Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488233
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und Kritiken. 
Berichte 
men. Auch die vorliegenden Lieferungen der dem preussischen Sachsen 
gewidmeten Abtheilung des Werkes zeichnen sich, in Text und Abbildungen, 
durch die interessantesten Mittheilungen aus; namentlißll diejenigen, welche 
sich auf die Klosterkirche von Memleben beziehen, sind von besonderer 
Wichtigkeit für die Untersuchungen über die Kulturgeschichte des früheren 
Mittelalters unserer Heimat. Denn bekanntlich bildet das bei dieser Kirche 
angewandte architektonische Princip einen nicht unerheblichen Streitpunkt 
für die Betrachtung der mittelalterlichen Kunst nach ihren historischen 
Beziehungen; mit gewissen entschiedenen Motiven des gothischen Baustyles 
versehen, wird sie von einigen Forschern der frühen Periode des zehnten 
Jahrhunderts zugeschrieben, dieser Periode somit eine Richtung des Formen- 
sinnes, des architektonischen Gefühles vindicirt, die der Anschauung des 
gesammten Charakters jener Zeit und ihrer weiteren Entwickelung ein 
eigenthümliches Gepräge geben muss,  wie diese Ansicht denn in der 
"That bereits als die Grundlage mannigfach fortgesponnener Hypothesen 
benutzt worden ist. Auch wird die Lösung dieses wichtigen Streitpunktes 
um so schwieriger, als die Kirche gegenwärtig eine verfallene Ruine ist 
und ihre ehemalige Beschaffenheit, der ihrer Gestaltung zu Grunde liegende 
Organismus nur noch aus einzelnen Bruchstücken bcurtheilt werden kann. 
Mit um so grösserem Danke also haben wir die sorgfältigen historischen 
Mittheilungen, welche sich überall auf sichere Quellen und deren neuste 
kritische Bearbeitung stützen, die genauen, auch in den wichtigeren Details 
durchgeführten Abbildungen und die mit künstlerischem Verständniss ge- 
arbeitete Beschreibung, die uns der Herausgeber in den genannten Heften 
vorlegt, aufzunehmen; wir erhalten hiedurch wenigstens die Mittel, um, 
über das Feld oberflächlicher Muthmaassungen hinaus, zu einem sichern Ur- 
theil in Bezug auf die angeführten Punkte zu gelangen. 
Die Abbildungen über die Kirche von Memleben betreffen die folgeri- 
den Gegenstände: N0. 1. (Titelvignette), eine radirte Ansicht der Kirche in 
ihrem ursprünglichen Zustande , nach einer älteren kleinen Abbildung und 
nach dem, dem Ganzen zu Grunde liegenden System restaurirt.  Vignette 
vor dem Text: das Haupt-Portal der Kirche.  N0. 2. Ansicht der Süd- 
seite,  und N0. 3. Aeussere Ansicht des Chores der Kirche, beide in ihrem 
gegenwärtigen Zustande, in lithographischer Kreide ausgeführt,  No_ 4_ 
Längen- und Querdurchschnitte, Aufriss der Westseite, und Säulenkapitäle 
der Crypta, soviel von dem Allen noch erhalten ist; ein radirtes Blatt.  
N0. 5. Grundrisse der Kirche und der Crypta, nebst verschiedenen Details. 
 N0. 6, Perspektivische Ansicht der Crypta, ein trefflich lithographirtes 
Blatt (von C ourtin in Paris).  N0. 7. Die alten Wandgemälde an den 
Pfeilern der Kirche, ebenfalls lithographirt. 
Die Kirche scheint in einem consequenten Gemisch des spitzbogigen 
und rundbogigen Systemes der mittelalterlichen Baukunst, also in demjenigen 
Style, welchen man insgemein als den Ucbergang aus dem byzantinischen 
in den gothischen zu bezeichnen pflegt, erbaut worden zu sein. Der Grund- 
plan ist von dem der gewöhnlichen byzantinischen Kirchen, bis auf ein e 
Ausnahme, nicht wesentlich unterschieden; aber. diese Ausnahme,  dass 
nemlich die Altartribunen am Chor und an den Flügeln des Kreuzes nicht 
im Halbzirkel, sondern in einem halben Achteck gebildet. sind, ist von 
grösster Wichtigkeit, indem sie (soweit wenigstens die Kunde des Referenten- 
reicht) nie bei Gebäuden, in denen nicht schon ein gewisses Verhältniss 
zu den Eigenthümlichkeiten des gothischen Styles sichtbar wird, Vofkßmmf-
        

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