Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1489006
Geschichte der Schlosskirche. 
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nöthig. Da aber die Einkünfte der Abtei, wie bei allen ähnlichen Stiftungen 
im Mittelalter geschehen ist, durch verschiedene Umstände allmählich im- 
mer tiefer sanken, von den Kaisern aber keine weiteren Schenkungen ge- 
macht zu werden pflegten, sah man sich_0ft gezwungen, zu llldlllgenzen 
und auch zu Verkäufen zu schreiten. Die Indulgenzen oder Ablassver- 
kündigungen fangen im 13ten Jahrhundert an überhand zu nehmen, um den 
Besuch des Münsters und seiner Altäre an den hier gefeierten Festen zu 
fördern, und die für die Kirche nothwendigen Summen durch die Einnahmen 
zu bestreiten, welche bei solchen Besuchen dem Stifte zu Gute kamen. 
Bald sind es die Feste der Weihung des Münsters, bald die der Patrone 
des Stifts, bald die einzelnen Altäre, mit welchen sich nach und nach die 
Kirche füllte, für deren Besuch der Papst oder einzelne Erzbischöfe und 
Bischöfe einen Ablass auf 40 oder mehrere Tage ausschrieben. Gleiche 
Belohnung wird allen denen zugesichert, welche irgend etwas nicht nur zur 
Erbauung, sondern auch zur Ausstattung von Altären beitragen, sei es zu 
WVachslichtern, zu Altarbedeckungen, sei es zu anderem kirchlichen Be- 
dürfniss. Dic darüber ausgestellten Urkunden , deren eine ziemliche An- 
zahl vorhanden ist, würden eine noch ergiebigere Quelle wichtiger Notizen 
für uns sein, wenn nicht oft die Ausdrücke, in denen sie abgefasst sind, 
allzu zweideutig und dunkel wären. Wenn wir z. B. im Jahr 1346 in den 
Urkunden zugleich eine Ablassverkündigung des Erzbischofs Otto von 
Magdeburg und einen Güterverkauf der Aebtissin Jutte 1) finden, weil, wie 
sie bestimmt sagt, das Münster den Einsturz drohe und die Einkünfte der 
Abtei zur Wiederherstellung desselben nicht hinreichten: so ist man dar- 
über in Ungewissheit, ob unter dem Münster hier die Kirche oder die 
sonstigen Klostergcbäude zu verstehen sind. Dass an der Kirche in jener 
Zeit gebaut worden ist, haben wir schon angegeben; dass aber auch an 
dem Kloster gebaut werden musste, lässt eine Inschrift vermuthen, welche 
rechts an dem Eingangsthore unter dem Stiitswappen steht und zwar zum 
Theil verwittert ist, aber doch die Zahl 1400 deutlich enthält. Auch aus 
dieser Zeit haben Chronisten die an sich unbestimmte, durch diese Inschrift 
aber verständliche Nachricht, dass die Aebtissin Ermgard von Kirchberg 
einen Theil des Münsters wieder bauen liess 2). Diese starb aber im Jahr 
1405. Auch Anna von Planen, von 1435 bis 1457, setzte den Bau des 
Klosters fort. 
Im Jahr 1511 drohte dem Kirchengebäude eine grössere Gefahr, indem 
im Kirchenstuhl der Aebtissin Hedwig ein Brand ausbrach, welcher aber 
durch schleunige I-lülfe schnell gelößCht, den Gebäuden selbst keinen Scha- 
den zugefügt hat. Nur einige stiftische Urkunden sind bei dieser Gelegen-- 
heit durch das Feuer vernichtet worden 3). 
Ein ähnliches Unglück geschah im Jahr 1567, als am 12ten März ein 
Blitz den Thurm traf und anzündete. Auch im Jahr 1678 wird von einer 
Ausbesserung desselben berichtet. Noch einmal wurde der Thurm im Jahr 
1  
) S, Erath p. 471. n. 260 u. 262. "cum monasterium nost d  
propinquum et nreeuperabilem dispositum videremus." Ganz 5111311 Z0 räglam 
aber schon früher mcht selten, z. B. bei der Aebtissin Agnes die auch Manch: 
f" d B de m t     ' 
z) Winnigstädt bei Abel S. 505. 
3) Winnigstädt bei Abel S. 510.
        

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