Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488981
Geschichte 
der Schlosskirche. 
579" 
wärtigen Beschaffenheit, dasselbe Gebäude ist, welches in der Periode von 
997-1021 aufgeführt wurde, so dürfen wir diese Angaben auch vielleicht 
mit der roheren Erscheinung der Säulen im Schiff der Oberkirche in Ver- 
bindung setzen. Denn wenn diese einige Zeit früher, als die der Unter- 
kirche, gefertigt wurden, so 1st es leicht denkbar, dass bei, den letzteren 
schon mehr geübte Künstler angewandt werden konnten. (Dies Verhältniss 
ist iudess nicht so sehr für die Verschiedenheit des Ornamentes in den 
Kapitälen, als für die mehr entscheidenden Unterschiede der Formation der 
Säulenbasen in Anspruch zu nehmen.) Die im J. 1021 angeführte Ein- 
weihung durfte sich somit vorzugsweise auf einen Umbau der älteren Kirche, 
d. h. auf die Unterkirche in ihrer gegenwärtigen Gestalt  sammt dem 
Oberbau, welcher ihrem Style vor der Ausführung des gothischen Chores 
entsprechend gewesen sein muss,  somit auf die Vollendung des ge- 
sammten Neubaues beziehen.  
Im J. 1070 wurde das neue Kirchengebäude durch einen grossen Brand 
verdorben. Es ist schon oben beklagt worden, dass die Nachricht, welche 
wir über dieses Unglück besitzen, nur in allgemeinen Ausdrücken abgefasst 
ist; es ist möglich oder vielmehr wahrscheinlich,  vorausgesetzt, dass 
der in Rede stehende Bau massiv aufgeführt war (vergl. unten),  dass 
nur das Holzwerk verbrannt und das Mauerwerk nicht eben in dem Maassc 
zerstört worden war, dass sofort ein zweiter vollständiger Neubau eintreten 
musste. Auch wissen wir, dass beträchtliche Zeit vor der folgenden Ein- 
weihung im J. 1129, bereits im J. 1105, Kaiser Lothar das Osterfest in 
Quedlinburg zu feiern im Stande war  so dass es doch nicht gänzlich an 
den kirchlichen Einrichtungen fehlen konnte. Halten wir hiemit nun die 
Zeugnisse zusammen, welche uns an dem Gebäude selbst eine im früheren 
Mittelalter vorgenommene Restauration desselben erkennen lassen, so dür- 
fen wir leicht geneigt sein, diese mit den durch jenen Brand etwa hervor- 
gebrachten Beschädigungen zusammenzustellen. Wir sahen in der Unter- 
kirche einen Pfeilerbau eingefügt, welcher im angewandten Material, wie 
in der Technik, die Spuren einer grossen Eilfertigkeit trägt; vielleicht war 
die Unterkirche bis auf diese Stelle in der Durchschncidung des Kreuzes, 
wo herabgestürztes Gebälk die Gewölbe durchbrochen haben mag, unbe- 
schädigt geblieben und man beeilte sich nun, sie zunächst für die einst- 
weilige Ausübung der gottesdienstlichen Gebräuche, so gut es ging, wieder- 
herzustellen. Dann ist es, soweit wir aus den vorhandenen alten Theilen 
der Kirche schliessen können, vornehmlich die nördliche Seite der Kirche 
(die Wand des nördlichen Seitenschiifes und die Nische des nördlichen 
Kreuztlügels), welche die Spuren bedeutender Restaurationen zeigt; und 
auch hier, wo die Stiftsgebäude der Kirche zunächst standen, während die 
südliche Seite der letzteren sich unmittelbar über dem Felsabhango erhebt, 
liegt es nahe, eine grössere Beschädigung durch Feuersgefahr vorauszusetzen. 
Vielleichtgehört in diese Zeit auch das in seinem Aeusseren so schmuck- 
lose Thurmgebäude; sehr wahrscheinlich ferner (wie sich aus den Eigen- 
thümlichkeiten ihres Styles ergiebt und später bestätigt werden wird) die 
im nördlichen Kreuzflügel eingebaute und von dem Gewölbe der Gruftkirche 
getragene Kapelle des Zitters.  
Das Dachwerk der Kirche musste natürlich, nie schon bemerkt, durch 
Saxo 
1105. 
VergL 
Erath, 
dipl. 
Cod. 
Quedl. 
112: 
113.
        

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