Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489112
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Quedlinburg etc. 
Schlosskirche zu 
dass die Kirche, welche von der Aebtissin Mathilde mit so grosser Pracht 
erneut ward und für deren Vollendung der, bei so günstigen Verhältnissen 
nicht kurze Zeitraum von vier und zwanzig Jahren nöthig War, Ilißht aus 
Holz, sondern von Hausteinen müsse erbaut gewesen sein. Allerdings zwar 
kommen vielfach Nachrichten vor, dass man in jenen frühen Jahrhunder- 
ten die Kirchen aus Holz erbaut habe, doch fehlt es auch auf keine Weise 
an Zeugnissen für das Gegentheil. Für das elfte Jahrhundert sind diesel- 
ben schon in bedeutender Anzahl vorhanden 1), auch für das zehnte Jahr- 
hundert tinden sich deren mehrere von besondrer Bedeutung. Vornehm- 
lich wichtig ist es uns in dieser Rücksicht, zu wissen, dass auch der 
etwas jüngere erste Bau des Domes von_ Mainz (978--1009), zu dem die 
sächsischen Kaiser in einem ähnlich nahen Verhältnisse standen wie zu 
der Schlosskirche von Quedlinburg, von Stein (vermuthlich ebenfalls als 
Basilika, und mit ähnlich ausgedehnter Gruftkirche) aufgeführt worden 
war 2). So fehlt es auch nicht an Zeugnissen, dass man bereits im zehnten 
Jahrhundert begonnen habe, die Klöster mit steinernen Mauern zu um- 
geben 3), was denn natürlich auch auf eine ähnliche 'l'echnik bei ander- 
Weitigen wichtigen Bau-Unternehmungen schliessen lässt. Demzufolge darf 
es uns ebenfalls nicht befremden, ausser der Quedliuburger Schlosskirche 
noch einige andre Gebäude vorzufinden, welche um den Schluss des zehn- 
ten Jahrhunderts, oder vielleicht noch etwas früher, aus Stein errichtet 
worden sind. 
In gleicher Weise sind auch die Besonderheiten des Styles, welche 
uns an der Schlosskirehe von Quedlinburg, ähnlich auch an den anderen 
ältesten Gebäuden dieser Gegend (unter denen, wie bemerkt, die Gruft- 
kirche von St. Wiperti vorzüglich wichtig ist) entgegentreten, -jenes 
Gemisch aus Reminiscenzen antiker Kunst und eigenthümlichen, mehr oder 
minder barbarischen Formen, ganz dem Charakter angemessen, welchen 
die geistige Bildung des zehnten Jahrhunderts trägt. Vornehmlich gilt dies 
von dem Style der Malerei und Sculptur, welcher in dieser Periode, trotz 
mannigfach bedeutender Entartung, noch immer die überlieferte Darstel- 
lungsweise des klassischen Alterthums erkennen lässt. Zeugnisse für diese 
Erscheinung sind schon anderweitig bereits in genügender Anzahl aufge- 
1) Vergl. z. BUWetter a. a. 0., S. 160, Anm. E. 
2) Ebendas. S. 3 B. 
3) In diesem Betracht ist vornehmlich eine Stelle aus jener, bereits oben 
erwähnten Handschrift der Bibliothek von Wolfenbüttel (mss. Guelpherbyt. 76, 
 welche die Wunder des h, Wigpertus enthält, anzuführexl. In einer darin 
vorkommenden Erzählung: "De ruina cuiusdam supra murum sedeutis  heisst 
es nämlich p. 3B, b. folgendermaassen: „Nuper dirae calamitatis üagello super 
nos paganis concesso regali consensu regaliumqne principum dentis  decreto 
sancitum est et iussum, honestornm viroruln feminarumque conventiculis loca 
privata munitionibus ürmis murisque circumdari. Quod ut et apud nos ita iieret 
ex (rmni abbatia familia convocata labori cotidiano huic operi instabat perageudo 
factumque est, ut propere quodam in loco et absquenorma confuse parius con- 
structus usque ad deünitam consurgeret summitatem. Ounctis itaqne recedexrti- 
bus subito prolapsu dissolutus est murus uno tantum adhuc desuper remanente, 
quem secum ruitura moles vasto impetu detraxit atque fossae XII pessibus (am 
Rande ist pedibus verbessert) a muro distante iniecit." (S. Waitz zu der Stelle 
bei Pertz M. G. VI. p. 225.)
        

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