Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489018
582 
Schlosskirche zu 
Quedlinburg etc. 
1705 am 27ten November vom Blitze getroffen und stärker beschädigt; im 
äahr" 1706 wurde er schon wieder hergestellt und bekam damals seine jetzige 
estaltl). 
Bald darauf machte die südliche Mauer der Kirche einen bedeutenderen 
Bau nothwendig, welcher im Jahr 1708 unter der Zwischenregierung der 
Gräfin Aurora von Königsmark ausgeführt wurde. Zugleich begann sie 
jenes Gewölbe, 6 Ellen breit, 6 Ellen hoch und 30 Ellen lang zu bauen, 
welches jetzt die Fürstengruftgenanntwird. (S. oben, S. 554 Anm. 1.) Beim 
Aufgraben desselben sticss man auf zwei kupfcrne Särge 2). 
Dies sind die wichtigsten Schicksale der zu Quedlinburg von Heinrich l. 
und Mathilde aus Frömmigkeit und Dankbarkeit gegen Gott gestifteten 
Kirche. So ist sie durch neun Jahrhunderte hindurchgegangen, einst ein 
Lieblingsaufenthalt deutscher Könige, die dem deutschen Namen ewige 
Ehre gebracht haben, und mit dem Schönsten geschmückt, was sie besassen, 
jetzt einer evangelischen Gemeinde Gotteshaus, und so noch immer, der 
ersten Bestimmung gemäss, ein Ort christlicher Weihe 3). 
Doch sind noch mehrere Gegenstände der Erwähnung werth, welche 
das Innere der Kirche betretfen. Glocken besass bereits, wenn wir den 
vorhandenen Andeutungen trauen dürfen, die älteste Kirche zur Zeit der 
Königin Mathildet). Erst unter Anna von Planen in der ersten Hälfte des 
14ten Jahrhunderts wurde die sogenannte grosse Glocke gegossen. Im 
Jahr 1705 üel sie bei dem erwähnten grossen Thurmbrande herunter und 
zersprang; auch sie wurde im Jahr 1706 wieder hergestellt; neben ihr gab 
es noch zwei anderes). 
Altäre waren in immer anwachsender Menge vorhanden. Ursprünglich 
gab es nur einen, den Hochaltar; im Jahr 1021 wurden fünf Altäre im 
neuen Münster geweiht; aber am Ende der katholischen Zeit zählte man 
ihrer, die Kapellen mit eingeschlossen, zwei und zwanzigü). Mit Reliquien, 
und schönen Behältnissen für dieselben, kostbaren Teppichen, goldenen und 
silbernen Crucifixen wurden die Altäre geschmückt. Was Anfangs in dieser 
Rücksicht geschehen ist, ist weniger bekannt. Ein altes Evange1istarium7) 
scheint ein Verzeichniss dessen zu enthalten, was um das J. 1000 vorhan- 
den war, und nennt u. a. 8 Kreuze von Bernstein, 5 von Gold, 6 von Silber, 
12 mit Edelsteinen geschmückte Flakons, ein silbernes zum Theil ver- 
1) Fritseh, Gesch. von Qnedl. II, S. 219. Gemeinnütziges Wochenblatt zu 
Quedl. Jahrg. 1835. 
2) Chronik, im Besitz der Frau Räthin Fügemann. S. 501. 
3] [In der neuesten Zeit ist durch den Brand der Probstei die Kirche dem 
Blicke zugänglicher geworden und gewährt jetzt, noch mehr als zuvor, von allen 
Seiten dem Beschauenden eine grossartige Ansicht. 1853.] 
4] vpraecipite" sagt Mathilde im Leben des Ungenannten, bei Erath p. 943 
nsigna ecclesiae pulsari et pauperes congregari." 
5] Fritsch, II, S. 219.  
6) So das Calendarium S. Servatii, dessen wir oben gedacht haben. 
7) S. unten die Beschreibung der Alterthürner. Das Verzeichniss steht am 
Ende des Evangelisten Lukas.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.