Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488261
der Baukunst 
Denkmale 
Mittelalters in Sachsen 
des 
Endlich fuhrt es der Herausgeber noch, als einen besonders beachtens- 
werthen Umstand an, dass die unfern derdtlmhe gelegenen Ruinen, "welche 
Reste des ehemaligen Castells oder KomgShOfQS Sein mögen," in der 
Ausführung ihres Mauerwerkes (Ijlamä Bruchäteme emfs silbergrauell 
'l"honschiefers) ganz dieselbe Arbelt Zelgenl Wle der grosste :I'heil der 
Kirclienmauern, dass die Kirche somit auch aus 111659111 Grunde Jenem (im 
zehnten Jahrhundert bereits als vorhanden angeführten) Castell gleichzeitig 
zu Sein scheine, Da aber die Identität dieser Ruinen mit dem Oastell 
gegenwärtig noch alles Beweises entbehrt, so istauch diese übereinstimmende 
Technik ohne Gewicht; und selbst wenn es sich so verhielte, würde eine 
solche Uebereinstimmung an sich noch keinen entscheidenden Ausschlag 
eben können. 
g Wir finden also auf keiner Seite einen haltbaren Grund, der uns mit 
Bestimmtheit nöthigte, die Kirche von Memleben in jene frühe Periode des 
zehnten Jahrhunderts zurück zu datiren,  keiflell Gmnd, der ES an sich 
unwahrscheinlich machte, dass die Kirche etwa im Anfange des dreizehnten 
Jahrhunderts erbaut werden sei. Wenn wir aber an den sichern Werken 
des zehnten Jahrhunderts (und bis in das elfte hlnelll)  ganz 111 Analogie 
mit den Entwickelungsmomenten der bildenden Kunst  nur mannigfache 
Reminiscenzen classischcr Kunst, Verbünden mit nellerfundenell, theils in 
kindlicher Rohheit, theils in barbarischer Phantasterei ausgeführten Formen 
kennen gelernt haben; und wenn wir zu Anfange des dreizehnten Jahr- 
hunderts die letzten Motive des byzantinischen und die ersten des gothischen 
Baustyles einander begegnen sehen, so kann es in der That nicht länger 
zweifelhaft sein, welcher Zeit wir das besprochene Gebäude zuzuschreiben 
haben. Es leuchtet von selber ein, dass man, in Bezug auf die muthmaass- 
lichen Werke früherer, dunklerer Jahrhunderte, ohne die strengste Kritik 
keine Bestimmungen treffen darf, und dass man bei willkürlichen Annah- 
men Gefahr läuft, das ganze Bild der Kultur-Geschichte zu verwirren. 
Denn das gerade ist das Wichtige bei diesen chronologischen Unter- 
suchungen. Nicht auf die einzelne verfallene Ruine kommt es uns an, 
sondern darauf, dass sie in ihrer besondern Form, in dem inneren Organis- 
mus, der ihrem Baustyle zu Grunde liegt, in der Gefühlsweise, die sich 
darin ausspricht, einen weiten Blick über den Sinn und Geist einer ganzen 
geschichtlichen Periode  und zwar einer Periode, die mit früheren und 
späteren nothwendig in fortschreitendem Zusainmenhange stehen muss, 
eröffnet. 
Möge der geschätzte Herausgeber diese Bemerkungen nicht übel deuten! 
Referent bekennt es sehr gern, dass er eben in dem vorliegenden Werke 
selbst, in den historischen Notizen, wie in den Abbildungen und deren 
Beschreibung, nur die bestimmteren Gründe zur Feststellung seiner Ansicht 
gefunden hat; es ist dieser Umstand somit nur ein günstiges Zeugniss für 
die vorurtheilslose Behandlung, welche dem vorhandenen Stoffe zu Theil 
geworden ist,  eine Behandlung, wie sie überall bei ähnlichen Werken, 
zni- Begründung wissenschaftlicher Studien, wünschenswerth erscheint. 
Wil- haben endlich, in Bezug auf die Kirche von Memleben, noch über 
die an den Pfeilern enthaltenen Wandgemälde zu sprechen , deren Nach- 
bildung uns auf Blatt 7 vorgeführt wird. _Sie stel-len zumeist fürstliche 
Personen vor, vier männliche und vier weibliche, und der Herausgeber 
erklärt sie, eine ältere Tradition modificirend, als die Glieder der sächsischen 
Kajserfamüie und den ersten Abt des Klosters. (iegenwärtig sind diese
        

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