Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488437
Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer 
u n d B a u m e i s te r, von Cimabue bis zum Jahre 1567, beschrieben 
von G i 0 r g i 0 Va s a r i. Aus dem Italienischen. Mit einer Bearbeitung 
sämmtlicher Anmerkungen der früheren Herausgeber, so wie mit eigenen 
Berichtigungen und Nachweisungen begleitet von Ludwig Sch Orn. Zwei- 
ter Band, enthaltend der Original-Ausgabe zweiten Theil. Erste Abthei- 
lung. Mit 22 lithographirten Bildnissen. Stuttgart und Tübingen. 1837. 
(390 Seiten in 8.) 
1837, N0. 
(Museum, 
Die lang ersehnte Fortsetzung eines Werkes (der erste Theil desselben 
erschien bereits vor 5 Jahren), welches für unser kunstgeschichtliches Stu- 
dium eine so wichtige Grundlage bildet und welches auch ohne diese 
strengere wissenschaftliche Rücksicht eine so eigenthümlich bedeutende 
Stelle in der modernen Literatur behauptet, muss allgemein mit lebhaftem 
Interesse aufgenommen werden. In der That ist Vasari, wenn auch die 
blinde Verehrung seiner Aussprüche in neuerer Zeit aufgehört, wenn man 
es auch für nöthig befunden hat, seine Angaben mannigfach durch die Ver- 
gleichung urkundlicher Zeugnisse zu berichtigen, gleichwohl noch immer, 
in Rücksicht darauf, dass er die älteste, in grösserer Breite iliessende 
Quelle der Tradition ausmacht, dass er für Vieles, oft für die wichtigsten 
Erscheinungen, als ein unmittelbarer Zeuge auftritt,  derjenige Autor, von 
dem stets unsere Untersuchungen über einen der Haupttheile der Kunstge- 
schichte christlicher Zeit ausgehen müssen. Aber er hat zugleich noch ein 
zweites, minder wandelbares Verdienst. Er repräsentirt uns diejenige Zeit, 
welche zuerst,  ich will nicht sagen: wissenschaftlich, doch wenigstens; 
literarisch  die vorübereilendenErscheinungen in ihrer gegenseitigen Be- 
deutsamkeit festzuhalten, die Resultate mannigfacher Thätigkeit sicher zu 
stellen bemüht war; er ist der Begründer der neueren Kunsthistorie, in der 
ihm wenige, nur geringfügige Vorarbeiten, wenige gleichzeitige Bemühun- 
gen von minder umfassender Bedeutsamkeit seinen Ruhm nicht streitig ma- 
chen können; er hat namentlich für Vieles, was hier den Kreisen der nie- 
deren oder höheren Technik angehört, zuerst die angemessene literarische 
Form und Behandlung erfunden und festgestellt; er bewegt sich endlich 
in alledem mit einer gemüthlichen Naivetät, er hat eine Frische, eine 
Bildlichkeit, oft eine Poesie der Darstellung, welche von keinem seiner 
Nachfolger erreicht ist und welche bei der Lektüre seines Werkes stets 
den erheiterndsten Genuss gewährt. In dieser Beziehung möchte ich Vasari 
mit Winkelmann vergleichen. Das Element der Kritik ist es ebenfalls 
nicht, was dessen höchstes Verdienst ausmacht, und Jahr für Jahr wer- 
den auch bei ihm in dieser Beziehung neue Berichtigungen erforderlich; 
aber das Allgemeine, die Ausprägung des Wortes für den Gedanken, die 
grossartige Begründung des Standpunktes für die Auffassung des Einzelnen 
(eines Standpunktes, der freilich um ein Bedeutendes höher steht, als der 
Vasarfs),  dies ist es, darin Winkelmann wiederum entscheidend her- 
vorgetreten, darin auch er unübertroffen geblieben ist.
        

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