Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488835
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Schlosskirche zu 
Quedlinburg etc. 
ihrem Ursprungs nach in ein höheres Alter hinaufreicht, als jede andere 
Kirche Quedlinburgs, wenn auch die Zeit ihrer Stiftung und Einweihung 
nicht angegeben werden kann, und zweitens, dass auch der Ort Quedlinburg 
selbst, wiewohl er vor Heinriclüs Zeit nicht erwähnt wird, doch ebenfalls 
nicht erst damals und etwa durch Heinrich gegründet werden, sondern 
älteren Ursprungs ist. Dafür spricht auch die Entdeckung eines heidnischen 
Begräbnissplatzes in der Nähe der Stadt, welcher von ziemlicher Ausdeh- 
nung ist und das frühe Vorhandensein einer bedeutendcren Ortschaft an 
jener Stelle beweistl). Auch pflegen überhaupt die Pfalzen jener Zeit, 
denen Quedlinburg überall beigezählt wird, sämmtlich einer ältern Periode 
anzugehören z). 
Aber die Identität der jetzigen Wipertikirche mit jener ältesten Kirche 
Quedlinburgs leitet uns noch bei einer andern, nicht minder wichtigen 
Untersuchung auf den rechten Weg. Dass die Königliche Pfalz Quedlin- 
burg unten im Thale, in der Nähe des jetzigen Schlossberges gelegen hat, 
ist unzweifelhaft, und lässt sich aus einer Menge Stellen mit Ueberzeugung 
darthunf). Ist nun die Wipertikirche, wie aus der angegebenen Urkunde 
vom Jahr 961 mit Sicherheit folgt, die Kirche der Pfalz gewesen, so muss 
diese nothwendig um die Wipertikirche her gelegen haben. So lag denn 
eben so, wie die Pfalzen Wallhausen, Memleben, Tilleda, Allstädt und 
andere, welche dem König Heinrich gehörten, auch die Pfalz Quedlinburg 
im Thale, und war durch das unbedeutende Flüsschen und durch den Wald 
und die Felsenberge, die sie umgeben, nur wenig gesichert. Darum sah 
sich Heinrich genöthigt, diesem Orte einen grösseren Schutz zu gewähren. 
Er that es aber auf keine andere Weise, als so, dass er den anstossenden, 
sich von Westen nach Osten hin erstreckenden Berg befestigte, und darauf 
eine Burg (urbs) anlegte. Dahin konnten sich in Fällen der Noth die Be- 
wohner des Ortes flüchten; dies reichte aus, ihre Habseligkeiten aufzuneh- 
men, Frauen und Kindern einen schützenden Aufenthaltsort darzubieteu 
und dieRäubereien der Feinde zu hindern; darauf passt auch die bekannte 
Erzählung Wittekinds vollkommen. Wenn daher Ditmar von Merseburg, 
der sich selbst eine Zeitlang in Quedlinburg aufgehalten hatte, und sich 
an Ort und Stelle unterrichten konnte, behauptet, dass Heinrich es von 
Grund aus erbaut habe 4), so ist dies nicht von der Pfalz, wie wir gesehen 
haben, sondern blos von der Burg zu verstehen, die ja in dem Sinne der 
Zeit, da es in Sachsen noch nichts Anderes gab, die Stelle der späteren 
Stadt vertrat. Der Felsenberg war bis dahin ganz unbebaut gewesen; 
Alles was hier geschah, war das Werk Heinrich des Ersten. 
Wann Heinrich angefangen habe, den Berg zur Festung zu machen, 
kann man nicht ganz genau bestimmen. Liesse es sich überzeugend nach- 
weisen, dass Quedlinburg ursprünglich Quidlingen geheissen habe (wie die 
1) Fritsch, Gesch. von Quedl. I, S. 1. Klopstoclßs Ehrengedächtniss 
S. 1. Selbst der Name Quitilingaburg, den wohl Niemand, mit der Sage, vom 
Hündchen Quedel herleiten wird, deutet auf höheres Alter. 
2) S. Wilhelm, Gesch. des Klosters Memleben in Thüringen, lste Abth. 
Naumburg 1827, S. 9. 
3) S. Chron. Quedlinb. ad a. 999 u. 1000. Chronogr. Saxo zum Jahr 968. 
(I, 1:)  Quedlinburg, quam ipse a fundamento exstruxit" bei Leibn. I, p. 328.
        

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