodann einzig v_on dem Pila- 
ster getragen werden. Doch ist eine Besonderheit in der Einrichtung des 
Gewölbes ohne Zweifel der ursprünglichen Anlage zuzuschreiben. Wäh- 
rend nämlich im Allgemeinen bei Kirchen, deren Seitenschiffe dem Mittel- 
schiff an Höhe gleich sind, durchgehend aber bei denen des vierzehnten 
Jahrhunderts, starke in der Regel reich gegliederte Schwibbögen von Pfei- 
ler zu Pfeiler (in der Flucht des Langschiffes) geschlagen sind, so ist dies 
hier nicht der Fall; die Pfeiler werden auch in dieser Richtung nur durch 
Gurte verbunden, welche den übrigen Kreuzgurteu des Gewölbes ganz ent- 
sprechend sind. Unbedenklich würden aber, wären solche Sehwibbögen 
bei der ersten Anlage der Kirche aufgeführt werden, sich diese oder we- 
nigstens einzelne von ihnen erhalten haben, wie es sonst überall, selbst bei 
Kirchen. über die eine mehrfache Zerstörung des Gewölbes hingegangen,
        

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