Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489460
im 
Alterthümer 
Schlosskirclue 
der 
Zitter 
Zll 
Quedlinburg. 
627 
tend und mit den Weihnachtstexten beginnend. Lange schrieb man (schon 
zu Kettnelns Zeit, S, 4 a. u. Wallmann, S. 101.) dieses Buch derxAeb- 
tissin Agnes, die um das Ende des zwölften Jahrhunderts regierte, zu- 
allein der Charakter der Schrift und ebenso die zierlich gemalten blumigen 
Arabesken, womit die Initialen derselben geschmückt sind, widersprechen 
einer solchen Annahme und deuten vielmehr auf die Zeit um das Ende. 
des funfzehnten Jahrhunderts. Den Styl eben dieser Periode trägt auch 
die Arbeit des starken mit Silberblech überzogenen vorderen Deckels. In 
der Mitte desselben sieht man nemlicb die in Silber getriebene und mit 
vergoldetem Mantel versehene Gestalt Christi, in Haut-Relief und von 
tüchtiger Arbeit; auf dem, Rahmen umher ein silbernes, reich und ge- 
schmackvoll gebildetes Rankengetlecht; in den Ecken die symbolischen Ge- 
stalten der Evangelisten mit den beigeschriebenen Namen der letzteren, 
und zwischen ihnen die. Bilder der vier Kirchenlehrer in flachem Relief, 
diese in einem sehr tüchtigen Style ausgeführt, Alles aber, wie bemerkt, 
das Gepräge der Kunst um den Schluss des funfzehnten Jahrhunderts tra- 
gend. Hiemit stimmt endlich auch eine (gegenwärtig fragmentirte) Inschrift 
überein, welche auf den Silberplatten an den Rändern des oberen Deckels 
vorhanden ist; die Jahrzahl MVCXlll und die Worte: „Sub Laurentio pre- 
posito", sowie ferner: „Awe Maria gratia plcna dominusu  sind von der- 
selben noch erhalten. Und da wir wissen, dass im Jahr 1515 Laurentiirs 
Gobingk Probst des Klosters Wiperti war (s. Erath p. 597.), und hiemit 
jene Jahresbezeichnung 1513 übereinstimmt, so wird man kein Bedenken 
tragen, dies Buch für das Altar-Evangelienbuch jenes Klosters anzusehgm 
Kleinere 
Reliquienkasten. 
1. Der angebliche Reliquienkasten Heinrichls I. (N0.  
von länglich viereckigern Format. aus Holz, mit Elfenheinplatten, welche 
geschnitzte Reliefs enthalten, und mit in vergoldetem Silberblech geprägten 
Darstellungen belegt; dazwischen Filigran-Arbeit mit eingesetzten Edel- 
steinen, namentlich einer bedeutenden Anzahl von Rubinen. Die Elfen- 
beinschnitzwerlte sind hier von grossem kunsthistorisehem Werth, aber sie 
gehören augenscheinlich zwei verschiedenen Stylen, somit zwei verschie- 
denen Epochen der Kunst-Entwickelung an. Die älteren und vorzüglich 
interessanten Reliefs sind auf den grösseren Platten befindlich, zwei auf 
dem Deckel, zwei an den schmaleren Seiten; jene stellen die drei Marieen 
am Grabe des Herrn und Christus, welcher die Jünger segnet, diese die 
Fusswaschung Petri und die Verklärung Christi, dar. Die letztere Dar- 
stellung, in der Weise, wie Christus mit Moses und Elias auf Wolken 
steht und uuterwärts die drei Jünger in verschiedenartiger Stellung auf 
dem Boden liegen. entspricht vollkommen dem besonderen Typus, in wel- 
chem diese Scene durch die ganze Zeit christlicher Kunstausübung, von 
den ältesten Zeiten bis Giotto und bis auf Raphaels hohes Meisterwerk, 
behandelt worden ist. Die in Rede stehenden Reliefs sind übrigens sämmt- 
lich von grösster Rohheit in der Ausführung, von einer ausserordentlichen 
Ungeschicklichkeit in der Handhabung des Messers, welche besonders der 
Formation der Köpfe, sowie den durch blosse Einschnitte hervorgeht-achten 
Falten der Gewandung nachtheilig geworden ist; auch das kurze, plumpe 
Gesammt-Verhältniss der Figuren ist nichts weniger als angenehm. Bei
        

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