Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488196
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und 
Berichte 
Kritiken. 
Die Anbetung der heil. drei Könige. Gemalt von 
Gezeichnet und gestochen von Eduard Eichens in Berlin. 
bei Steger in Berlin. 
R a p hael. 
Gedruckt 
(Museum 
1837, 
C 
Der genannte, vom" K. Museum zu Berlin herausgegebene Kupferstich 
führt ausserdem noch die Unterschrift: „Das in Leimfarben (a guazzo) 
ausgeführte Original-Gemälde, ursprünglich auf Bestellung eines Abtes aus 
der adligen Familie Ancajani für den Hochaltar der Kirche eines zu Feren- 
tillo unweit Spoleto gelegenen Klosters gemalt, im Jahre 1733 von da in 
die Hauscapelle der Ancajani nach Spoleto versetzt, ist im Jahre 1834 von 
jener Familie käuflich für das Königl. Museum in Berlin erworben worden, 
wo es sich gegenwärtig befindet. Es misst 7 Fuss 9 Zoll 6 Linien im 
Quadrat."  Der Kupterstich misst 21 Zoll. 
Ueber das Original-Gemälde, als eins der interessantesten Werke Ra- 
phaels aus der Zeit seiner ersten Bildung unter Perugino bekannt, ist schon 
mannigfach die Rede gewesen; wir können uns hier somit, was dessen 
kunstgeschichtliche Stellung anbetrifft, weiterer Bemerkungen enthalten. Aber 
das Bild selbst ist eine traurige Ruine; die Farben sind verschossen, zum 
Theil abgefallen, aller Gesammt-Eindruck ist vernichtet und mit einem 
tief wehmüthigen Gefühle sieht der Kunstfreund erst bei längerer Betrach- 
tung sich diese Gestalten, diese holden, gemüthvollen Köpfe aus dem Nebel, 
der das Ganze bedeckt, entwickeln. Im höchsten Grade schwierig war 
somit die Aufgabe, dasselbe im Kupferstiche neu darzustellen. Hier galt 
es nicht, sich an ein Vorhandenes anzuschliessen und dasselbe einfach und 
unbefangen wiederzugeben; hier musste erst der Nebel, der die Gestalten 
einhüllte, verschwinden, musste das Verworrene in Harmonie gesetzt, das 
Fehlende im Geiste des Originals wiederhergestellt werden. Hier war eine 
zwiefach schwierige Arbeit nöthig; aber wir dürfen auch dem Künstler, 
der dieselbe vollendet, zu dem schönen Gelingen Glück wünschen. Der 
Knpferstich giebt uns in der That ein erfreuliches Bild des Gesammt-Ein- 
drnckes, den das Original in seiner ursprünglichen Beschaffenheit ausgeübt 
haben dürfte; er führt uns das Wesen der umbrischen Schule, das Seelen- 
hafte ihrer Auffassungsweise in einem vorzüglichen Beispiele entgegen, wenn 
uns auch Einzelnes (wie z. B. der Kopf des Engels zur Linken der Maria) 
etwas zu weich gebildet, Andres, wie der Mantel der Maria, in ein wenig 
fremdartiger Weise, vielleicht in zu unruhigem Faltenwurf, wiederherge- 
stellt scheint. Doch können wir auf diese geringen Einwürfe kein Gewicht 
legen, da wir uns hier nur auf dem Felde der Vermuthungen bewegen und 
diese leicht von dem so oder anders beschaifenenÄAuge des Beschauers ab- 
hängen mögen. Die Ausführung des Sliches ist dieselbe, welche bereits 
von den Italienern zur Nachbildung älterer Werke mit gutem Erfolge, wenn- 
gleich nicht häufig mit eben so zartem Eingehen in den Geist der Originale, 
angewandt worden ist: es ist jene, mehr Zeichnungs-artige Weise der_Dar- 
Stellung, welche auf die malerische Wirkung, von der ohnedies bei den 
Werken älterer Kunst selten die Rede ist, keine Rücksicht nimmt. Zugleich
        

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