Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488812
562 
Schlosskirche 
6150. 
Quedlinburg 
Geschichte 
der 
Schlosskirche 
zu 
Quedlinburg. 
Die Gründung der Schlosskirche zu Quedlinburg steht mit dem Ursprung 
der Stadt selbst und dem Leben des Königs Heinrich des Ersten in dem 
engsten Zusammenhange und kann daher nicht ohne Rücksicht auf Beides 
besprochen werden. 
Sachsen und Thüringen, Heinrich's Erbländer, hatten zur Zeit des Re- 
gierungs-Antrittes des Königs meist offene Orte, welche bei Einfällen feind- 
licher Horden dem Ueberfall und der Verwüstung ohne Schutz und Schirm 
Preis gegeben waren. Da nun gerade in jener Zeit ausser den Slaven 
und Normannen auch die Ungarn ihre furchtbaren, Alles verheerenden 
Raubzüge über Deutschland und Sachsen ausgedehnt hatten: so wuchs die 
Nothwendigkeit, das Land im Innern auf alle nur mögliche Weise wider 
diese Feinde zu sichern. Es wird zu Heinrichs Hauptverdiensten gerech- 
net, dass er diese Pflicht erkannte und dafür leistete, was in seinen Kräften 
stand; und zwar nennt man Quedlinburg gewöhnlich zuerst1), wenn man 
Beispiele für diese Thätigkeit des Königs anführen will. Was aber Heinrich 
eigentlich gethan, 0b er Städte im heutigen Sinne gegründet, oder nur 
Festungen zum Schutze seiner Unterthanen angelegt habe, ist zwar noch 
immer nicht allem Zweifel entnommen, aber doch in neuerer Zeit mit 
besserem Erfolge erforscht worden, als zuvor. Wie es sich mit Quedlin- 
burg verhalte, davon wird sich ein ziemlich deutliches Bild entwerfen 
lassen. 
An einem vom Hauptstrom künstlich abgeleiteten Bodearme unmittel- 
bar vor der jetzigen Stadt Quedlinburg liegen die merkwürdigen Ueberreste 
des Wipertiklosters mit einer zu denselben gehörigen, dem heil. Wigper- 
tus und dem Apostel Jacobus geweihten alten Kirche. In einer Urkunde 
Otto's des Grossen vom Jahr 961 wird aber dieselbe Kirche noch nicht als 
Klosterkirche, sondern als Kirche der Pfalz Quidlingen (curtis Quidilinga) 
bezeichnet und mit der Pfalz zusammen an das auf dem anstossenden Berge 
erbaute Stift geschenktz). Ueber diese Kirche giebt es eine alte, noch in 
der neuesten Zeit als unzweifelhaft wiederholte 3), aber schon längst be- 
kämpfte Nachrichti), sie sei im Jahr 841 oder 849 vom Bischof Haimo zu 
Halberstadt gegründet worden, und das mit ihr schon damals verbundene 
Kloster habe einst dem berühmten Hrabanus Maurus nach seiner Entfer- 
nung vom Kloster zu Fulda eine Zeitlang als Aufenthaltsort gedient. Allein 
i) S. L. R anke, Jahr-b. des deutschen Reichs, Dr. Waitz, Heinrich I., 
S. 75, vergl. S. 148 folgd.  
2) S. Eyrath cod. dipl. Quedl. p. 11. ncortem scilicet Quitilinga cum eccle- 
sia etc." Erst im Jahre 964 bekamen die dortigen Geistlichen das Recht, sich 
einen Abt zu wählen. S. Erath p. 12. 
3) Fritsch, Gesch. v. Quedl. I. S. 32 u. 287. Abel, Halberst. Chron. 
S. 67. Kettner, Kirchengesch. v. Quedl. S. 114. Voigt, Gesch. v. Quedl. I. 
SS. 280. Limmer Osterland S. 24. (1834) 
4) S. Erath, cod. dipl. -Quedl. p. 957. F. Ranke, über den Ursprung 
Qllßülillbllrää, Gymnasialprogramm v. J. 1833, S. 5.
        

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