Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488145
Collucciou 
de 
litograüca 
cuadros 
etc. 
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welgheg sieh ebei-n-äi-ts aus dem dunklen Nebel, der das Gemach erfüllt, 
entwickelt. Auf dem andern Bilde senkt slcli in das Dunkel der Umge- 
bung, von wundersamein Lichte umtlossen, das Kreuz nieder, an welches 
der Apostel Petrus, in umgekehrter Stellung, die Beine nach oben gewandt. 
geschlagen ist; der Heilige kniet davor und betrachtet die grauenhaft 
Phantastische Erscheinung mit Verwunderung und Erstaunen. Beide Bilder 
sind ganz von jener gewaltsamen Kraft erfüllt, welche dem Zurbaran den 
Namen des spanischen Caravaggio erworben hatpabcr. zugleich spricht sich 
in ihnen diejenige bedeutsamerc Würde aus, die  ubeusemutalienisehes 
Vorbild erhebt, Besonders die Gestalt des Heiligen, in seinem weiten 
Weissen Ordensgewandc, ist auf beiden Gemälden voll grossartiger Energie 
und sein Kopf voll charakteristisch ascetisclien Ausdruckes. 
Zwei andere Blätter führen uns zwei {T0559 Gfimälde Yon Velasquez 
vor. Sie gehören der Historienmalerei an und sind somit höchst interes- 
sant für einen Meister, dessen Werke der ühßrlvlßgenden Mehrzahl nach 
aus Portraitbildern bestehen. Das eine stellt die Anbetung der Könige 
dar; das Bild ist, wie es überhaupt bei historischen Darstellungen in Ve- 
lasqlnei Art lag, in naturalistischer Weise gefasst und macht somit das 
Heilige zu einem Privat-Vorgange des gewöhnlichen Lebens; wiederum 
jedoch leuchtet eine eigenthümliche Grossartigkeit, ein strenger Ernst hin- 
durch, der diesem Vorgange eine besondere Bedeutung giebt. Namentlich 
der eine von den Königen, der zuvorderst kniet, hat in Geberde und 
Gewandung eine eigne Feierlichkeit, die nicht ihres Eindruckes auf 
das Gefühl des Beschauers ermangelt. Maria erscheint schlicht, wie 
eine Bäuerin, und doch ebenfalls nicht ohne Würde; gar sonderbar aber 
macht sich das Christkind, das sie, bis an den Kopf eingewickelt, wie ein 
Püppchen vor sich sitzen hat.  Das zweite Blatt nach Velasquez stellt 
das Bild des gekreuzigten Heilaiides dar. Leuchtend springen dem Auge 
des Beschauers aus dem schwarzen Grunde die, einst wohl schönen und 
männlichen, hier aber zermarterten und auseinander gereckten Formen ent- 
gegen. Das I-laupt ist auf die Brust gesenkt; das Stirnhaar hat sich auf 
der rechten Seite unter der Dornenkrone gelöst und hängt nun wie ein 
dunkler Schleier über das halbe Gesicht auf die Brust nieder. 
Eigenthümliches Interesse gewährt die Lithographie nach einem gros- 
sen Gemälde von Velasquez' Schüler Juan de Pareja, der, ursprüng- 
lich ein Sklave des Meisters, sich nur insgeheim die künstlerische Aus- 
bildung erwerben konnte. Das Bild stellt die Berufung des Matthäus zum 
Apostelamte dar. Es ist ein weites, reichgeschinücktes Gemach; Christus 
ist so eben mit einigen Jüngern zum Wechseltische getreten und spricht zu 
Matthäus die verhängnissvollen Worte; dieser legt die _Hand auf die Brust, 
während die übrigen Anwesenden, die am 'li_sche_sitzen oder daneben 
stehen, verwundert aufligrchen. Christus, in seiner idealen Gewandung, ist 
Ziemlich manierirl; behandelt; auch fehlt es ihm im Ausdruck an der hö- 
heren Würde; ebenso spielt auch Matthäus im Pelzmantel und reichen 
Orientalischen Turban eine sonderbare Figur. In den übrigen Personen 
über, die ganz im Kostüm der Zeit des Künstlers gehalten sind, entwickelt 
SiCh ein erfreuliches Bild unbefangener Lebensverhältnisse. Der alte Notar 
mit der Brille auf der Nase, der sich eben im Schreiben unterbrochen 
sieht, der reiehgeschmückte Soldat,_der, wie es scheint, einen Wechsel aus-- 
Zustellen im Begi-iti" war, die beiden Jünglinge zur Seite, alle sind voll
        

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