Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488776
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Schlosskirche zu Quedlinburg 
etc. 
zierung nicht unähnlich) geschmückt, auf dem die Gurte des Krcnzgcwölbes, 
welches ursprünglich die Lege überdeekte, aufsetzten; ebenso erkennt man 
an den Wänden rings die grossen Halbkreisbögen ,  zwei an der breiteren 
Wand nach der Kirche zu, einen an der schmaleren Wand,  in denen 
das Kreuzgewölbe den Wänden angefügt war. Unter diesen Bögen des 
ehemaligen Gewölbes läuft rings an den Wänden ein Fries mit ziemlich 
stark ausladenden ornamentistischen Figuren umher, deren Form und Be- 
schaifenheit jedoch bei der ungünstigen Lokalität nur schwer zu erkennen 
ist; man findet unter ihnen einzelne phantastische Menschenköpfe, ähnlich 
denen, welche bei einigen Säulenkapitälen des Kirchenschiifes (n und o) 
angeführt wurden.  Die Vermauerung dieser interessanten Räume dürfte 
der modernen Zeit zuzuschreiben sein, und ist vielleicht gleichzeitig mit 
dem Untergang des südlichen Thurmes. 
In solcher Weise stellt sich uns das gesammte Innere der Schlosskirche, 
wenn wir uns dasselbe nach seiner ursprünglichen Einrichtung und von 
allen Veränderungen späterer Zeit frei, vergegenwärtigen, als das Bild 
einer, im Einzelnen zwar noch beträchtlich rohen, im Ganzen aber höchst 
grossartigen und bedeutsamen Pracht und Majestät dar. Im Westen die 
Vorhalle und darüber die reichgeschmückte Lege, welche unstreitig zum 
Aufenthalt hoher Gäste, namentlich des kaiserlichen Hofes, bestimmt war; 
dann die stolzen Colonnaden des Schiffes, in welchem die Gemeinde betend 
kniete, weiterhin der erhabene Chor, dessen Seitenwände durch die Sitze 
der Stiftsfräulein ausgefüllt wurden, und endlich, statt der leeren gothischen 
Fenster, die hochgewölbte Nische des Hochaltars;  nehmen wir dann 
den Schmuck der Farben hinzu, womit zu jener Zeit sämmtliehe Einzel- 
heiten der Architektur versehen wurden; die Malereien, die sich an den 
oberen Wänden des Mittelschiiies hinzogen und die in der Nische des 
Hochaltares das kolossale Bildniss des Erlösers, die Heiligen der Kirche 
zu seinen Seiten, darstellten; dann die gemalten Gläser in den zierlichen 
Umfassungen der Fenster, die gewirkten Teppiche, welche über den Sitzen 
der Stiftsfräulein aufgehängt waren; endlich die gesammte feierliche Pracht 
des alt-katholischen Gottesdienstes, dessen Ceremoniel im wesentlichen Ein- 
klange mit Umgebungen gerade solcher Art steht;  to tritt uns in alle dem 
das Leben verschwundener Zeiten in einer Bedeutsamkeit entgegen, spricht 
der Geist unserer Vorfahren in einer Weise zu uns, welche unser Gemüth 
mit den heiligsten Schauern zu erfüllen geeignet ist.  
Das 
Aeussere 
d er 
Schlosskirche. 
Wir betrachten vorerst diejenigen Thcile, welche der älteren An- 
lage angehören. Als der bedeutsamste Theil stellt sich demjenigen, welcher 
den Schlosshof betritt, zunächst die hohe Fronte des nördlichen Kreuzgie- 
bels dar. Derselbe ruht auf einem erhöhten Basameut von attischer For- 
mation, von welchem, in der Mitte und in den Füllungen der Ecken, 
schlanke Halbsäulen bis zu dem, aus kleinen Rundbögen zusammengesetzten 
Friese, der das (neuere) Giebeldreieck von der Hauptmasse der Wand. 
sondert, emporlaufen. Diese Säulen sind mit einer Art von Voluten- 
kapitalen versehen. In den Rundbögen bemerkt man eine schwach 
eingemeisselte Zickzack-Verzierung. An dem unteren Theile der süd- 
lichen Giebelfront, wie man denselben in jenem Bodenraume, in den 1111111 
durch die 'l'hür der Unterlrirchc (Grundriss, l.) eintritt, in seiner alt-I'll
        

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