Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489204
Anhang. 
Benachbarte Kirchen. 
Gernrode. 
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Ukunrlen aufbchalten, welche die Rechte und Freiheiten des Stiftes be- 
stätigen  
Die Kirche ist eine Basilika mit hohein Chor, in welchem Ilrsprünglieh 
das gesammte Qnerschiii der Kirche, wie in der Schlosskirche von Qnedlin- 
burg, mit eingeschlossen war und darunter sich ohne Zweifel eine Gruft- 
kirche von ähnlicher Ausdehnung befand. Diese Erhöhung ist nachmals 
jedoch verändert worden und findet in der alten Weise nur noch in den 
Krenztlügeln Statt. Der Mittelranin des Qnerschiffes ist gegenwärtig ohne 
alle Erhöhung und dem Boden der übrigen Theile der Kirche gleich. Der 
Raum des ehemaligen Hoclialtars ist nur um einige Fuss niedriger geworden, 
als er ursprünglich war, und ruht über einem beträchtlich niedrigen Kreuz- 
gewölbe, welches von viereckigen Pfeilern getragen wird. Die Kopf- und 
Fnssgesimse dieser Pfeiler scheinen nicht mehr den Charakter byzantinischer 
Kunst zu verrathen. Die Stufen, welche aus dem Mittelraum des Quer- 
sChilTes zu dem ehemaligen Altarraume (wo gegenwärtig ein Grabmonument 
des Gründers der Kirche aufgestellt ist) cmporführen, gehören der, vor etwa 
fünf Jahren erfolgten Restauration der Kirche an, da der Fnssboden der- 
selben mit zierlichen 'l'hont'tiesen belegt wurde; sie sind aus den in der 
Kirche vorhanden gewesenen Grabsteinen (l l) zugehanen, und man erkennt 
hie und da noch die Spuren vernichtcter Inschriften. 
Der südliche Kreuztlügel bewahrt noch einen Theil der ehemaligen 
Gruftkirchc, welche hier durch ein Kreuzgewölbe, auf vier kleinen Säulen 
ruhend, gebildet wird. Die Säulen sind schlank, mit attisclien Basen und 
abgerundeten Würfelkapitälen, welche von ziemlich gedrücktem Verhältniss 
und anfwerschiedene Weise ornamentirt sind, Der Styl dieser Kapitale 
scheint eine etwas spätere Zeit anziidenten als die Hanptanlage der Kirehe, 
l:.ine Bogeiistellung mit zwei freistehenden viereckigen Pfeilern verband 
diesen Flügel der Gruftkirche mit den übrigen Theilen derselben; gegen- 
wärtig führt sie zu dem offenen Raume der Kirche, ist jedoch mit Brettern 
Ncräclilagen. Das Käninfergcsims dieser Pfeiler besteht einfach aus einer 
Platte mit Schräger Schmiege.  Ueber diesem Gewölbe bildet der südliche 
Kreuztltigel_ einen offenen Raum; die Altarnisclie desselben ist abgebrochen, 
doch die bpur ihres früheren Vorhandenseins noch deutlieh zu erkennen 
 Der Tlieil der Gruftkirche, welcher sich unter dem nördlichen Kreuz- 
flügel befindet, dient gegenwärtig als Grabgeivölhe. Uebcr demselben sind 
verschiedene gesonderte Gemächer angeordnet, welche sich, in Rücksicht; 
auf die spitzbogigen Gewölbe, mit denen sie bedeckt sind, und die Stab- 
verziernng eines Fensters auf der Nordseite, als ein späterer Einbau ans 
der Periode des gothiselien Baustylcs zu erkennen geben. Trotz dieses 
Einbanes ist hier jedoch noch die Altarnische erhalten, welche unter ihrem 
1) Vergl. J. Ohr. Beckmann: Historie des Fürstenthums Anhalt, S. 168 1T. 
(Ausführliche Mittheilungen und bildliche Darstellungen der Kirche zu Gernrode 
sind seit Abfassung des Obigen durch Puttrieh, Denkmale der Baukunst des 
Mittelalters in Sachsen, Abth. 1., Bd. 1., Lief, 4-6, gegeben. Nach seiner näheren 
Ilntvrsuchung haben sieh über den Arkaden des Innern, an den oberen Wand- 
fliichen des lliittelsehißs, vermnuerte Gallerieen vorgefunden; auch ist durch ihn 
das Annssere der, in das Südliche Seitenschiif eingebauten Kapelle freigelegt und 
vollständig dargestellt worden. Ueber seine Nlittheilungen ist mein Bericht. 
Knnsiblatt vom 30. August 1842, der später folgen wird, zu vergleichen.)
        

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