Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1490045
Kirchliche Architektur. 
Styl 
Byzantinischer 
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Zweifel gehört dasselbe noch dem zwölften Jahrhundert an. A15 ein Ueber- 
rest des Ottonischen Baues vom J. 1124 kann es jedoch nicht gelten, da 
dieser, bei dem Mangel an Zeit und Mitteln, unbedenklich nicht auf so 
massive und mühsame Weise ausgeführt war. Ob das in Rede stehende 
Baustück von einer etwanigen Erneuerung der Kirche v or dem Aufwaten 
der Chorherrn herrühre, oder ob es deren erstes Auftreten in Cammin be- 
zeichne, muss, da keine weitere historische Nachricht vorhanden ist, zur 
Zeit unentschieden bleiben. Aus den Detailformen des Portales selbst lässt 
sich über sein Alter nicht eben etwas Näheres bestimmen, da der Granit 
überall, auch bei Anwendung des Spitzbogens, sehr einfach behandelt er- 
scheint.  Sodann kommt die Altarnische in Betracht. Ich vermuthe, dass 
ihre untere Hälfte auf eine regelmässig byzantinische Anlage berechnet war. 
Ich schliesse dies besonders aus der Form des älteren Theiles der Fenster. 
Denn da jene schwarzglasirten Säulenschäfte, der ursprünglichen Idee nach, 
genau als die unteren Hälften der Fenstersäulen betrachtet werden müssen 
(Wozu der Ring, mit dem sie oberwärts schliessen, nöthigt), so würden die 
Fenster, wären sie nach dieser Idee vollendet, ein breites, minder hohes 
Verhältniss erhalten haben, wie solches mit dem System der reinen byzan- 
tinischen Kunst, nicht aber mit den spitzbogigen Theilen des Uebergangs- 
styles übereinstimmt. Dabei aber ist zu bemerken, dass die sämmtlichen 
Detailformen dieses unteren Theiles der Nische, auf eine Weise ausgebildet 
sind, die nur der spätesten Entwickelungszeit des byzantinischen Systemes 
angehört. Ungefähr gleichzeitig dürfte sodann die ganze südliche Wand 
des Querschiifes sein. Diese trägt noch ungleich entschiedner das Gepräge 
des spätest byzantinischen Styles, wie solcher (z. B. bei vielen nieder- 
rheinischen Bauten) sogar bis tief in das dreizehnte Jahrhundert hinab- 
reicht. Zugleich ist nicht wohl anzunehmen, dass die halbe Altarnische 
und die ebengenannte Wand beim Beginn des Neubaues der Kirche ganz 
isolirt für sich aufgebaut worden seien, dass man nicht gleichzeitig mit 
ihnen auch die übrigen Theile des gesamrnten Chorbaues werde wenigstens 
angelegt und begonnen haben; ja, die Sakristeithür, welche dem südlichen 
Portale nah entspricht, scheint dafür einen bestimmten Beleg zu geben. 
Aus dieser Annahme folgt aber, dass auch die Formation des Inneren (ich 
meine besonders die reiche Formation der Pfeiler in der Durchschneidung 
von Quer- und Mittelschiff) schon durch die ursprüngliche Anlage bedingt 
war; und da diese Formation soviel mehr ausgebildet erscheint, als die 
entsprechenden Theile derjenigen Kirchen, an denen wir bisher byzan- 
tinisches Element bemerkten (an denen von Bergen und Oolbatz), so sind 
wir, wie es mir scheint, genöthigt, auch der ursprünglichen Anlage der 
älteren Theile der Camminer Domkirche (etwa mit Ausnahme des nörd- 
lichen Portales) ein jüngeres Alter als jenen zuzuschreiben , sie somit be- 
reits in das dreizehnte Jahrhundert zu setzen. (Dass die Vorhalle vor dem 
südlichen Portale, die später als dieses ist, noch den Halbkreisbcgen hat, 
ist kein Gegenbeweis, indem, wie eben angedeutet, byzantinische Formen- 
weise sich mehrfach lange neben den späteren erhielt.) Noch jünger end- 
lich ist der, in consequent spitzbogiger Weise aufgeführte Oberbau der 
älteren Theile der Domkirche. Nehmen wir auf die disharmonische Vollen- 
dung der Altarnische Rücksicht, so können wir nicht füglich umhin, einen, 
Wenn auch nicht allzubertächtlichen Zeitabstand dieses Oberbaues von den 
früheren Theilen anzunehmen, durch welchen die regelmässige Fortsetzung 
des Baues unterbrochen wurde. So werden wir denn genöthigt sein, diese
        

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