Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488244
Baukux 
der 
Denkmals 
in Sachsen. 
des Mittelalters 
509 
Die Pfenei-siellnngen im Schiff, das Iiauptportal i), die äusseren Bögen der 
Fenster, Welche zur. Crypta führen, sind im Spitzbogen, und zwar in jener 
Schweren, massigen Form, welche dessen erstes Auftreten bezeichnet, ge- 
bildet; die durchgehende glockenfbrmigß Bildung der Kapital? Zeigt Sich 
ebenfalls in der Üebergangs-Periode vorherrschend: Im Uebnge" findet 
man die Elemente des byzantinischen Styles, namentlich was die Bundbögen 
an dem kleinen Seiten-Portal und an dem oberen Theile des Chorschlnsseg 
 hie; sind auch die Fenster rundbogig überwolbt, ebenso wie, einer älteren 
Abbndung Zufdge, 3118 übrigen Fenster der Kirche gebildet waren  und 
was das gesammge Innere der Crypta unter dem hohen Chore anbetrifft. 
Wc aber diese byzantinischen Elemente eine reichere Formation zulassen: 
an dem zierlich gebildeten rundbogigen Friese (iCILChOTDIISOhB, an den 
schlanken Säulen der Crypta mit ihren leichten Blatterkapitalcn und der 
Blattverzierung auf dem unteren Wulste des Fusses, da erkennt man die 
bestimmtem, Analogie mit denjenigen Gebäuden, welche der letzten _Ent- 
wickelungs-Periode des byzantinischen Styles (somit ebenfalls der _Leit Jenes 
Ueberganges) angehören; und insbesondere wird diese spatere Periode auch 
durch das Gewölbe der Crypta charakerisirt, indem hier nenilich sämmt- 
liche Säulen unter sich und mit den Wandconsolen durch breite Gurtbän- 
der verbunden und zwischen diesen erst die Kreuz-Gewölbe eingesetzt sind, 
während sich die älteren byzantinischen Crypten stets ohne Gurtungen der 
Art überwölbt zeigen. Aus verschiedenen Anzeichen lässt sich endlich mit 
Bestimmtheit annehmen, dass die Kirche selbst nicht durch ein Gewölbe, 
sondern durch ein flaches Täfelwerk bedeckt war. 
Durch die, vom Herausgeber mitgetheilten Notizen erfahren wir sodann 
über die ältere Geschichte des Klosters, dass Memleben bereits zu der Zeit 
König Hcinrich's I. (der bekanntlich daselbst starb) ein namhafter Ort, ein 
"Castellu, mit einer Kirche und Priesterschaft war; dass die Abtei um das 
Jahr 975 gestiftet wurde und sich unter Otto II. und Otto III. bedeutender 
Schenkungen zu erfreuen hatte; dass dieselbe aber unter Heinrich ll., im 
Jahre 1015, einer andern Abtei, der zu Hersfeld, untergehen wurde,  an- 
geblich wegen der Armuth des Klosters, ein Grund, der indess nach dem 
abweichenden Berichte eines andern Zeitgenossen (nicht minder auch bei 
Berücksichtigung der bis auf das Jahr 1002 fortgeführten Begünstigungen) 
verdächtig wird. Dann schweigen die Berichte über das Kloster fast zwei- 
hundert Jahre lang. Erst im Jahre 1202 wird des Klosters wieder, bei 
Gelegenheit eines Güter-Verkaufes, gedacht. Später, vom Jahre 1250 ab, 
finden neue Verkäufe statt, und es wird dabei mehrfach ausdrücklich er- 
wähnt, dass dies wegen grosser Verschuldung des Klosters geschehen sei, 
Weil nun das Kloster unter den sächsischen Kaisern in so bedeutender 
Blüthe stand, so fanden sich die Kunstforscher seither bewogen, das vor- 
handene, nicht unansehnliche Kirchen-Gebäude als einen Rest eben derselben 
Periode, somit dessen architektonische Eigenthümlichkeiten als charakter_ 
istisch für die letztere zu betrachten,  eine Schlussfolgerung, die bei einem 
i) Charakteristisch für die Eigenthiirnlichkeiten des gothischen Styles ist die 
Gliederung des spitzen Bogens über diesem Portale, indem darin mehrfach um 
die schwere Form der Ecken zu brechen, das Profil der Kehle angewandji; ist 
Leider hat der Herausgeber das Proül dieser Bogengliedernng nicht mitgethglt- 
und in jener Vignette, welche eine Ansicht derselben giebt. iindet man stattä . 
Kehlen überall rechtwinklige Vertiefungen.  "r
        

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