Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489790
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Pommersche 
Kunstgesvhichte. 
aufzunehmen sehr wohl geeignet sind. Nur wo diese späteren Werke die 
architektonischen Formen gewaltsam beeinträchtigen. wo z. B. bunte Epi- 
iaphien an den Pfeilern emporgebaut sind und so daS GRTÜS? der Archi- 
tektur verdecken, da dürfte es günstig sein, sie mit Sorgfalt von solcher 
Stelle wegzunehmen und in die mehr untergeordneten Räume der Seiten- 
schiife zu versetzen. Hiemit geschieht, wie es mir scheint, diesen Denk- 
malen der späteren Zeit auch kein Unrecht; im Gegcntheil bleibt ihr Zweck 
ungestört derselbe, und nur die Anmaassung, deren sie sich selbst schuldig 
gemacht haben, wird wiederum aufgehoben. Anders aber verhält es sich 
mit denjenigen Gegenständen, die nicht den Werth der Denkmale haben, 
sondern die nur, um den Bedürfnissen späterer Bequemlichkeit zu genü- 
gen, errichtet werden sind: ich meine besonders, mit jenen Emporen (oder 
Chören, wie man sie in Pommern nennt,  Priechen im Sächsischen), die 
mehr oder minder den architektonischen Eindruck gänzlich verderben; 
diese würden, soviel es nur irgend möglich ist, ganz zu beseitigen sein; 
oder sollten die vorhandenen Bedürfnisse allzu hartnäckig widerstreben, so 
müsste man sie jedenfalls soweit hinter die Pfeiler des Hauptschiües der 
Kirchen zurückrücken, dass wenigstens der Eindruck der Hauptformeu der 
Architektur ungestört bliebe. 
Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass manch ein Stück von 
den Bildwerken, welche den alten Schmuck der Kirchen ausmachen, aus 
diesen oder jenen Gründen  sei es, dass man sich einmal mit seinem 
Style nicht mehr befreunden könne, sei es, dass man seine Darstellung in 
andrer Beziehung für unpassend zum Schmucke des Gotteshauses halte,  
aus den Kirchen verschwinden wird; es ist auch nicht zu erwarten, dass 
statt der bisherigen, häufig genug gegebenen Beweise von Theilnahmlosig- 
keit plötzlich eine allumfassende Pietät gegen diese alten Dcnkmale ein- 
trete. Es dürfte somit sehr wünschenswerth sein, für solche Werke ein 
gemeinsames Asyl, gestiftet zu sehen, wo ihnen ein sicherer Schutz zu 
Theil würde, wo sie der Anschauung kommender Geschlechter erhalten 
blieben. Nicht minder dürfte es wünschenswerth sein, manche alterthüm- 
liche Kunstwerke hohen Ranges, die sich jetzt an Orten befinden, wo ihr 
Werth entschieden verdeckt und unbeachtet bleibt, an Stellen zu vey- 
setzen, wo ihnen eine umfassende Würdigung zu Theil werden! könnte. 
Es käme somit, um solchen Zwecken zu genügen, auf die Gründung eines 
Vaterländischen Museums, oder vielleicht mehrerer Institute dieser Art, an. 
Mir scheint, dass ein solches Museum sich aufs Nächste mit den Samm- 
lungen vereinigen liesse, welche von der Gesellschaft für pommersche Ge- 
schichte und Alterthumskunde angelegt sind, und die sieh gegenwärtig 
durch einen beträchtlichen Reichthum, besonders an Denkmalen heidni- 
scher Zeit, bereits auf erfreuliche Weise auszeichnen. Würde aber bei 
solchen Museen entschiedene Rücksicht auf alles dasjenige genommen, was 
die gesamxnte Culturgeschichte des Vaterlandes berührt, so liesse sich mit 
Zuversicht erwarten, dass auch vieles Einzelne, was hie und da im Pri- 
vatbesitz befindlich ist, in dieselben überginge. Und dehnte man ihren 
Zweck zugleich auf die Interessen einer allgemeinen Kunstbildung aus, 
vereinigte man mit ihnen z. B. Abgüsse der vorzüglichsten Antiken (durch 
deren Gegenüberstellung die Eigenthümlichkeit der Vaterländischen Werke 
sich nur um so klarer herausstellen dürfte), nähme man Rücksicht auf die 
Erzeugnisse der, Malerei und auf die Wiederholung classischer Werke 
durch den Kupferstich, öffnete man endlich die Sammlungen zu gewissen
        

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