Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489658
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der Kunstschätze von 
Beschreibung 
und 
Berlin 
Potsdam. 
beinarbeiten, unter denen einzelne mit dem grössten Raffinement des Kunst- 
handwerkes ausgeführt sind; kostbare Stickereien; mannigfaches Geräth, 
besonders merkwürdige Bronzegefässe von fabelhaften Formen (wohl zu 
Tempel-Räucherungen bestimmt) u. dergl. m. Von reiner Schönheit und 
dem wohlthuendsten Eindruck auf das Auge des Beschaucrs sind einige 
Metall-Gefasse arabischer und persischer Kunst; sie sind sämmtlich 
reich ornamentirt, zum Theil mit niellirten Verzierungen auf silbernem 
Grunde, zum Theil mit in Bronze eingelegtem Silber; hier zeigen sich 
die schönsten Bandverschlingungen, das zierlichste Blattwerk, wie diese 
Gegenstände der Kunst der genannten Nationen so besonders eigenthümlich 
sind. Von australischen Völkerschaften sieht man kunstreiche Feder- 
arbeiten, Webereien, Flechtwerke, mannigfaches Waffengeräth, etc.;vVieles 
von alten und neuen Arbeiten der Bewohner Mexicds, u. s. w., u. s. w.  
Die Vereinigung dieser heterogenen Sammlungen zu dem Einen Ganzen 
der nliunstkammer," welche gegenwärtig noch Statt findet, erklärt sich 
durch die Geschichte dieses Instituts 1). Schon oben ist der Periode der 
Begründung desselben, in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, 
gedacht worden. Dies Jahrhundert war es, in welchem überhaupt zuerst 
Sammlungen von grösserer Bedeutsamkeit und weiterem Umfange angelegt 
wurden; aber ohne einen tieferen, wissenschaftlichen Plan ging man hiebei 
vorzugsweise darauf aus, alles Merkwürdige, Interessante, die Neugier und 
das Nachdenken Fesselnde, soviel man dessen habhaft werden konnte,  
Erzeugnisse der Natur nicht minder wie Arbeiten menschlicher Hand,  
auf einem und demselben Schauplatze zusammenzustellen. So war auch 
die Kunst- oder „Raritäten"-Kammer von Berlin aus den verschiedensten 
Gegenständen: Prachtgeräthen, Curiositäten, Antiken, Münzen, Naturalien, 
ethnographischen Merkwürdigkeiten, mathematischen und physikalischen 
Instrumenten u. dergl. mehr zusammengesetzt. Erst in neuerer Zeit, bei 
dem mehr anwachsenden Reichthume der einzelnen Abtheilungen, bei dem 
gesteigerten Bedürfnisse nach wissenschaftlicher Behandlung, ist die wirk- 
liche Trennung des den verschiedenen Disciplinen Angehörigen erfolgt. 
Nachdem zunächst die genannten Instrumente, sodann die Naturalien-Samen- 
lung, als das zumeist Abweichende, ausgeschieden waren, erfolgte Aehu- 
liches bei der Errichtung des neuen Museums, indem auch verschiedene 
Fächer der Kunstgegenstände an dessen verschiedene Abtheilungen über- 
gingen und das, was in der Kunstkammer zurückblieb, dem umfassenden 
Institute des Museums untergeordnet wurde. 
Die Kunstkammer ist demnach, trotz der so ausserordentlichen neueren 
Bereicherungen ihrer einzelnen Abtheilungen, in dem Ganzen ihrer gegen- 
wärtigen Zusammensetzung noch immer als ein Rest ihrer ursprünglichen 
Beschaffenheit zu betrachten. Wenn dies nun allerdings kein Hinderniss 
sein kann , die einzelnen Abtheilungen der Kunstkammer in ihrer selb- 
ständigen Bedeutsamkeit aufzufassen, so dürfte es für den vorliegenden Fall 
 in Rücksicht auf die „Abthei1ung für Kunst"  gleichwohl nicht 
zu übersehen sein, dass einige der von ihr getrennten und in das Lokal 
1) Vergl. "Geschichte der König]. Kunstkarnmer in Berlin, von L. v. Lede- 
bur. Berlin 1831." (Aus dem Allg. Archiv für die Geschichtsk. des Pr. Staates 
besonders abgedruckt);  und über die früheren Kunstkammern im Allgemeinen: 
uzllr Geschichte der Sammlungen für Wissenschaft und Kunst in Deutschland, 
von Dr. G. Klemm. Zerbst 1837."
        

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