Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489452
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Schlosskirnhe 
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festis pnscalibus conservare digneris" u. s. w. Da nun die Aebtissin Adel- 
heid Michaelis 999 zur Aebtissin geweiht wurde, Otto der Dritte aber 
schon 1002 starb, und hier seine Anwesenheit im Stifte nicht undeutlich 
bezeichnet wird, so tragen wir kein Bedenken, das Osterfest des Jahres 
1000 als die Zeit zu nennen, auf welches sich die Worte beziehen. Dieses 
hat nämlich wirklich Otto III. in Quedlinburg gefeiert, Chron. Quedl. ll, 
p. 285 Leibn. Doch hat man das Gebet, wie der beigeschriebene Name 
Beatrix lehrt, auch später bei Einweihung der Wachskerzen benutzt. 
Die Schrift des Codex ist übrigens nur in Correkturen schwarz, sonst 
schimmert sie überall ins Röthliche. Ein Paar Worte auf dem Titelblatte: 
„Dieses Buch hat der Apotheker Hans Walpurger mit Schanden wieder 
von sich geben müssen, den 4. Januar 1602" lehren, dass es einmal ent- 
wendet und glücklich wieder gerettet worden. 
Wenn demnach die Zeit des Jahres 1000 für die Anfertigung dieser 
Handschrift fest steht, so dürfte jedoch wiederum der, in artistischer Hin- 
sicht höchst interessante obere Deckel, wie es scheint, nicht als gleich- 
zeitig, sondern als einer späteren Periode, etwa dem Ende des zwölften 
Jahrhunderts angehörig. zu betrachten sein. Derselbe besteht aus einer 
Elfenbeiuplatte mit Relief-Darstellungen, welche von einem, mit vergolde- 
tem Silberblereh überzogenen breiten Rahmen umgeben wird; letzterer ist 
mit Filigran-Arbeit und Edelsteinen geschmückt. Die Elfenbein-Reliefs 
enthalten die vier Scenen der Geburt Christi. seiner Taufe, seines Todes 
am Kreuz und der Abnahme vom Kreuz. Sie sind fein gearbeitet und im 
Style der byzantinischen Kunst, manche Figuren noch starr und streng in 
der Zeichnung, doch ohne alle Verkrüppelung oder Gcdunsenheit, welche 
den früheren Arbeiten dieses Styles häufig eigen ist. Im Gegentheil finden 
sich hier im Einzelnen bereits die tretflichsten Motive, wie z. B. die Maria 
auf der ersten Darstellung, welche neben der Krippe sitzt und das in WVin- 
deln eingewickelte Kind hineinlegt, eine hohe Gestalt von wirklich juno- 
nischem Charakter ist. Auch Joseph, der sich unterwärts nachdenklich 
mit der Hand stützt, ist sehr wohl gearbeitet. Ebenso hat Johannes, in 
der Taufe Christi, eine meisterhaft schöne Gewandung. So gehört diese 
Arbeit in ihren bedeutsameren Einzelheiten mit zu denjenigen, in Deutsch- 
land vorhandenen und neuerdings erst in nähere Betrachtung gezogenen 
Denkmälern mittelalterlicher Sculptur. in denen sich ein auffallendes Vor- 
bild jener späteren wunderwürdigen Leistungen des Italieners Nicola Pisauo 
zeigt, welche letzteren in der italienischen Kunstgeschichte noch ohne 
Uebergang zu den rohen Werken seiner Vorgänger dastehen. Wir werden 
weiter unten (an dem Reliquienkasten der Aebtissin Agnes) noch ein 
zweites wichtiges Werk derselben Art kennen lernen. Die an den in Rede 
stehenden Reliefs vorhandenen griechischen Inschriften dürften dieselben 
jedoch nicht wohl als die Arbeit eines deutschen Künstlers erscheinen 
lassen. Auch diese (mit Spiritus- und Accentzeichen versehen) sind an 
sich interessant. Sie lauten: 1'; yäwvyotg, 1'; ßoZu-narg, 15 c-raügwatg, 1'; äuß- 
uooibflmotg (die Geburt, die Taufe, die Kreuzigung, die Kreuzabnahme). 
Der Buchstabe ä scheint hier durch ein blosses Kreuz 4- angedeutet zu 
sein, wiewohl Einige noch einen dunklen Rest der Umfassung O bemerken 
wollen. Das Kreuz scheint sonst nirgend als Zeichen für das i? allein 
vor-zukommen. 
3. Evangelistarium in F01. (N0.  die evangelischen Texte nach 
der Villgata, wie sie im Kreislaufe des Jahres gebraucht werden, enthal-
        

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