Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489059
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xhlosskirche 
810. 
Quedlinburg 
auf diese spätere Entwieklungsperiode. Nimmt man auf die unten erwähnte 
Aehnlichkeit einiger ihrer Formen mit den alten Resten des Kreuzganges 
auf der Huyseburg Rücksicht, so dürfte sie etwa mit diesen gleichzeitig 
und somit vielleicht etwas jünger als die dortige Kirche sein. 
Ungefähr in die in Rede stehende Periode gehört aber auch noch der 
in die Kirche von Wester-Gröningen eingefügte westliche Einbau, welcher 
in den Formen seines Ornamentes gewissen, in der Kirche der Hilyseburg 
vorkommenden eigenthümlichen Formen entspricht.  Ebenso dürfte, seiner 
besonderen Beschaffenheit nach, der im südlichen Seitenschiif der Kirche 
von Gernrode befindliche Einbau ungefähr als gleich alt anzunehmen sein. 
(Die an beiden Einbauten vorhandenen Sculpturen, die ebenfalls für die- 
selbe Zeitbestimmiung wichtig sind, können erst später in Betracht kommen.) 
 Auch der Zitter der Schlosskirche von Quedlinburg, der in den Deck- 
gesimsen seiner Kapitale von den übrigen Gliederungen dieser Kirche ab- 
weicht und denen der Huyseburg vollkommen entspricht, ist mit der letzteren 
als ungefähr gleichzeitig anzunehmen. 
Indem wir nun die an den Kirchen der Huyseburg und Drübeeks her- 
vortretende bedeutsamere Entfaltung des Basilikeirbaires in Betracht ziehen, 
indem wir sodann auf die Art und Weise Rücksicht nehmen, wie nament- 
lich der Einbau in der Kirche von Wester-Gröningen, die ältere, ursprüng- 
lich grossartige Einrichtung des westlichen Theiles derselben verdunkelnd, 
eingefügt ist, so werden wir genügend berechtigt sein, einen beträchtlichen 
Zeitraum zwischen jener früheren Bauperiode der Kirchen von Quedlin- 
burg und Wester-Gröningen, und der in Rede stehenden anzunehmen; 
Wir können auf keine Weise irren, wenn wir diese gesammten wesentlichen 
Veränderungen, die überdies in sich einen deutlichen Zusammenhang haben, 
um einen Zeitraum von ungefähr 70 Jahren später ansetzen, als jene augen- 
scheinlich älteren Bauwerke. 
4) Bei den eben genannten Gebäuden und Bautheilen finden sich aber 
die speziellen Formen des sogenannten byzantinischen Baustyles. nament_ 
lieh des dabei angewandten Ornamentes, nur im einzelnen Fall oder 
wenigstens noch ganz unausgebildet; im Allgemeinen herrscht auch hier 
noch ein Nachklang antiker Formcnbild ung vor, wie er namentlich in der 
Unterkirche zu Quedlinburg sichtbar wird, zugleich findet sich mehrfach 
auch noch an den Ornamenten dieselbe Weise der einfachsten Sculptur. 
Ganz im Gegensatz gegen alles dies erscheint uns dagegen der in der Kirche 
von Drübeck angeordnete Umbau, welcher vollkommen bereits das Ge- 
präge des entwickelten byzantinischen Styles trägt, und alle Erinnerung an 
die Motive des früheren Styles auslöscht. Die überraschend durchgreifende 
Weise, wie dieser Umbau unternommen wurde (vergl. unten die Beschrei- 
bung dieser Kirche), lässt wiederum auf einen bedeutenden Zeitabstand 
schliessen und wir werden denselben in diesem Falle gewiss auf einen 
Raum von ungefähr oder beinahe 100 Jahren ausdehnen müssen. 
5) Doch zeigt dieser Umbau, trotz seines augenscheinlichen Reichthums, 
den byzantinischen Styl (vornehmlich in den Ornamenten) noch immer in 
derselben manierirten Weise, wie er insgemein an den bekannten Gebäuden 
dieses Styles gefunden wird. In einer ungleich schöneren, zarteren und 
geschmackvolleren Entfaltung , in einer vollkommen künstlerischen Durch- 
bildung des Details und der Ornamente,  zugleich aber auch noch von 
allem späteren Einfluss frei,  erscheint derselbe an der Kirche derC o nra ds-
        

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