Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489433
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Schlosskirche 
zu Quedlinburg etc. 
maun (Abhandlung von den schätzbaren Alterthümern der hohen Stifts- 
kirche zu Quedlinburg S. 35-82.) glaubte glücklicher in Auffindung (iieser 
Umstände zu sein und behauptet am Schlusse seines Versuchs, dass der 
berühmte Wasserkrug von Cana kein griechisches oder römisches, sonder-n 
ein von arabische-m Onychmarmor verfertigtes jüdisches Gefäss, und zwar 
ein jüdischer Staatswein- oder Trinkwasserkrug sei, der auf der Hochzeit 
zu Cana mit dem wunderthätigen Weine aus den sechs grossen steinernen 
Wasserkrügen gefüllet und mit diesem Weine auf die Hochzeittafel gesetzt 
worden, u. s. w. Wir kehren, da alle diese gelehrten Forschungen Wall- 
mann's nicht. wohl einen Beweis liefern, gern zu dem Nichtwissen seines 
Vorgängers zurück. Nach Kettner's Bericht (Kirchen- u. Reiß-Historie, 
S. 99.) ist der Krug am zweiten Sonntage nach Epiphanias, wo das Evan- 
gelium von der Hochzeit zu Caua erklärt wurde, auf den Altar gesetzt, 
mit Weine gefüllt und dem Volke gezeigt worden. 
Pergam enthan ds chrift en. 
1. Evangelistarium in gross Fol. (N0.  die vier Evangelien 
nach der Vulgata, vor diesen eine Harmonie der Evangelisten und hinter 
ihnen ein Calendarium Servatianum enthaltend. Es ist mit goldnen Buch- 
staben geschrieben, welche durchaus schön erhalten sind; einige in Silber 
geschriebene Buchstaben sind dagegen verblichen. Am Schlusse der Hand- 
schrift nennt sich der Schreiber mit folgendenWorten: „In nomine domini 
ego Samuhel indignus vocatus presbiter scripsi istum evangelium." (Eine 
spätere Hand hat über das m in dem Worte istum ein d geschrieben.) Die 
Ornamente der Initialen sind ganz in der Weise ausgeführt, wie in den 
bekannten Prachthanrlschriften, welche der karolingischen Periode (dem 
neunten Jahrhundert) angehören.  Jedes der in dieser Handschrift ent- 
haltenen Evangelien ist mit. dem Bilde des entsprechenden lüvangelistel] 
versehen. Die Evangelisten sind sämmtlich vor dem Schreibpulte sitzend 
dargestellt und über ihnen, wie zu ihnen herabsehweberltl und verkündend. 
die zugehörigen symbolischen Gestalten (Engel, Löwe, Ochs und Adler), 
welche Bücher in ihren Händen oder Klauen halten.  Johannes ist, wie 
insgemein in den ältesten Bildern, noch im Greisenalter dargestellt. Der 
Styl in diesen Bildern entspricht ebenfalls den Arbeiten der karolingischexi 
Periode, wie sich dies sowohl in der gestimmten saftig pastosen Malerei 
(welche noch nichts von den trockenen Miniatur-Farben der byzantinischen 
Kunst zeigt) als insbesondere in der Zeichnung der Köpfe und Extremitä- 
ten, im Faltenwurf, in dem derberen Colorit der Köpfe zu erkennen giebt. 
Sie bewahren, trotz der grossen Rohheit in der Ausführung, wie die Ma- 
lereien der karolingischen Zeit, noch immer eine Erinnerung an die letzten 
Eigenthümlichkeiten der antiken Kunst; jedoch tritt hier in der Zeichnung 
der Körper ein gewisses Element hinein, welches bereits als eine Vorden- 
tung des speziell byzantinischen Styles, wie sich derselbe im elften Jahr- 
hundert zeigt, betrachtet werden muss. In Rücksicht auf diese Verhält- 
nisse dürfte das zehnte Jahrhundert als die Zeit, in der die Handschrift 
angefertigt worden, zu bestimmen sein. J. G. Eceard setzte dieselbe in 
die Zeit der Karolinger; der Rektor Tob. Eckhard hielt sie dagegen (der 
eben ausgeführten Ansicht im Allgemeinen entsprechend) für ein Geschenk 
Ottos I. an seine Tochter Mathilde. die erste Aebtissin des Stiftes.  Der
        

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