Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488305
V01] 
Gemälde 
Ueber das neuerworbene 
le Brun 
Charles 
Btß. 
515 
der Fnrbe (statt des Stoiflichen des dargestellten Gegenstandes) sichtbar 
werde. Doch tritt, diesen Mängeln zum Trotz, die grosse Meisterschaft 
des Künstlers siegreich herver, und das Wefk- besonders in einiger Ent- 
fernung betrachtet, übt durch die V0116 lebeQdlge Gegenwart Jener Persßlleni 
durch die Sicherheit und Heiterkeit der Existenz, welche dcr Maler ihnen 
Zn geben gewusst hat, einen vorzugsweise erfreulichen Eindruck auf den 
Beschauer aus.    
Goethe hat dem Bilde in seiner Biographie (Dichtung und Wahrheit.  
gesammelte Werke, Bd. 26. s. 288) ein Schönes Denkmal gesetzt, indem 
ihm dasselbe einst, in den Zeiten seiner unruhigen, lebhaft bewegten Ent- 
wiekelnng, durch die Kraft jener eben angedei1teten,_klar ausgebildeten 
Exjstgnz, beruhigend nnd versöhnend gegeuübergetreten ist. Freilich wurde 
diese Eigenthümlichkeit des Bildes durch die vollkommen übereinstimmen- 
den Umgebungen, in denen es sich befand, noch um elll Bedeutendes her- 
vergehobeln Goethe erzählt, wie er sich, von mannigfachen Neigungen 
hin und wider getrieben, in Köln aufgehalten, wie aber dort der bunte 
und für einen Laien scheinbar widerspruchvolle Reichthum der Vorwelt 
sein leicht empfangliches Gemüth nur mit noch grössßrer Unruhe erfüllt 
habe. „In diesen mehr drückenden als herzerliebenden Augenblicken (sagt 
er) ahnete ich nicht, dass mich das zarteste und schönste Gefühl so ganz 
nah erwartete. Man führte mich in Jabachs Wohnung, wo mir das, was 
ich sonst nur innerlich zu bilden pflegte fwirklich und sinnlich entgegen- 
trat. Diese Familie mochte längst ausgestorben sein, aber in dem Unter- 
geschoss, das an einen Garten stiess, fanden wir nichts verändert. Ein 
durch braunr0theZiegelrauten regelmässigvcrziertes Estrich, hohe geschnitzte 
Sessel mit ausgenähten Sitzen und Rücken, 'I'iscbblätter, künstlich eingelegt, 
auf schweren Füssen, metallene Hängeleuchter, ein ungeheueres Kamin mit 
dem angemessenen Feuergeräthe, alles mit jenen früheren Tagen überein- 
stimmend und in dem ganzen Raume nichts neu, nichts heutig, als wir 
selber. Was nun aber die hiedurch wundersam aufgeregten Empfindungen 
überschwenglich vermehrte und vollendete, war ein grosses Familiengemälde 
über dem Kamin. Der ehemalige reiche Inhaber dieser Wohnung sass mit 
seiner Frau, von Kindern umgeben, abgebildet: alle gegenwärtig, frisch 
und lebendig wie von gestern, ja von heute, und doch waren sie schon 
alle vorübergegangen. Auch diese frischen rundbäckigen Kinder hatten 
gealtert, und ohne diese kunstreiche Abbildung wäre kein Gedächtniss 
von ihnen übrig geblieben. Wie ich, überwältigt von diesen Eindrücken, 
mich verhielt und benahm, wüsste ich nicht zu sagen. Der tiefste Grund 
meiner mensehlielien Anlagen und dichterischen Fähigkeiten ward durch 
die unendliche I-Ierzensbewegung aufgedeckt, und alles Gute und Liebevolle, 
was in meinem Gemüthe lag, mochte sich aufschliessen und hervorbrechen." 
 Später (Bd. 43, S. 310) gedenkt Goethe des ldildes noch einmal in dank- 
barer Vorliebe. Sein Wunsch, dass es als eine der ersten Zierden einer 
öffentlichen Anstalt eingeordnet werden möge, ist auf eine schöne Weise 
in Erfüllung gegangen-
        

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