Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489829
ERSTER 
H AUPTABSCEI N1  
ARCHITEKTUR. 
KIRCHLICHE 
ARCHITEKTUR. 
Byzantinischer 
Styl 
und Uebergaug aus 
den gothischen Styl. 
dem 
byzantinischen 
in 
Unter den Kirchen von Pommern und Rügen, an denen Reste des by- 
zantinischen Baustyls enthalten sind, ist zunächst die Marienkirehe zu 
Bergen auf Rügen zu bemerken. Ueber die Zeit ihrer Erbauung besitzen 
wir eine ziemlich bestimmte Nachricht. In einer Urkunde vom Jahre 1193 
erklärt nämlich Jaromar I., Fürst von Rügen, dass er auf ihm zugehörigem 
Boden eine Kirche von Ziegelsteinen (opere latericio) erbaut und durch 
den Bischof Peter (von Roskild) der h. Jungfrau habe weihen lassen; dass 
er, damit in seiner neuer-bauten Kirche die Verehrung der Mutter Gottes 
gebührend abgewartet werde, beschlossen habe, an ihr Nonnen von dei- 
Marienkirche zu Roskild aufzunehmen, dass er die nöthigen Einrichtungen 
zum Unterhalt und zur Verpflegung der letzteren getroffen habe, u. s. w. 1) 
Längere Zeit vor Ausstellung dieser Urkunde kann die Kirche nicht füglich 
erbaut sein, indem mit dem Jahre 1193 eben nur erst ein Viertel Jahrhun- 
dert seit der gewaltsamen Bekehrung der Rügianer zum Christenthum ver- 
flossen war; im Gegenthiajl scheint aus der Fassung der Urkunde hervor- 
Zugehen, dass der Fürst den Bau gleich in der Absicht, klösterliche Ein- 
richtungen mit demselben zu verbinden, unternommen habe, dass somit seine 
Vollendung und Einweihung erst kürzlich vor sich gegangen war. Späterer 
Zeit aber können die alten Bautheile der Kirche auch nicht angehören, da 
sie eben das Gepräge jener Zeit tragen, und da das ausdrücklich genannte, 
feste Material des Ziegelsteines (im Gegensatz gegen den Holzbau) den Ge- 
danken ausschliesst, dass schon in den nächsten Jahren ein Neubau dürfte 
nöthig geworden sein.     
Die ursprüngliche Anlage der Kircheentsprieht vollständig den ander- 
weitig bekannten Gebäuden eines entwickelt byzantinischen Styles: ein 
hßhes Langschiff mit zwei niedrigen Seitensehiifen, auf der Westseite be- 
grenzt durch eine eigenthümlich gebildete Halle, auf der Ostseite durch ein 
Qllerschiif (Kreuzschid) von der Höhe des Langschitfes; dann weiter östlich 
der Chor, als Fortsetzung des Langschiifes. der durch eine, im Halbkreis 
1) Grümbke: Gesammelte Nachrichten zur Geschichte des ehemaligen Oister- 
zißnser Nonnenklosters St. Maria in Bergen auf der Insel Rügen, S. 191_
        

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