Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1488131
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und Kritiken. 
Berichte 
Bei den übrigen der vorliegenden Blätter möge es hier an der Bezeichnung 
des Namens genügen: Joh. Brenghel (eine brillante Paradieslandschaft), 
Poelenburg, Wouvermann, {Peniers (eine Dorfkirmes und, als sel- 
tenes Beispiel, eine Felslandschaft mit einer Rinder- und Schaafheerde), 
P. Neefs (drei Intericurs gothischer Kirchen). van der Meulen, Paul 
und Cornelius de Vos. 
Wir wenden uns nunmehr zu den Nachbildungen der Gemälde spani- 
scher Meister, die in den vorliegenden Lieferungen des Werkes enthalten 
sind. Hier begegnet uns zuerst Juan de Jnanes (oder richtiger: Vi- 
cente Juanes) mit der Darstellung des Begräbnisses des heil. Stephan, 
Das.Bild gehört einer grösseren Reihenfolge aus dem Leben des genannten 
Heiligen an und bildet deren Beschluss. Man sieht vorn den Sarkophag, 
in welchen vier Männer den Leichnam des, mit dem prächtigen Diak0nen- 
Gewande geschmückten Märtyrers hineinlegen; vier andre, mit dem Aus- 
druck schmerzlicher Theilnahme, werden hinter ihnen sichtbar. Auch in 
diesem Bilde, wie in den andern desselben Meisters (der der Mitte des 
16. Jahrhunderts angehört) gewahrt man noch die Nachklänge der alter- 
thümlichen Schule des Landes, welche hier vornehmlich in der höchst 
schlichten Gesammt-Anordnung auf eine anziehende Weise hervortritt; doch 
fehlt es zugleich nicht an den Zeugnissen des Studiums florentinischer 
Meister. Und wenn das Bild somit den Leistungen gleichzeitiger Nieder- 
länder, wie etwa des Bernhard van Orley, verwandt erscheint, so ist doch 
wiederum in den Physiognomieen der Köpfe eine gewisse hervorstechende 
Eigenthümlichkeit zu bemerken, die entschieden auf die spanische Natio- 
nalität hindeutet und in der späteren. entwickelten Periode der spanischen 
Kunst in noch bestimmterer Ausprägung wiederkehrt. 
Entschiedenen Einfluss florentinischer und römischer Studien finden 
wir in einem kleinen Gemälde von J. F. Navarrete, el mudo 
(1526-1579), welches die Taufe Christi darstellt. In der Mitte des Bil- 
des steht Christus mit den Füssen im Wasser (welches hier als ein klei- 
ner Bach vorgestellt ist); auf der einen Seite, auf einem Steine knieend, 
Johannes, indem er das Wasser auf Christi Haupt giesst; auf der andern 
eine Gruppe von Engeln mit den Gewändern des Heilandes. Drüber 
schwebt Gott-Vater, halb von Wolken verhüllt, mit segnender Geberde, 
und von anbetenden himmlischen Schaaren umgeben. Die Gestalten der 
Engel sind ganz im Style der Raphaelischen Schule, der Gott-Vater ist 
eine Nachahmung Michelangelds. Dieser Umstand ist auffallend, da Na- 
varrete sonst gerade als einer derjenigen hervorgehoben wird, welche für 
die Einführung der venezianischen Behandlungsweise in die spanische 
Kunst besonders thätig gewesen sind, wie er denn auch den Beinamen des 
spanischen Tizian führt. Indess scheint das kleine Bild, trotz verschiede- 
ner ansprechender Einzelheiten, nicht als ein sonderlich bedeutsames Werk 
gelten zu dürfen und mehr nur einer vorübergehenden Richtung anzu- 
gehören. 
Die Mehrzahl der Lithographieen gehört der Blüthenperiode der spa- 
nischen Kunst und zwar der Schule von Sevilla, an. Unter diesen nen- 
nen wir zuerst zwei, zu einer grösseren Folge gehörige Darstellungen von 
Franzisco Zurbaran. Sie stellen Visionen des heil. Petrus von N0- 
lasco dar. Auf dem einen Bilde sieht man den Heiligen, an seinem Tische 
knieend und die Hand stützend, eingeschlafen; ein Engel tritt in mäch- 
üger Geberde zu ihm und deutet auf das Bild des himmlischen Jerusalem,
        

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