Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489448
Schlosskirche 
Zitter der 
Alterthümer im 
zu Quedlinburg. 
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obere, schwere und rcichverzierte Deckel des Buches i) gehört einei. Spä; 
teren" Zeit als die Handschrift selbst an. Ei'_1st_mit einer vergoldeten Sil- 
berplatte belegt, in der Mitte vertieft und mit einem breiten Rahmen um- 
geben. In der Vertiefung sind, 1" Semebener Arbeit, eine Maria mit dem 
Kinde und darunter zwei Bischöfe dargestellt; der Styl dieser Figuren ist 
roh und von spät-byzantinischcm Qliafakißf, d- h: etvifa dem Ende des 
zwölften Jahrhunderts angehörig. Die Umralimllng _1St lIllfFlligran-Arbeit 
überzogen, darin rohe Edelsteine (unter diesen eine antike Gemme mit 
einem ziemlich roh gearbeiteten _Hund_e), Perlen und kleine Mosaikbilder 
eingelassen siiiiL Die letzteren sind nicht ohne Interesse. Die Linien der 
Zeichnung sind in ihnen mit feinen (Iüidlllllßn. angedeutet. In der Mitte 
des Oberen Bahmgns sieht man, in solcher Weise, einen ChTIStUSROPfE 
byzantinischem Siyle, zu dessen Seiten die griechischen Charaktere IG 
und XÖCIqaoög Xgtarög) enthalten sind; in der Mitte E unteren Rah- 
mens das Brustbild der Maria mit den Zeichen MHZ und QY (nainyg äsoü). 
Zu den Seiten beider sind mehrere ornamentistische Stücke angebracht, unter 
denen man das Symbol des geflügelten Ochsen, einen Yogel. u. a. erkennt. 
2. Evangelistariuin in klein F0]. (N0.  die vier Evangelien 
nach der Vulgata enthaltend, dem" die Tabellen der Harmonie voran- 
gehen. Es ist scliön geschrieben, doch nicht ganz vollendet, 111116111 11a- 
mentlich die Initialen nur angedeutet, nicht mit Gold ausgemalt sind. 
Schon früher ist davon die Rede gewesen, dass es am Ende des Evange- 
liums des Lukas ein Verzeichniss der Schätze der Kirche zu enthalten scheint. 
Auf dem ersten Blatte findet man folgende Namen: Hisice, Momo, Redburg, 
Rodburg, Mazuke, lbike, Bezeke, Cunicc, Hildisin, Aebbe, Ase, Adda, 
Aizad, Athilger 1-, Hatheburg, YValin, Megingerd, lmice, Ode, Gerburg, 
von denen einige Gelehrte, z. B. Erath cod. dipl. p. 57 vermuthet haben, 
dass sie Jungfrauen des Stifts und andere Stiftspersonen zu bezeichnen 
scheinen. Ode und Gerburg werden wirklich im Chron. Quedlinb. als 
Stiftsdamen genannt. (II, p. 294, Leibn.) und ihr Tod ini Jahre 1023 be- 
richtet; Athilger war der Name eines Halberstädtischen Geistlichen, von 
dem die Quedlinburgische Chronik (p. 291) berichtet, dass er im J. 1018 
gestorben ist. Doch wird im J. 1020 der Tod von fünf Stiftsdamen be- 
richtet, deren Namen wir hier nicht lesen, Emerita, Otholhulda, des Mark- 
grafen Dietrich Tochter, Tliieden, Heminkin und Lucia; so dass die Frage 
nicht vollständig gelöst erscheint. Hierauf folgt nun auf dem zweiten und 
den folgenden Blättern ein Gebet, mit der Aufschrift. „Consecratio cerei 
adita a sancta Augustino dum adliuc Diaconus esset", doch sucht man in 
den Schriften Augustins vergeblich etwas Aehnliches. Es scliliesst mit 
folgenden Worten: „Precamur ergo te domine, ut nos famulos tuos, omueni 
clerum et devotissimum populum una cum famulo tuo papa nostro Sil- 
vestro et gloriosissimo imperatore nostro Ottone (am Rande mit schwarzer 
Tinte ein Zusatz „et autistite nostro") et famula tua abbatissa nostra Athel- 
heida (daneben mit andrer Hand Beatrice, aber mit derselben Hand „nec 
non pia congregacione sibi commissa") quiete temporuin concessa in his 
i) ES ist bekaflntv dass insgemein nur die oberen Deckel der Ilandschriften 
des Mittelalters 1911111 gßißllmückt waren, indem die Bücher nicht wie ge an- 
wärtig, aufgestellt, sondern mit ihrem unteren Deckel (auf Pulte (Jdlgr dm im". 
der Kirche) aufgelegt wurden. So sind auch die unteren Deckel der oben be- 
sprochenen Handschriften särnmtlich ohne Verzierung 
Kugler, Kleine Schriften. l, 40
        

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