Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488794
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Schlosskirche 
Quedlinburg 
Jahrhunderts die Aebtissin aus ihren Zimmern in ihren Kirchenstuhl begab. 
Das Kämpfergesims, welches den Halbkreisbogen des Portales trägt, gehört, 
dem Anscheine nach, noch der älteren Bau-Periode an (doch entspricht es 
mehr jenen Gesirnsen, die wir den frühesten, noch in diese Periode ge- 
hörigen Veränderungen der alten Anlage zuschreiben zu dürfen glaubten. 
namentlich den Deckgesimsen über den Säulenkapitälen des Zitters); die 
übrige Einfassung des Portales hat eine einfach ausgemeisselte Verzierung 
im Style des siebzehnten Jahrhunderts. 
Unter den Dächern des nördlichen Seitenschiffes und des Mittelschiffes 
zieht sich jener, so eben besprochene, ans einfachen Rundbögen zusammen- 
gesetzte Fries hin. Ueber diesen Rundbögen aber befindet sich hier noch 
ein schräg vorspringendes Gesims, welches, ähnlich wie die Gesimse im 
Inneren der Kirche, mit verschiedenen, fast koilanaglyphischcn Verzierungen 
von beträchtlich roher Arbeit verziert ist. Diese Verzierungen sind man- 
nigfacher, zum Theil seltsamer Art, indem sich darin, ohne scheinbar auf 
einen tieferen Inhalt auszugehen, die Spiele einer noch ungeregelten Phan- 
tasie kund geben. Bald ist es ein breites Blattwerk, welches auf eigen- 
thümliche Weise mit einer der antiken Triglyphe nachgeahmten Verzierung 
  Verbünden ist, bald andre Ranken- oder 
  EFFE-v-i Bandverschlingungen,baldThiere:Löwen, 
I:   " du Drachen, Krokodille, Schafe u. s. w. Diese 
äx  , Q ß Verzierungen folgen ohne sonderliche Ord- 
  c   ' nung und ohne Zusammenhang aufeinan- 
DQSXJ der; auch lag es nicht in der ursprüng- 
    liehen Absicht, dergleichen hcrvorzubrin- 
gen, da man u. a. auf einem einzelnen Steine zwei verschiedene Ornamente 
der Art ohne Zusammenhang nebeneinander ausgemeisselt sieht.  An der 
Wand des südlichen Seitenschiffes fehlen Friese der Art, da diese Wand, 
wie bereits bemerkt, neueren Ursprungs ist. 
Die Fenster des Mittelschiffes zeigen im Aeussern dieselbe Einrahmung, 
welche sie auch im Innern ursprünglich hatten, welche dort jedoch, wie 
bemerkt, meist verdorben werden ist. Die Säulchcn, welche hier in die 
vertieften Ecken eingelassen sind, tragen theils Vo1uten-, theils Blätter- 
kapitale. 
Der Thurm und die Westwand der Kirche sind ohne besondere Ver- 
zierung. Der Obertheil des Thurmes giebt sich als ein neueres Werk zu 
erkennen, und die Schalllöcher desselben sind mit modern dorischen Säul- 
chen geschmückt.  1  
Wenden wir uns nunmehr noch einmal zu dem Kreuz der Kirche zu- 
rück, so sind hier noch die beiden, an den Kreuzflügeln herausgebauten 
Altarnischen zu betrachten. Die auf der Südseite hat ein attisches Basa- 
ment und zur Linken der Fenster (von Unter- und Oberkirche) eine empor- 
lanfende Halbsäule (x, auf beiden Grundrissen), um die sich das genannte 
Basament herumzieht. Ohne Zweifel entsprach dieser Halbsäule eine zweite 
auf der rechten Seite der Fenster, welche aber durch den, bei einer spä" 
teren Restauration des Gebäudes (vielleicht erst bei dem gothischen Umbau 
des Chores) nöthig gewordenen starken Strebepfeiler (y) vernichtet werden 
ist. Bei dieser Restauration dürfte auch das Dachgesims der Nische, auf 
dessen einst reiche Form das Vorhandensein jener Halbsäule schliesscll 
lässt, verloren gegangen sein.  Die Altarnische auf der Nordseite ist da- 
gegen von andrer Beschaffenheit: sie hat keine Spur von Halbsäulen und
        

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