Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489089
Anhang. 
Kirchen. 
Benachbarte 
589 
Zunächst ergiebt es sich, dass der westlichste Theil des Schiffes in die 
zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gehört, und auch das bei ihm 
angewandte System stimmt eben so mit jener noch strengen Ausbildung 
überein, welche der gothische Styl an den Gebäuden dieser Periode, deren 
Gründungszeit bestimmt ist, erkennen lässt. Die übrigen Theile des Domes 
endlich, welche den Charakter eines nicht mehr vollkommen reinen gothi- 
schon Styles tragen (wie letzterer im vierzehnten Jahrhundert, namentlich 
auch am Chor der Quedlinburger Schlosskirche, erscheint), gehören sonach 
der letzten Bauperiode an, was denn auch für den Chor durch die Urkun- 
den vollkommen bestätigt wird. 
Hiedurch gewinnen wir für den Uebergang aus dem byzantinischen in 
den gothischen Styl, in Rücksicht auf denjenigen Kreis, auf welchen sich 
unsre Untersuchung beschränkt, zunächst einen festen Fuss. Weiter rück- 
wärts begegnet uns sodann zuerst die Kirche der Conradsburg, deren Bau- 
zeit, bei ihrem nahen Verhältniss zu den ältesten Theilen des Halber- 
städter Domes, obgleich noch von aller fremdartigen Einmischung frei, auf 
die Periode um das Jahr 1200 bestimmt werden darf, eine Periode, die 
überall in Deutschland die zierlichste Ausbildung desbyzantinischen Styles 
darlegt. 
Wiederum etwas älter als diese erscheint der Umbau der Drübecker 
Kirche, dessen Zeit wir sonach ungefähr auf die Periode um 1170  eben- 
galls. dem allgemeinen Style dieser Zeit vollkommen angemessen  tixjl-en 
ür en. ' 
Von dem Umbau dieser Kirche bis zu der Zeit ihrer ursprünglichen 
Anlage aber haben wir, in Rücksicht auf die angegebenen und wohl zu 
beachtenden Verhältnisse, einen bedeutenden Sprung rückwärts zu machen 
den wir, wie bemerkt, kaum durch eine kürzere Zeit als den Baum vori 
etwa hundert Jahren hindurchführen können. Wir werden hiedilygh in 
der That genöthigt, die zweite Hälfte des elften Jahrhunderts als die Pe- 
riode anzunehmen, in welcher die in Rede stehende Kirche, und somit 
auch die der Huyseburg, erbaut ist. Ungefähr gleichzeitig mit dem Bau 
dieser Kirßhe" erscheinen, Wie angegeben, auch die Einbauten in den Kir- 
chen von Gernrode und Wester-Gröningen: die auf diesen vorhandenen 
alten Sculpturen, welche dem Style der bildenden Kunst urn das Ende des 
elften Jahrhunderts entsprechen, stimmen nicht minder für dieselbe Periode 
Auch die Kirche von Frose gehört sonach ungefähr in diese Zeit.    
Hiemit aber sind wir bis zu jener Periode vorgerückt, in weleher de; 
Brand der Quedlinburger Schlosskirche und der angebliche Neubau dersel- 
ben (1070-1129) erfolgt ist. Der einfache Vergleich dieses Gebäudes, in 
den wesentlichen Theilen seiner vorhandenen Anlage, mit den eben be- 
sprochenen aber zeigt uns eine so bedeutende Styl-Verschiedenheit, dass 
hier von einer gleichzeitigen Bau-Periode nicht die Rede sein kann. Ebenso 
nöthigt uns der Einbau in der Kirche von Wester-Gröningen, welche lerz- 
tere der Schlosskirche von Quedlinburg wesentlich gleichzustellen ist eine 
Zeit der Gründung anzunehmen, welche einem solchen, die alte Anlage so 
sehr beeinträchtigenden Einbau bereits fern steht. Auch hier werde]? wir 
somit genöthigt, 8111911 neuen Sprung in die Vergangenheit zurück zu un- 
ternehmen, und wir können demnach für die Erbauungszeit der Schloss- 
kirche von Quedlinburg keine andere, als die früher besprochene Bau- 
Periode von 999-1021 mit Ueberzeugung annehmen. Diese Annahme be_ 
stätigt nun vollkommen die bereits oben (S. 579) angeführten Umstände
        

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