Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483478
Bilderhandsclnriften des 
Mittelalters. 
In Bezug auf das Reiten bemerken wir nur, dass der Sattel mit den 
hohen Lehnen mit zwei Gurten um den Leib des Pferdes befestigt ist. 
Neben dem auf dem Throne sitzenden König steht in der Regel der 
Schwertträger, der das Riehtschwert, aufwärts gerichtet, aber in der Scheide 
mit um dieselbe gewundener Koppel im Arme hält. Oder der König selbst 
hat das Schwert, nach Art des Richters, quer auf dem Schoosse liegen  
 Alte Männer gehen mit Stöcken, welche einen sehr grossen runden 
Knopf haben, oder mit Krückstöcken. 
Von den Hirten bei der Anbetung trägt einer einen Pelz nach Art einer 
Casula; er hat Horn und Schaufel. I"  
 Die Frauen tragen in der Regel ein Untergewand mit engen Aermeln 
und darüber ein Obergewand mit weiten und lang herabhängenden Aermeln, 
welches entweder kürzer ist als jenes, und dann in der Regel mit reichen 
Borten besetzt, oder lang naehsehleppt und beim Gehen vorn ein wenig 
aufgehoben wird. Das Gewand ist enger anschliessend, so dass in der Re- 
gel der Gurt sichtbar ist. Die Frauen tragen einen Mantel, der ganz dem 
oben beschriebenen gleicht. Die Jungfrauen haben lang herabhängendes 
Haar, den Kopf zuweilen mit einem Miitzehen bedeckt. Die Weiber haben 
einen Schleier, unter dem bei Festlichkeiten, wie es scheint, auch hie; das 
Haar niederhängt. Maria hat ausser dem Schleier noch eine Art geistlicher 
Casula. 
Das Christkind in der Krippe ist eng in Windeln eingewickelt. 
Was an häuslichen und andern Geräthschaften,  Sessel mit dem 
darauf liegenden Polster, Fussbänke, Schreibepulte, Bücher, Leuchter 
u. s. w.  vorkommt, entspricht ganz den im Hortus delieiarum dargestell- 
ten. Auf dem Bette liegt man, wie dort, in einer Tunika, mit dem Mantel 
bedeckt. 
Auch die Architekturen tragen ganz das Gepräge jener Zeit: rund- 
bogige Gewölbe, rundbogige Fenster, runde Kuppeldäeher und Säulen mit 
abgerundeten Knäufen, welche eine schwere Blätterverzieruug haben. Eben 
so spricht sich, im Text, in dem eigenthümlieh dicken und schweren Ran- 
ken- und Blätter-Ornament der gemalten Buchstaben, womit die drei vor- 
schiedenen Bücher beginnen, derselbe Styl, welcher den leichteren Formen 
des an den Spitzbogellslyl sich anschließenden Ornaments vorangeht, aus. 
Indem "die Perspektive meist noch sehr mangelhaft ist oder vielmehr 
fehlt und die Lflndschaft F"! angedeutet Wird, etwa durch einen Baum, so 
zeigt sich eben 111 den Zelchnflngßn der Bäume nicht, wie im Hortus deli- 
eiarnm, eine leichte abeT unsichere Nachahmung freier Natur-formen, son- 
dern einebestinuntßi Onlamelltartige Ausführung; ein Umstand, der unsere 
Aufmerksamkeit in AnsPTuCh nehmen dürfte.  
 Die Nacht wird zweimal durch einen halben silbernen oder goldenen 
Ring bezeichnet, in welchem das erste Mal Mond und Stern, das zweite 
Mal Sechs Sterne dargestellt sind. So wird im Sachsenspiegel ein be- 
stimmte)" Zeitraum _dnrch die angegebene Zahl, welche von einfachem oder 
doppelten Kreise eingeschlossen ist, vorgestellt 2).  
Die Sonne wird_bei der Begebenheit, da sich bei Christi Geburt ein 
goldener Ring um dieselbe zeigt, als strahlendes Haupt eines Jünglings 
dargestellt i), jenen Personiticationen von Sonne und Mond bei Vorstellungen 
Kopp, Bilder und Schriften der Vorzeit. I, 
 3) VergLdas oben, S. 32, mitgetheilte Bild.
        

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