Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489062
Anhang. 
Benachbarte Kirchen. 
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burg, einem der reizvollsten Denkmale deutscher Baukunst. Dieselbe ist 
somit wiederum jünger als der eben besprochene Neubau. 
6) Verwandt mit der Formation der an der Kirche der Conradsburg 
vorkommenden Gliederungen ist der Unterbau der Thürme (und was hiezu 
gehört, namentlich das Portal) am Dome zu Halberstadt 1). Im Uebrigen 
aber tritt hier zu den Motiven des byzantinischen Styles bereits ein frcm- 
des Element, welches in den Hauptformen vorherrscht, hinzu: der Spitz- 
bogen und die durch denselben motivirten Anordnungen. Auch die Säulen- 
kapitäle haben hier nicht mehr byzantinische Grundform, sondern eine, 
dem ileuen Style mehr angemessene, ja die Mehrzahl derselben ist bereits 
vollständig in derjenigen Form gebildet, welche die frühesten Gebäude des 
Spitzbogenstyles (des gothischen) charakterisirt. Wir haben hier einen 
bedeutsamen und an sich allerdings eigenthümlich anmuthigen Ueberrest 
des sogenannten Uebcrgangs-Styles vor uns, der somit wiederum später sein 
muss als der Bau der Conradsburger Kirche, in welcher noch nichts von 
dessen Motiven sichtbar wird. 
7) Im entwickelt gothischen Baustyl tritt uns sodann zuerst der west- 
lichste Theil des Schiffes des Halberstädter Domes (jenem Thurmbau zu- 
nächst) entgegen, nemlich die Reihen der drei westlichen Pfeiler, Strebe- 
pfeiler und der zwischen ihnen befindlichen Fenster. Doch zeigt dies Alles 
den gothischen Baustyl noch in seiner früheren Einfachheit und Schlicht- 
heit, wenigstens noch ohne Ueberladung von mannigfach buntem Schmuck 
und ohne alle willkürlich geschweiften und gewundenen Formen. Die 
Stabverzierung der Fenster ist namentlich noch vollkommen in jener schönen, 
gesetzmässig organischen Weise gebildet, welche die Fenster des Kölner 
Domes (gegründet im Jahr 1248) zeigen. 
8) Die übrigen Theile des Halberstädter Domes lassen dagegen eine 
ungleich spätere Entwickelung des gothischcn Baustylcs erkennen. Die 
Strebepfciler sind reicher, aber zugleich auch willkürlicher gebildet; in den 
Fenstern hört jene einfach bedeutsamcre Formation auf und macht einer 
minder strengen, im Einzelnen  trotz der bunten Mannigfaltigkeit  
nicht mehr wahrhaft schönen Stabverzierung Platz; die Gewölbrippen be- 
wegen sich, die gesetzmässigc Kreuzform grossen Theils verlassend, ebene 
falls in willkürlich zusammengesetzten Linien u. dergl. m.  Eine ähnlich 
willkürliche, wenngleich in der übrigen Ausführung nüchterne und zier- 
lose, Stabverzierung bemerkten wir endlich an demd einen vollständig 
erhaltenen Fenster des Chores der Qnedlinburger Schlosskirehe, dessen 
Ausführung nicht bloss durch literarische Zeugnisse, sondern auch durch 
jene, am Untertheil des Gebäudes befindliche, vollkommen unverdächtige 
Inschrift auf das Jahr 1320 bestimmt wird. 
Gehen wir nunmehr von dieser letzteren Bestimmung den Weg, den 
wir eben durchlaufen haben, wiederum rückwärts und suchen wir so die 
Zeitpunkte, in welchen das Einzelne ausgeführt sein dürfte, soweit es 
thunlich ist, näher zu bestimmen. Zunächst betrachten wir in dieser Rück- 
sicht den Dom von Halberstadt. 
Durch urkundliche Zeugnisse 2) wissen wir, dass das früher vorhandene 
1) Vergl. das Werk von Dr. F.  H. Lueanus: Per Dom zu Halberstadt, 
seine Geschichte, Architektur, Alterthümer _und Kunstschatze etc. Halben-Stadt 1837. 
2) wir folgen hier vernehmlich flen m den? ebengenennten Werke von Lu- 
ßanus gesammelten historischen Notzzen, obgleleh WII mlt dem geschätzten Vek.
        

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