Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488344
Denkmals 
einer sehr 
ausgebildeten 
Holzbaukunst etc. 
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welche bei Erneuerung innerer Constriictionstheile waren abgenommen 
worden, späterhin wiederum daran befestigtlt-  ES lag auch in dem Interesse 
der Kirchenbesitzer, nur so wenig als möällßll daran zu thun , weil der 
Kostenaufwand meistens mehr betrug, als die Kirchen ihnen einbrachten. 
Denn als während der Reformation, unter der dänischen Regierung, die 
Kirchengüter eingezogen und die Einkünfte geschmälert Würden, gelangten 
die Kirchen häufig in den Besitz von Privatpersonen. In Folge dessen Ver- 
änderten sie nicht selten ihre Besitzer und es hat bei Versteigerungen Fälle 
gegeben, dass , weil es an Käufern fehlte, ganze Kilchen mit flem Altäre, 
den Glocken und dem Kirchengetäthe für 30 norwegische Species und den- 
noch mehr aus Religiosität als in der Hoffnung auf Gewinn, erkauft wor- 
den sind. Denn in Ansehung dessen, dass dem Besltzer (h? Pflicht obliegt, 
die Kirchen zu unterhalten, ist ihr Besitz vielmehr nlS elne Last zu be- 
trachten."   
"Auch in England haben einige sehr alte Kirchen aus hichenholz sich 
erhalten; allein sie sind den norwegischen Weder im Plane "Will In ihren 
Zierden ähnlich. Die nächste Verwandtschaft möchten die letzter-n mit den 
russischen Landkirchen haben, wie sie Olearius noch im 17. dahrhundert 
vorfand und ohne architektonische Gründlichkeit abbilden liess, obwohl 
anzunehmen ist, dass Verschiedenheit des Ciiltus und SODSlIIgGI: Rlclltungen 
eigentliche Gleichförmigkeit nicht habe aufkommen lassen. .D1e russischen 
Landkirchen haben nämlich in ihrer Bauart Aehnlichkeit mit gewöhnlichen 
Blockhäusern, indem die Balken horizontal aufeinander liegen. Bei den 
norwegischen alten Landkirchen hingegen stehen die Pfosten-Bretter auf- 
recht, und werden daher "Staw- oder Reiswerkskirchen" genannt." 
Wir wenden uns nunmehr zu einer näheren Betrachtung der im vor- 
liegenden Heft dargestellten Kirche von Borgund, wobei wir jedoch gleich 
von vornherein bemerken müssen, dass  so dankbar wir auch dem Her- 
ausgeber für das bereits Mitgetlieilte sind  einige Verhältnisse uns leider 
dunkel bleiben, indem es sowohl an einer speciellen Erklärung, als auch 
an einigen, zum Verständniss der Construktion nöthigen Durchschnitten 
oder inneren Aufrissen fehlt. 
Der Grundriss (Tab. I.) zeigt bereits eine eigenthümliche Anlage, welche 
nur im Allgemeinen die räumliche Eintheilung des christlichen Kirchen- 
baues befolgt. Das Schiff und der Altarraum sind zwei gesonderte Theile. 
Ersteres bildet den Hauptraum; es ist viereckig, von ein wenig über das 
Quadrat verlängerter Dimension. Eine Thür führt in den Raum des A1- 
tares, der als ein Viereck von ungleich engeren Verhältnissen erscheint und 
an den sich die halbkreisruude Nische des Altares anschliesst. Diese be 
stimmte Scheidung der beiden Räume dürfte uns an das rituale Princip 
neugriechischer Kirchen erinnern, indem in dei- lateinischen Kirche eine 
solche nicht Statt findet; es dürfte interessant sein, aus den nachfolgenden 
Heften zu ersehen, ob dieselbe auch bei andern alten Kirchen Norwegens 
angewandt und somit als eine besondre , dnfßhherrschende Eigenthümlich- 
keit zu betrachten ist. (Die Gesammtlänge dieser Räume beträgt, nach 
dem beigefügten Maassstabe, c. 20 Ellen, die Breite des Schiffes etwas über 
101,2 Ellen.) Ein zweiter, sehr merkwurdiger Umstand in der Anlage ist 
der, dass sich rings um diese Räume ein schmaler Umgang, auch den halb- 
runden Ausbau der Altarnische befolgend, umherzieht; an den drei Haupt- 
seiten desselben sind vßfsprmgendei Yßätibül-altlsß verbauten, in denen 
die Portale sich befinden. Eine Notiz über den Liveck dieses Ümganges
        

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