Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482733
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1483438
Bilderhal 
ldschri 
Mitte 
lalters. 
hältnissen des menschlichen Körpers mangelte, sich doch so frei zu bewegen 
im Stande war und auf diese Weise um die Befreiung der Kunst und um 
ihre weitere Ausbildung die grössten Verdienste hat. lch erwähne hier be- 
sonders einer Darstellung der Verdammten nach einer Vision der Maria, 
und einer Darstellung der klagenden bethlehernitischen Mütter 1). Beide, 
mit den Mitteln, Welche 11118 gegenwärtig zu Gebote stehen, ausgeführt, 
würden dem grössten Meister nur zum Ruhme gereichen. Nicht minder 
glücklich ist der Künstler in heiteren Darstellungen, in welchen sich häufig 
eine grosse Innigkeit ausspricht, z. B. in der Darstellung der Seligen nach 
einer zweiten Vision der Maria. Hier stossen wir nicht selten auf gar 
liebliche Gestalten. Mit besondrer Grazie hat der Künstler die Gestalt 
der jungen Maria entworfen; so namentlich in dem Bilde, wo Maria vor den 
Bischöfen und Freiern erscheint, nachdem Gott bereits durch das Wunder 
mit der Taube ihr Schicksal entschieden hat. Zart und lieblich, wie die 
Verse des Textes,  
Da stand sie wie die Blume, 
Die an der grünen Wiese 
Fern sprenget ihren lichten Schein, 
ist hier die Gestalt der Maria vorgeführt. 
Und wohl können wir es, im Anblick solcher Bilder, begreifen, 
dem ersten Gedichte jener Zeit  dem Liede der Nibelungen  
Schilderung des herrlichsten Helden im schönsten Momente seines 
folgender Vergleich angewendet ward: 
wie in 
bei der 
Lebens 
Da stand so minniglieh das Sigemunden Kind, 
Als ob er wär entworfen an ein Pergainent 
Von gutes Meisters Künsten.  
Das in diesen Bildern dargestellte Kostüm ist nach der Sitte des Mit- 
telalters durchweg das der Zeit, und in den bedeutenderen Punkten über- 
einstimmend mit dem im Hortus delieiarum der Herrad von Laudsperg 2). 
Die Männer tragen eng anliegende Hosen, welche meist den ganzen 
Fuss bedecken, zuweilen auch-bei untergeordneten Leuten  nur bis an 
die Knöchel reichen, so dass sie mit blossen Füssen gehen; zuweilen 
146111111611, Wohl 1115 btßüüdrßf Schmuck, auch Halbstiefel vor. Darüber 
eine Tunika mit Aermeln, welche nach dem Bange, nach dem Staat und 
nach dem Bedürfniss (z. B. der Reisenden und Krieger) von verschiedener 
Länge ist. Häufig Wird 61116 doppelte Tunika getragen, von denen zuweilen 
die obere gar keine oder nur sehr kurze Aermel hat; zuweilen ist sie an 
der Seite aufgeschlitzt und die Borten, besonders unten, häufig mit Gold, 
51161161761 111111 516111911 gesßhmückt. Der Gurt um die Tunika ist durch das 
1111611151112611116 01161111611 derselben in der Regel verdeckt. Zuweilen wird 
6111 11611 A1111 6111 E1115  Der Mantel besteht entweder aus einem 
gfQSSßIl Stück Zeug nach Art der Toga, welches meist um den Leib ge- 
wunden und um die Schulter geschlagen wird,  was jedoch nur nach 
den aus früherer Zeit überlieferten Bildern, wo für Christus, die Apostel 
i) Si9_he_ den 119159861111911 Holzschnitt.  2) Engalhardt: Herrad von Lands- 
PQTEHAGÜUSSIII zu Hohenberg oder St. Odilien im Elsass, im XII. Jahrhundert 
und nhr Werk Hortus deliciarum. Mit zwölf Kupfertafeln in F01. Stuttgart umi 
Tübingen, 1818.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.