Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488805
Aeussero der Schlosskirche. 
Das 
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statt des attischen Basarnents nur ein roh abgeschrägtes Fussgesims; auch 
hat sie unterwärts ein kleines Fenster, "Vährßnd an def Südlichen Nische 
ein grösseres (nachmals vermauertes) Fenster das Licht in die Unterkirche 
zu führen bestimmt war. Der ganze Bau dieser nördlichen Nische trägt 
indess noch das Gepräge des byzantinischen Styles und diirfte mithin, wenn 
auch keinesweges der ursprünglichen Anlage, so doch wiederum elner alten 
Restauration derselben angehören. 
Endlich ist es nneh übrig, den Aussenbau des Chores selbst zu be- 
trachten. Derselbe zeigt gänzlich die Formen der späteren, gotlnschen 
Afßhilektllr, indem auch die Mauern der Unterkirche soweit verstärkt wor- 
den sind, (1395 die Grundlinien der älteren Anlage im Aeusseren nicht mehr 
sichtbar werden. Statt der ursprünglichen Rundung der Altarnische tritt 
hier der Chorschluss in drei Seiten (eines nicht regelmässigen Achtecks) her- 
vor, an deren Ecken starke Strebepfeiler emporsteigen. Hohe spitzbogige 
Fenster werfen das Licht in die Oberkirche. Doch ist das gothische System 
hier fast von all jenem reicheren Schmucke entblösst, welcher demselbenin 
andern Fällen ein so bedeutsames Gepräge zu geben pflegt; es hat hlel" 
etwas Nüchternes, was freilich dadurch noch in bedeutendem Maasse er- 
höht wird, dass sämmtliche Fenster der Oberkirche, mit Ausnahme des nach- 
mals vermauerten in der Mitte des Chorschlusses, die Stabverzieruxrgen 
verloren haben, mit denen sie ursprünglich ohne Zweifel versehen waren. 
Aber auch die erhaltenen Stabverzierungen jenes Mittelfensters, namentlich 
die innerhalb des Spitzbogens befindlichen Füllungen, sind in einer Weise 
behandelt, welche nicht mehr dem elastischen Organismus entspricht, der 
diesen Theilen bei der schönsten Entwickelung des Styles insgemein eigen 
ist, sondern ebenfalls eine mehr nüchterne und willkührliche Conse- 
quenz, somit eine spätere Periode des gothischen Styles, erkennen lässt. 
Nur das _Portal, welches in die Unterkirche führt (Grundn,  zeichnet 
sich durch eine zierlichere Gliederung der Thürgewände und des Bo- 
geus 1), sowie durch eine geschmackvolle Umfassung des oberen Theiles 
aus und ist mithin an dieser Stelle allein geeignet, das gothische System 
in seiner anmuthigeren Form zu repräsentiren, obgleich es ebenfalls schon 
das Gepräge einer späteren Entwickelung trägt. Der letztere Umstand wird 
durch eine Inschrift bestätigt, welche sich auf einem Steine links über dem 
Portale befindet und die Aebtissin Jutta von Kranichfeld als die Erbauerin 
und das Jahr 1320. als die Zeit des Baues nennt i). 
 Wohl in Rücksicht auf jene feinere Gliederung wurde zu diesem Portale 
ein noch härterer Stein, als zu der Gesammt-Anlage des Baues, gewählt; es be- 
steht nemlich aus dem trefflichen Blankenburger Sandstein. 
2) Die Inschrift, deren Buchstaben durchaus den Charakter des vierzehnten 
Jahrhunderts tragen, lautet wörtlich so: "Anno domini MCCCMXX opibus JuttelAb- 
betisse de ] Kranekefeld l aediiicatum," Die Aebtissin Jutta regierte von 1309 bis 
1347; doch kann weder der Anfangspunkt noch der Endpunkt der Zeit, während 
welcher sie diese Würde bekleidete, mit Genauigkeit festgesetzt werden. S. Fritsc h, 
Gesch. v. Quedl. I, S. 139-173. 
Qäifb-f 
kugler, Kleine Schriften. 
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