Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488733
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Schlosskirche 
ZU 
Quedlinburg etc. 
Kämpfcrgesimses der Pfeiler im Kreuz der Kirche, hin. Es 
ß! hat dieselbe Form wie dieses: Platte und schräge Schmiege, 
f? nur minder ausladerävi, und war ohne Zgveifeä, gleich jenem, 
 mit crneemeissc tcn erziernnven verse en, ie nceenwärti" 
 verschmiert sein dürften. Die Fenster selbst sind die de: 
 alten Anlage, im Halbkreisbogen überwölbt und ursprüng- 
 lich mit einer gegliederten Einfassung versehen. Diese 
 Einfassung besteht, wo S10 erhalten ist, ebenso wie im 
  ziteusseren des Mittelschiffes (vergl. unten), aus einer, in 
 . eine vertiefte Ecke eingelassenen Säule, die in gleicher 
  Form auch am Bogen umhergeführt ist. An den meisten 
agjä" Stellen ist diese ursprüngliche Einfassung auf eine rohe 
42„ Weise umgeändert oder vielmehr, wie es scheint, mit Kalk 
  verschmiert, indem überall noch die Spuren der Basen jener 
Pfeimb"'s' Säulen wahrzunehmen sind. 
Gegenwärtig ist das Mittelschiff mit einer fiachgewölbten Bretterdecke 
versehen. Im Boden desselben, welcher gegenwärtig zumeist von Kirchen- 
stühlen bedeckt" ist, führt (bei d) eine Treppe in die sogenannte Fürsten- 
gruft hinab. 1) 
Die Wand des südlichen Seitenschitfcs ist ein Neubau aus neuerer Zeit. 
Es befindet sich an ihr eine Inschrift auf eherner Tafel, des Inhalts, dass 
die Mauer wegen sehlechtgelegten Grundes im Jahr 1708 den Einsturz ge- 
droht habe, und darum völlig neu gebaut werden sei 2).  Die Wand des 
nördlichen Seitenschitfes ist die des alten Baues; aber die in derselben 
betindliehen Fenster sind ebenfalls in neuerer Zeit erweitert worden.  
An den alten Querwänden, welche auf der östlichen Seite beide Seitcnschiffe 
von der Unterkirche trennen, bemerkt man die Spuren vermauerter, im 
Halbkreisbogen überwölbter Thüren, durch die sie ursprünglich mit der Un- 
terkirche verbunden waren. 
An den Wänden der Kirche finden sich Leichensteine angelehnt, welche 
mehreren älteren Aebtissinnen angehören. In artistischer Beziehung ist vor- 
nehmlich der älteste derselben, der der Aebtissin Agnes, T ochtcr des Mark- 
grafen Conrad von Meissen (st. 1203), merkwürdig. Er steht in dem süd- 
lichen Seitenschiff, nach dem Ohore zu, aufgerichtet und zeigt die Gestalt 
dieser Aebtissin in ihrer geistlichen Tracht, die in einem, zwar einfach 
strengen byzantinischen Style, jedoch ohne das manieristisch Trockne des- 
selben, vielmehr zugleich in einer edlen und würdigen Weise ausgeführt 
ist. Das Gesicht vornehmlich lässt bereits ein feines Formengefühl erkennen, 
und namentlich ist hier die Augenpartie in löblicher Weise gearbeitet, die 
Nase leider beschädigt. Der Grabstein führt folgende Umschrift: 
Spiritus Agnetis teneat loca certa quietis, 
Nil perhorrescat, placida sed pace quicscat. 
Er reiht sich somit den, aus der Periode der Aebtissin Agnes herstammendcn 
1) Die Fürstengruft ist ein unter der bekannten Pröpstin, Gräfin Aurora 
Königsmark (gest. 1728) erbautes Grabgewölbe. Die in derselben beigesetzten 
Leichen sind Imverwest erhalten. Ju dem Mumien-Antlitz der Erbauerin erkannt 
man noch heute die einst hochgefeierte"Schönheit. 
2) "Sub regimine  dominae Mariae Aurorae Koenigsinark  murus hiv 
ob fundamentum olim male jactum admodum ruinosus, dirutus et fundamentu 
Pusito  denuo exstrucins. 1711."
        

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