Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489370
618 
B10. 
Quedlinburg 
Schlosskirche zu 
einige Notizen über diese Gruftkirche, welche hier folgen mögen. Dieselbe, 
bei dem gothischen Umbau des Chores bedeutend beeinträchtigt, zeigt in 
ihren Umfassungsmauern nicht mehr die ursprüngliche Gestalt, wie nament- 
lich die Altarnische fehlt. Aber sie hat (von Norden nach Süden) noch 
eine Breite von 32 Fuss und eine Tiefe von 21 Fuss, während der Chor 
nur  Fuss breit und 18 tief ist. Die nördliche YVand des Chores wird 
von einer Pfeilerstellung der Crypta getragen, woraus hervorzugehen scheint, 
dass der frühere Chor breiter und vermnthlich mit Seitenschilfen versehen 
war. Ausser dieser Pfeilerstellung werden die Kreuzgewölbe der Crypta 
noch von einer zwiefaehen Reihe von je 3 Säulen und Pfeilern (ohne regel- 
mässige Abwechselung) getragen, unter denen aber die Pfeiler nicht der 
ursprünglichen Anlage anzugehöreu scheinen. Nur zwei von diesen Säulen 
haben noch ihre alten Kapitale; das eine ist ein Blätterkapitäl , ungefähr 
den Formen eines römischen Kapitäles verwandt; das andre hat die Grund- 
form eines unten abgestumpften WVürfels, dessen Seitentlächen mit sorgfältig 
ausgeführten und zum Theil frei vorspringenden Verzierungen, Arabesken 
und Ulhierfiguren, versehen sind. Von Stuck-Ueberzug findet sich keine 
Spur. Da es uns an eigner sicherer Anschauung fehlt, so wagen wir kein 
Urtheil über die Zeit, in welcher die Grnftkirche erbaut ist, auszusprechen; 
doch dürfte es als wahrscheinlicher anzunehmen sein, dass sie nicht der 
ursprünglichen Anlage der Kirche, sondern dem im zwölften Jahrhundert 
Statt gehabten Umbau angehört. 
Die 
Kirche von Kloster 
bei Ermslcbcn. 
Conrarlsburg 
Kleine Grund- und Anfrisse dieser Kirche nebst einer allgemeinen Be- 
schreibung derselben von I-lrn. v. I-Iorn befinden sich in dem _.,Bcricht vom 
Jahre 1834 an die Mitglieder der deutschen Gesellschaft zur Erforschung 
vaterländiseher- Sprache und Alterthümer in Leipzig, herausgegeben von 
K. A. Espe  Dort wird, auf den Grund eines älteren Zeugnisses 2), das 
Jahr 1176 als das Jahr der Gründung des Klosters angegeben. Da indess 
bereits im J. 1151 eines Abtes zu Conradsburg erwähnt wird a), so kann 
das Jahr 1176 nicht auf die eigentliche Stiftung des Klosters bezogen wer- 
den; und da die Edlen von Conradsburg, Welche ihr Stammhaus dem klöster- 
lichen Dienste übergeben hatten, sich bereits seit dem Jahre 1120 nach 
ihrem neuen Aufenthalte Fallrenstein nennen, so ist es auch nicht wahr- 
scheinlich, dass man erst in so viel späterer Zeit (1176) zur Gründung der 
Klostergebärlde gesehritten sein sollte. Die gegenwärtig vorhandene Kirche 
gehört aber nicht den, in eine frühere Zeit zurückzudatirenrlen ersten 
klösterlichen Anlagen, noch weniger dem ursprünglichen Schlosse von Con- 
1) Nähere Mittheilungen und ausführliche Darstellungen über die Kirche zu 
Conradsburg sind inzwischen bei Puttrich, a. a. 0., Abth. II„ Bd. IL, Lief. 
1-4, erschienen. 
2) Reimann, in seiner Idee Ilistoriae Ascaniensis, p. 4: _..Monast. Con- 
radesburgense prope Ermslebiam a Nobilibus de Conradesburg in honorom S. 
Sixti conditizm." 
a) In einer Urkunde bei Sehöttgen u. Kreysig in den Diplomat bist. 
Germ. XI, 701.
        

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