Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488669
Innere 
Das 
der 
alten 
oder des 
Unterkirche 
Münsters. 
549 
 
  
msc der Säulenkapiläle. 
(überdies noch unsichern und schwunglosen) Linien derselben nur durch 
abgeschrägte Vvertiefungen und Erhöhungen dargestellt und somit keine 
eigentlichen Reliefbildungcn hervorgebracht werden;  alldem 1719115 aber 
sind sie nach den Gesetzen einer wirklichen, mehr oder minder vollkom- 
menen Plastik ausgemeisselt. In letzterem Betracht sind vornehmlich jene 
korinthisirenden Blätterkapitäle merkwürdig. Abgesehen von den Voluten 
dieser Kapitale, welche theils kleiner, nach Art der wirklich korinthischen, 
theils grösser, etwa nach Art der römischen Kapitale gehalten sind, zeigen 
ihre Blätter zumeist eine einfache, breite Form, mit einem Zapfen am oberen 
Ende, so dass sie ungefähr der Gestalt unserer Dachziegel zu vergleichen 
sein dürften. Doch scheint es, dass diese rohe Bildung zur Ausführung 
eines anderweitigen, reicheren Schmuckes bestimmt war. Wenigstens sieht 
man an den Kapitälen zweier Halbsäulen (Grundriss, o: und (3) in einem 
jeden dieser grösseren Blätter, auf vertieftem Grunde, wiederum eine, wenn 
auch nicht vollkommen genaue, so doch feine und saubere Blättersculptur 
ausgearbeitet und auch jene Zapfen zu einem feinen Blattwerk ausgemeis- 
selt, so dass hiedurch eine gewisse Aehnlichkeit mit denjenigen ägyptischen 
Kapitälen entsteht, in welchen sich auf den grossen Lotosblättern ein fei- 
neres Laubwerk hinzieht. An dem einen dieser Kapitäle aber (Säule u) 
bewahrt eins der Blätter noch jene oben beschriebene rohere Form, auf 
welcher sich nur erst die Zeichnung des feineren Blätterschmuckes leicht 
eingeritzt vorfindet. Dass überhaupt die Arbeit an den Kapitälen der Unter- 
kirche nicht gänzlich vollendet worden, geht noch aus einigen andern Um- 
ständen hervor: an dem Kapital der Halbsäule ö gewahrt man an den roh 
geformten Blättern noch die deutlichen Spuren der Meisselschläge; und 
ebenso zeigt es sich an dem, mit einfacher Bandverschlingung versehenen 
Würfelkapitäl der Halbsäule s (und zwar an den Füllungen der unteren 
Ecken) auf die augenscheinlichste Weise, dass eine angefangene Arbeit 
unterbrochen wurde. Endlich ist noch der auffallende Umstand zu bemer- 
ken, dass die Blätterornamente an den Deckgesimsen der Halbsäulen y und 
ß einen so vollendeten Schwung der Zeichnung, eine so feine Ausbildung 
des Reliefs erkennen lassen, wie dergleichen an keinem Theil der in Rede 
stehenden Architektur vorkommt, ohne dass jedoch der Anschein vorhan- 
den ist, dass diese Stücke später eingefügt seien, und ohne dass die ver- 
schiedenartig rohere Arbeit der übrigen Theile nur als die Anlage zu ähn- 
lich vollendeter Ausführung irgend betrachtet werden darf. Ohne Zweifel 
hat man dies als den in späterer Zeit unternommenen Versuch einer Uebcr- 
arbcitung zu betrachten.  Bei den Viertclsäulen. welche in den Winkeln
        

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