Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490183
Kirchliche Architektur. 
der 2. Hälfte des 
Gothischer Styl 
Jahrh. 
699 
von einfacher Form, doch springen auf ihren acht Ecken eckige Stäbchen 
vor, welche bis zum Ansatze der Schwibbögen, die die Pfeilerstellungen in 
der Flucht des Kirchenschiffes verbinden, emporlaufen; ganz in derselben 
WVeise sind auch diese Schwibbögen gebildet. An den schrägen Flächen 
der letztern sieht man die Spuren gemalter gothischer Rosetten; auch an 
den Pfeilern scheinen Farbenspuren durch die weisse Tünche vorzu- 
schimmern, Eigenthümlich ist es, dass an der Südseite die Strebe- 
pfeiler nach dem Inneren der Kirche vertreten und somit kapellenartige 
Räume zwischen sich einschliessen, während an der Nordseite die Strebe- 
pfeiler frei nach Aussen hinaustreten. All diese späteren Theile der Kirche, 
somit den gesammten mit ihr vorgenommenen Umbau, dürfte man am besten, 
wie es scheint, der späteren Zeit des vierzehnten Jahrhunderts zuschreiben. 
 Noch jünger erscheint der Thurm der Kirche. Dieser erhebt sich, in 
einfach viereckiger Gestalt, in mehreren Geschossen rohe Fensterblenden 
enthaltend, vor dem südlichen Theile der Westwand; ihm entsprechend 
sollte ein zweiter Thurm auf der Nordseite, wo jetzt rohe kapellenartige 
Vorbauteu aus der spätesten Zeit des Mittelalters stehen, aufgeführt wer- 
den. (Oder ist ein solcher zweiter Thnrrn vielleicht wirklich vorhanden 
gewesen und früh zerstört worden?) Interessant ist es übrigens, dass auch 
die Giebel über den vier Wänden des Thurmes erhalten sind, über denen 
sodann sich eine schlanke Spitze erhebt. 
Ein sehr zierliches Portal, dem an den alten Bautheilen der Marien- 
141mm; von Anclam entsprechend, somit gewiss aus derselben Periode, be- 
merkte ich an der Kirche des Dorfes Hohen-Mocker, zwischen Demmin 
und "Prcptow a. d. T. belegen. Das Aeussere dieser Kirche erschien gothisch 
rnodernisirt.  
Als ein vollständig erhaltenes Kirchengebäude aus der zweiten Hälfte 
des dreizehnten Jahrhunderts dürfte die KathMinen-Klosterkirche 
in Stralsund zu betrachten sein. Doch kann ich über sie nur allgemeine 
Andeutungen geben, indem ihre Untersuchung durch ihre gegenwärtige Be- 
stimmung  sie dient als Arsenal und ist im Innern verbaut  sehr er- 
schwert wird. Das Mittelschifl" wird von den gleich hohen Seitenschiifen 
durch Pfeilerstellungen von je 7, theils runden, theils achteckigen Pfeilern 
getrennt. Der Chor verlängert sich in der Breite des Mittelschiffes und hat 
einen mehreckigen Schluss. An den Halbsäulehen, die im Chnre als die 
Träger der Gewölbgurten emporlaufen, bemerkte ich gothische Blätterkapi- 
täle, die in den pommerschen Kirchen des vierzehnten Jahrhunderts nicht 
weiter vorkommen, wie auch die Rundform der Pfeiler im Langsehiif hier 
nur dem dreizehnten Jahrhundert eigenthümlich zu sein scheint. Eine alte 
Nachricht bestimmt für den Anfang des Baues dieser Kirche das Jahr 1251. 
für ihre Vollendung und den Beginn des Gottesdienstes in ihr das Jahr 
1317   Die neben der Kirche belegenen Klostergebäude gehören 
einer späteren Zeit an. Sie bestehen aus einer Reihe heiterer Räume, die 
i) Nachrichten über die Stralsundischen Kirchen. (Aus einem alten Manu- 
seript unter den Charisianis auf der hiesigen Rathsbibliothek.) Mitgetheilt in der 
Sundine, 1835, Nro. 92, S. 367.  Ein Grundriss der Kirche, nebst dem der 
anstossenden Klostergehäude, Iindeteich in dem "Ersten Beitrage zur Geschichte 
des Stralsunder Gymnaslulns"; doch 1st zu bemerken, dass dort die sämmtlicheil 
Pfeiler der Kirche fälschlich in runder Form und, nicht minder unrichtig, der 
Chorschluss in seiner Hauptform als Halbkreis erscheinen.
        

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